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Hilfe für misshandelte Frauen
Hilfe für die blutende Seele

Die Beraterinnen von Therapie Interkulturell in ihrem Büro in der Rosenstraße: Hana Al Nasser, Zina Hajric und Tahereh Bakhtiyari (v. l.).
Die Beraterinnen von Therapie Interkulturell in ihrem Büro in der Rosenstraße: Hana Al Nasser, Zina Hajric und Tahereh Bakhtiyari (v. l.). FOTO: Oliver Dietze
Saarbrücken. Das Team von Therapie Interkulturell betreut traumatisierte Flüchtlingsfrauen. Heute feiert der Verein sein 20-jähriges Bestehen. Von Lisa Kutteruf

Wer einen Termin bei Tahereh Bakhtiyari hat, betritt einen helles, gelb gestrichenes Büro in der Saarbrücker Rosenstraße. Vor dem Fenster liegt ein bunter Teppich. Darauf stehen zwei moosgrüne Sessel und ein kleiner Tisch. Hat man sich in einen der weichen Sessel sinken lassen, serviert Bakhtiyari Kaffee und Kekse.  Dann nimmt die Iranerin auf ihrem Schreibtischstuhl Platz.



Bakhtiyari arbeitet für Therapie Interkulturell. Zusammen mit Hanadi Al Nasser und Zinaida Hajric berät die Iranerin traumatisierte Flüchtlingsfrauen. Am heutigen Freitag, 20. Oktober, feiert der Verein sein 20-jähriges Bestehen.

Entstanden ist die Einrichtung in den 90er Jahren. Im Zuge des Bosnienkriegs flüchteten zahlreiche bosnische Frauen nach Deutschland. „Diese Frauen wurden häufig vergewaltigt, sprachen aber aus Scham nicht darüber“, sagt Bakhtiyari. „Zusätzlich belastete sie die Ungewissheit wegen des Aufenthaltsrechts.“

Schnell sprach es sich herum, dass es eine Beratungsstelle gibt. „Die Frauen wollten über ihr Leid reden“, sagt die dunkelhaarige Frau. Irgendwann seien auch Frauen anderer Nationalitäten zu Therapie Interkulturell gekommen.

Die Einrichtung wird vom Ministerium für Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie, dem Regionalverband Saarbrücken und der Landeshauptstadt finanziell gefördert. Längst steht sie allen Frauen mit Migrationshintergrund offen, die emotionaler oder physischer Gewalt ausgesetzt waren. Bakhtiyari kann sich mit Afghaninnen und Iranerinnen verständigen, ihre Kollegin Hanadi Al Nasser spricht Arabisch und Zinaida Hajric, die dritte Beraterin, ist Bosnierin. Joaquina Peña Vera, die den Verein ehrenamtlich unterstützt, kommt aus Spanien. Sie ist neben Erika Breuer und Ozra Schneider die dritte Vorsitzende. Wenn die Sprachkenntnisse der Mitarbeiterinnen nicht ausreichen, greift der Verein auf ein Netz von 70 Dolmetscherinnen zurück.

Auf dem Tischchen zwischen den grünen Sesseln in Bakhtiyaris Büro steht eine Schachtel mit Taschentüchern. „Die Frauen, die zu uns kommen, sind meist in schwierigen Lebenssituationen“, sagt Peña Vera. Beispiele seien Konflikte innerhalb der Familie, Eheprobleme, Missbrauch und häusliche Gewalt.

Dabei würden meist mehrere Probleme zusammenkommen: „Sie haben Sprachprobleme, leben sozial isoliert und haben keine Ahnung, welche Rechte sie haben“, sagt Bakhtiyari.

In anonymen Einzelberatungen mit Therapeutinnen hilft das Team bei der Suche nach einer sicheren Unterkunft, in erzieherischen Fragen oder dabei, neue Lebensperspektiven zu entwickeln. Zusätzlich organisiert Therapie Interkulturell Veranstaltungen für die Frauen, inklusive Kinderbetreuung. Generell läuft die Arbeit jedoch unter dem Motto „Hilfe zur Selbsthilfe.“

„Im Herbst 2015 haben wir eine Frauengruppe gegründet“, sagt Peña Vera. Seitdem können die Frauen auch offen in der Gruppe diskutieren.

„Unsere Beratung ist auch ein Baustein zur Integration“, sagt Peña Vera. „Teilweise haben die Frauen andere Werte, was zu Missverständnissen in Deutschland führen kann“, sagt Bakhtiyari. „Ich erkläre ihnen, dass das nicht an Ihnen persönlich, sondern an der Kultur liegt.“

Dass viele der Mitarbeiterinnen selbst einen Migrationshintergrund haben, erleichtere die Arbeit: „Die Frauen vertrauen uns schneller“, sagt Bakhtiyari.

Während Bakhtiyari und Peña Vera in dem gelben Büro sitzen, lachen sie viel. Wer sich nach einer Stunde mühsam aus dem weichen Sessel erhebt und die sympathischen Frauen verlässt, weiß, warum die Beratungsstelle so beliebt ist.