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Frauenthemenmonat
Lesbenmagazin feiert 15-jähriges Bestehen

Manuela Kay.
Manuela Kay. FOTO: Tanja Schnitzler
Saarbrücken. Im Frauen-Themen-Monat sollen verschiedene Lebensrealitäten von Frauen berücksichtigt werden. Von Isabell Nina Schirra

Lesbenmagazin. Ein Wort, das das Rechtschreibeprogramm des Computers nicht kennt. Und doch gibt es sie. Die Lesben und die Lesbenmagazine. Das Magazin L-MAG sogar schon seit 15 Jahren. Daher widmete ihm der diesjährige Frauen-Themen-Monat in Saarbrücken eine eigene Veranstaltung. In der Frauen-Gender-Bibliothek Saar (FGBS) stellte am Dienstagabend L-MAG-Gründerin, Herausgeberin und Chefredakteurin Manuela Kay ihre Magazin unter dem Motto „L-MAG – Ein Lesbenmagazin im Wandel von 15 Jahren“ vor.


Bis auf den letzten Stuhl sind alle Plätze in der FGBS besetzt, Frauen jeden Alters sind vertreten. Schon zehn Minuten vor Veranstaltungsbeginn ist es mucksmäuschenstill. Alle warten gespannt, bis Manuela Kay loslegt. „Sind die Leute hier immer so pünktlich?“, fragt sie amüsiert. Eigentlich total ungewöhnlich, da sind sich die Anwesenden einig. Doch das Interesse am Thema scheint groß. Der Wissensdurst soll sogleich befriedigt werden. Manuela Kay holt weit aus, erzählt von Vorläufern der Lesben-Magazine wie „Freundin – Wochenschrift für ideale Frauenfreundschaft“, die es schon in den goldenen Zwanzigern gab. Solche Zeitschriften dienten vorwiegend der Aufgabe von Kontaktanzeigen und der Ankündigung von Damenbällen. Der Beginn des NS-Regimes bedeutete gleichzeitig des Ende dieser Magazine. Und dann kam erst mal lange Zeit nichts.

Lesbenmagazine der 60er und 70er hatten ähnliche Funktionen wie die frühen Hefte. 2003 entschloss sich Manuela Kay dann, das L-MAG zu gründen. Und stand sogleich vor einem Problem. Manuela Kay spricht vom „ewigen Kampf zu erklären, warum man ein lesbisches Magazin braucht“. Doch das war bei weitem nicht das einzige Problem des LMAGs. Kay berichtet, wie das Heft jahrelang in der Porno-Ecke von Zeitschriftenläden landete – schlicht und ergreifend, weil heterosexuelle Zeitungsverkäufer sich die Existenz von Lesben außerhalb von Pornos nicht vorstellen konnten. Dabei hat das L-MAG nichts mit „Schmuddelheften“ zu tun – es geht um qualitativen Journalismus, der dem Pressekodex folgt.



Doch natürlich hatte das L-MAG auch seine Höhepunkte. 2006 kaufte der Sender Pro 7 die Lesbenserie „L-Word“ – plante aber nie diese auszustrahlen. Das LMAG rief die Leserschaft auf, mit einer Postkartenaktion die Ausstrahlung einzufordern. Schlussendlich konnte Manuela Kay 2000 Postkarten an Pro 7 überreichen – die Serie wurde ausgestrahlt, wenn auch zu fragwürdigen Sendezeiten. Ob das der alleinige Verdienst des L-MAGs war? Wer weiß. Aber man klopft sich dort gerne mit einem Augenzwinkern auf die Schulter. Zum zehnjährigen Jubiläum 2013 organisierte man den ersten Dyke-March Deutschlands – einen Marsch eigens für Lesben, kurz vorm Christopher-Street-Day.

Solche Aktionen sind aber Teil eines Problems: „Man muss heute mehr als Hefte machen“, erzählt Manuela Kay. Heißt: Gewinnspiele, Präsenz auf allen Social-Media-Kanälen, Partys. Man muss zur Marke werden, zum Zuhause für die Leserschaft. Manuela Kay wagt auch einen Blick in die Zukunft. Das Heft erscheint alle zwei Monate. „Wenn wir 10 000 Abonnenten haben, können wir es uns leisten monatlich zu erscheinen.“ Auch wenn Abonnements die Sicherheit jedes Magazins sind, kaufen manche Menschen lieber im Laden. Aber auch da sieht Manuela Kay Potenzial: „Das ist für mich schon ein politischer Akt, durch den Laden zu schreien ‚Wo issen das Lesbenmagazin?‘“.