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Isabelle Ridder ist die Gebärdendolmetscherin der Landesregierung

Kostenpflichtiger Inhalt: Hilfe für Hörgeschädigte : Sie kann die Stille mit Worten füllen

Isabelle Ridder ist als Gebärden-Dolmetscherin der Landesregierung derzeit häufig im Fernsehen zu sehen.

Während unseres Treffens klingelt das Telefon. Am anderen Ende der Leitung meldet sich die Staatskanzlei bei Isabelle Ridder. Es gibt einen neuen Auftrag für die Gebärden-Dolmetscherin, die bei Fernseh-Ansprachen der saarländischen Landesregierung derzeit die Aufgabe übernimmt, das Gesprochene für Hörgeschädigte sichtbar zu machen. Obwohl sie eigentlich mehr Zeit für ihre Familie haben wollte, hat die dreifache Mutter beschlossen, angesichts der „besonderen Zeiten“ für diese Aufgabe bereit zu stehen. „Nachdem meine Kollegin, die zuerst als Gebärde-än-Dolmetscherin zum Einsatz kam, krank wurde, rief mich die Staatskanzlei an und bat mich einzuspringen.“ Mittlerweile hat sie zugesichert, solange zur Verfügung zu stehen, „bis die Krise überwunden ist“.

Im Hauptberuf arbeitet die 42-Jährige als Lehrerin an einer Förderschule. „Ich wusste schon sehr früh, dass ich etwas Pädagogisches machen will“, erzählt die Frau eines gehörlosen Mannes. Die Leidenschaft für das Gebärden-Dolmetschen sei parallel dazu über die Jahre immer größer geworden. Nach einem Kurs an der Volkshochschule, den sie aus Neugier als Schülerin belegte, folgte während ihres Studiums ein Schlüssel-Erlebnis. Zwei Monate verbrachte Ridder an der Gallaudet Universität in Washington D.C. in den USA, der weltweit einzigen Uni für Gehörlose. Dort belegte sie als einzige hörende Studentin verschiedene pädagogische Seminare mit hörbehinderten Studenten.

Seit 13 Jahren arbeitet Ridder nebenbei als Gebärden-Ddolmetscherin. 2009 boten ihr der Verband der Gehörlosen und der Verband der Hörgeschädigten eine berufsbegleitende Qualifizierung an, die mit der erfolgreichen staatlichen Prüfung endete. Seither zählen die evangelische Kirche in Klarenthal, Ärzte, Krankenkassen, Vereine, Firmen, Schulen und Privatleute zu ihren Kunden.

Eine der außergewöhnlichsten Aufgaben ihrer Laufbahn erlebte die aus Saarbrücken-St. Arnual stammende Lehrerin am Saarländischen Staatstheater. Vor einigen Jahren wandte sich die damalige Ballett-Direktorin Marguerite Donlon mit dem Anliegen an die Dolmetscherin, Gehörlosen und Hörbehinderten den Zugang zum Tanztheater zu ermöglichen.

Nach kurzer Überlegung habe der Entschluss gestanden, das Projekt mit Leben zu füllen. „Nur weil es keiner macht, heißt das ja nicht, dass es nicht möglich ist“, erinnert sich Isabelle Ridder an ihren damaligen Gedanken. Eine „intensive Einarbeitung“ sei trotz ihres bestehenden Interesses für das Künstlerische notwendig gewesen. Da nicht alle Betroffenen von Geburt aus gehörlos sind, sei es Ridder immer ein Anliegen gewesen, den unterschiedenen Erwartungshorizonten gerecht zu werden.

Wenn das Bild der 42-Jährigen derzeit alle paar Tage in einem kleinen Kästchen über die saarländischen Fernsehbildschirme flimmert, bleibt ihr weniger Interpretationsspielraum als im Theater. Die Reden bei den Fernsehansprachen der Landesregierung muss Ridder in Windeseile und ohne Vorbereitung in Gebärden übersetzen. „Meine Erfahrung sagt mir, dass Politiker ihre Reden nicht gerne vorab zeigen“, erklärt Ridder. Trotzdem sei es für sie oft leicht zu erkennen, wie manche Sätze enden. Dabei komme ihr zugute, bereits seit sechs Jahren beim Neujahrsempfang des Ministerpräsidenten zu gebärden. Auch dort müsse sie sich auf die Rhetorik der Politiker einstellen, die nicht selten von der Alltagssprache abweiche.

Mit der Veranstaltung im kommenden Jahr soll ihre Tätigkeit als Gebärden-Dolmetscherin dann auch enden. Ab 2021 will Ridder sich voll und ganz auf ihre Familie konzentrieren. Und dieses Mal endgültig.