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Internationaler Frauentag
Künstler feiern die Gleichberechtigung

Illumination der Alten Kirche.
Illumination der Alten Kirche. FOTO: Schwamborn / HBK/ Schwamborn
Saarbrücken. Unter der Federführung des Lichtkünstlers Schwamborn entsteht ein Kunstprojekt zum Internationalen Frauentag in St. Johann.

Am Mittwochabend bringen Karin Fritz, Isabelle Kirsch, Martine Marx und François Schwamborn die Alte evangelische Kirche am Cora-Eppstein-Platz zum Leuchten. Anlass ist der Internationale Frauentag. Der Tag, an dem Frauen weltweit den erfolgreichen Kampf um gleiche Rechte feiern, ist in diesem Jahr mit einem ganz besonderen Jubiläum verknüpft: Vor genau 100 Jahren hat die Frauenbewegung in Deutschland das aktive und passive Wahlrecht für Frauen durchgesetzt.


„Dieses runde Jubiläum wollten wir natürlich mit einem außergewöhnlichen Projekt würdigen“, sagt Margarethe Kees vom Saarbrücker FrauenForum, einem Aktionsbündnis von 21 Organisationen, die rund um den 8. März in der Landeshauptstadt immer ein großes Veranstaltungsprogramm auf die Beine stellen.

Eine auffällige, öffentlichkeitswirksame Aktion soll es werden. So wandten sie sich an die Hochschule der Bildenden Künste (HBK) Saar mit dem Vorschlag, eine Gebäudefassade mit Lichtkunst zum Thema Emanzipation und Gleichberechtigung zu bespielen. François Schwamborn, der als Lichtkünstler und Lehrbeauftragter an der HBK Saar schon bei „Light Act“ und den „Rotationen“ mitgewirkt hatte, sagte zu, das Projekt zu leiten. Da das FrauenForum sich ein Frauenprojekt wünschte, lud Schwamborn drei begabte Studentinnen als Mitstreiterinnen ein. Jede von ihnen habe für das Lichtkunstprojekt ein eigenes drei- bis fünf-minütiges Video realisiert, erklärt Schwamborn.



Karen Fritz, Masterstudentin in Freier Kunst, ist dafür in die Prähistorie zurückgegangen, genauer gesagt zu den Höhlenmalereien. Lange sei man davon ausgegangen, dass all diese Malereien, Tiere und Abdrücke von Händen von Männern gemacht worden seien, erzählt Fritz. Doch vor ein bis zwei Jahren habe die Forschung herausgefunden, dass die Handabdrücke in Höhlen in Spanien und Frankreich von Frauen stammen. Festgestellt hätten sie das anhand der Fingerlänge.

„Das zeigt doch, dass die Geschichtsschreibung und Archäologie immer aus männlicher Perspektiven vollzogen worden ist“, sagt Fritz. In ihrer Videoarbeit zeigt die Kunststudentin, wie so ein Hand­abdruck entsteht: Man drückt die Hand auf die Wand und streut Pigmentstaub darüber. Zurück bleibt ein Abdruck, den die Fachwelt als „Handnegativ“ bezeichnet. „Ich vollziehe diese Handlung noch mal nach und versetze sie in die Gegenwart, die Geste des Handerhebens steht ja auch für Abstimmen und Wählen“, erklärt Fritz dazu. Mit Pigmenten, Sand und Staub arbeitet sie häufig. In ihrer Abschlussarbeit vor zwei Jahren etwa ließ sie Staub aus kinetischen Objekten rieseln.

Isabelle Kirsch, Masterstudentin in Media Art & Design, hat sich für ihr Video die historische Frauenpresse von 1849 bis 1919 vorgenommen und untersucht, welche Themen und Kontroversen die Frauenrechtsbewegung und ihre verschiedenen Strömungen beschäftigte. Ihre Schlagzeilen und Schlagwörter in Original-Typographie gestaltet Kirsch zu teils rasant bewegten Bildern. Medieninformatik-Studentin Martine Marx, die am SZ-Gespräch nicht teilnehmen konnte, untersucht, wie Ikonen, wie man sie auf Toilettentüren oder Straßenschildern findet, Geschlechtsrollen spiegeln.

Projektleiter François Schwamborn verarbeitet in seinem Video typografisch die Geschichte von Lilith, der ersten Frau Adams, die aus der biblischen Überlieferung verdrängt wurde. „Lilith steht eigentlich für Emanzipation und Weisheit,sie stellt die gelehrte Frau dar und hat durch jahrhundertelange Propaganda ein schlechtes Image bekommen“, sagt der Lichtkünstler. Sechs Monate hat die Projektgruppe an der Vorbereitung der Gebäudeillumination gearbeitet. Am 7. März um 20 Uhr wird sie feierlich gestartet. Bis zum kommenden Sonntag ist sie täglich von 18 bis 20 Uhr zu sehen.

Der  Lichtkünstler und Projektleiter François Schwamborn mit den Studentinnen Karen Fritz ( Mitte) und Isabelle Kirsch.
Der Lichtkünstler und Projektleiter François Schwamborn mit den Studentinnen Karen Fritz ( Mitte) und Isabelle Kirsch.