| 00:00 Uhr

Initiative ist gegen mehr Kneipen

Viele Kneipen und Geschäfte gibt's an der Ecke Nauwieser Straße/Cecilienstraße. Foto: Becker&Bredel
Viele Kneipen und Geschäfte gibt's an der Ecke Nauwieser Straße/Cecilienstraße. Foto: Becker&Bredel FOTO: Becker&Bredel
St Johann. Im Nauwieser Viertel treffen zwei Interessen aufeinander: Die Nachtschwärmer wollen in noch mehr Kneipen feiern, die Anwohner aber ihre Ruhe. Die Stadt will mit einem Bebauungsplan den „Wohncharakter“ schützen, doch die Verabschiedung im Stadtrat verzögert sich. Markus Saeftel

Abends pulsiert im Nauwieser Viertel in den Kneipen und Restaurants das Leben. Doch tagsüber ist zu wenig los, meint Lieselotte Hartmann, Sprecherin der Bürgerinitiative Nauwieser Viertel. Sie vermisst so manchen "netten, kleinen Laden", auch wenn kürzlich eine Kinder- und Jugendbuchhandlung und ein Goldschmiede-Geschäft eröffnet haben, sagt Hartmann. Es gebe immer noch einige Leerstände, auch wenn diese weniger werden. Sie wünscht sich von der Verwaltung, bei Anfragen von Geschäftsleuten gezielt für das Nauwieser Viertel zu werben.

Mit der Verwaltung ist sich die Initiative einig, dass es nicht noch mehr Gastronomiebetriebe im Viertel geben soll, erklärt Hartmann. Bei einer Umfrage, an der sich mehrere hundert Bürger aus dem Viertel und von außerhalb Ende 2012/Anfang 2013 beteiligt hätten, habe sich die Mehrheit gegen mehr Kneipen ausgesprochen, berichtet die Sprecherin. Ein klares Nein zu weiteren "Vergnügungsstätten" hat die Verwaltung in einem Bebauungsplanentwurf festgehalten. Den Plan hat der Stadtrat aber immer noch nicht verabschiedet. Im Gegenteil: Er hat die zweite Verlängerung der Veränderungssperre bis zum November 2015 beschlossen. Die erste Sperre war nach der Sanierung des Nauwieser Viertels notwendig geworden, weil es Bauanträge für eine Spielhalle und eine Pizzeria anstelle einer Peep-Show und eines Einzelhandelsladens gab. Die Verwaltung wollte dies verhindern und möchte auch keine neuen Betriebe dieser Art genehmigen, sondern ein "Umkippen des Wohnquartiers in ein Kneipen- und Amüsierviertel" ausschließen. Die ansässigen Betriebe haben aber Bestandsschutz und dürfen auf ihren Grundstücken auch erweitern, heißt es in der Vorlage für die vergangene Stadtratssitzung.

Die erneute Verlängerung der Veränderungssperre in diesem Jahr sei nicht geplant gewesen, sagt Baudezernentin Rena Wandel-Hoefer. Aus juristischen Gründen sei dies aber notwendig, damit auch Eckgrundstücke in dem Sanierungsgebiet erweitert werden könnten. Dieses Detail habe die Verwaltung nicht bedacht. Dann werde aber die maximale Größe der versiegelten Grundfläche im Rahmen eines beschleunigten Bebauungsplan-Verfahrens überschritten. Auch Fragen des Lärmschutzes müssten nochmals erörtert werden, erklärt Wandel-Hoefer. Die Dezernentin rechnet nun damit, dass der Bebauungsplan im nächsten Jahr rechtskräftig wird.

Den Bebauungsplanentwurf der Verwaltung begrüßt Lieselotte Hartmann und hofft in einem weiteren Punkt auf die Unterstützung der Stadt. Sie wünscht sich eine "effektivere Kontrolle" der neuen Parkregelung für Anwohner. Die für sie ausgewiesenen Parkplätze sind bis 22 Uhr reserviert, erst danach dürfen Nachtschwärmer von außerhalb dort parken. Das will die Verwaltung zwei Jahre lang testen und hatte angekündigt, abends verstärkt zu kontrollieren. Dies sei auch nötig, meint Hartmann. Das Aufstellen von Schildern reiche nicht.