Wohngebiet kontra Natur?: Heidenkopf: Angst vor Verlust der grünen Lunge

Wohngebiet kontra Natur? : Heidenkopf: Angst vor Verlust der grünen Lunge

Der Bebauungsplan für ein Waldstück in St. Johann ist in der Mache. Anrainer befürchten flächendeckende Rodungen.

Jeder, der in einer Großstadt lebt, will trotzdem möglichst viel Grün um sich herum. Die einen für ausgiebige Spaziergänge oder Sport, die anderen mit dem Wissen um den Faktor reine Luft. Und genau darum geht es auch den Menschen am Heidenkopf nahe des Toto-Bades.

Der Gedanke daran, dass es hier schon in naher Zukunft ganz anders ausschauen könnte, lässt sie jetzt gewaltig protestieren. Lange bevor konkrete Pläne über die dort vorgesehenen Bauten überhaupt öffentlich sind. Nur so viel ist bislang grob bekannt: Es sollen 65 Wohnungn in Mehrfamilienhäusern entstehen, zusätzlich 45 Reihen- und Einfamilienhäuser. Damit ist klar: Bäume des zusammenhängenden Waldgebietes werden definitiv fallen müssen, um dafür Platz zu schaffen.

Doch wie weit sind die Vorstellungen mittlerweile gediehen? Bewohner befürchten gar, dass die Rodungen dafür binnen kürzester Zeit bevorstehen, um Fakten zu schaffen. Stimmt nicht, versichert Thomas Blug, Presssprecher der Stadt Saarbrücken. Bevor auch nur eine Tanne, ein Laubbaum der Säge zum Opfer fällt, sollen die Bürger beteiligt werden. So sehe es schließlich auch das Gesetz vor. Diese „frühzeitige Öffentlichkeitsbeteiligung“, wie es im Amtsdeutsch heißt, soll im Herbst stattfinden, kündigt Blug an. Mittlerweile steht auch ein Termin dazu fest: Dienstag, 18. September. Wo und um welche Uhrzeit sich die Beteiligten dann treffen, werde später bekannt gegeben.

Während der Informationsveranstaltung sollen Bürger Anregungen und Kritik loswerden. Diese erhalten der Stadtrat dann für weitere Beschlüsse. Es sei also noch gar nichts Konkretes entschieden.

Einzig und allein ein erster Beschluss des Stadtrats liege zu dem Projekt auf dem Tisch. Dieser stamme vom 5. Dezember vergangenen Jahres. Wie in solchen Fällen üblich, gehe es prinzipiell dabei um den grundsätzlichen Entscheid, dort auf dem Heidenkopf etwas zu planen.

Und gibt es doch bereits Pläne, wie das Ganze letztlich aussehen soll? Entwürfe, bestätigt Blug, die aus einem Wettbewerb resultierten. Öffentlich seien diese bislang aber nicht. Erst im Herbst bekämen sie Bürger und städtische Entscheider zu Gesicht. Zu den Gremien gehörten unter anderem der Bezirksrat Mitte, der das Vorhaben nur zur Kenntnis nimmt, aber kein Vetorecht besitzt. Der Bauausschuss des Stadtrates debattiert des Weiteren darüber und gibt eine Empfehlung an den Stadtrat, der letztlich Ja oder Nein zu den neuen Wohnhäusern sagt.

All dies sei dementsprechend noch in weiter Ferne, entschieden zu werden. Blug: „Es gibt noch keine konkreten Umsetzungspläne.“ Er spricht folglich von einem „recht frühen Stadium des Bebauungsplanverfahrens“.

Der städtische Pressesprecher versucht, Befürchtungen einer flächendeckenden Rodung zu entkräften. „Der derzeitige Entwurf sieht vor, Bäume zu erhalten, wo es möglich ist, und ansonsten möglichst viel Grün- und Parkflächen zu schaffen“, berichtet er nach Rücksprache mit den Planungsverantwortlichen.

Verantwortlich für das neue Wohngebiet ist die Gesellschaft für Innovation und Unternehmensförderung (GIU), ein Betrieb im Besitz der Landeshauptstadt. Wie viel das Projekt überhaupt kosten soll, sei noch nicht beziffert. Da der städtische Betrieb GIU Bauherr sein soll, müsse die Stadtverwaltung nichts aus der eigenen Kasse dafür ausgeben.

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