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Fachtagung von Feministinnen
Feministinnen debattieren über Digitalarchiv

Annette Keinhorst von der Frauengenderbibliothek Saar. 
Annette Keinhorst von der Frauengenderbibliothek Saar.  FOTO: Kathrin Marx
Saarbrücken. Thema einer Fachtagung waren die Herausforderungen, Bibliotheken in die Moderne zu überführen.

Zur 52. Fachtagung des i.d.a.-Dachverbandes deutschsprachiger Frauen-/Lesbenarchive, -bibliotheken und -dokumentationsstellen kamen rund 60 Delegierte aus Deutschland, Österreich und Luxemburg nach Saarbrücken. Auf Einladung der Frauengenderbibliothek Saar diskutierten sie über die Herausforderungen und die Bedeutung der digitalen Aufbereitung feministischen Archivmaterials. Titel der Veranstaltung: „Frauenbewegung als Teil des kulturellen Gedächtnisses – feministische Gedächtnisinstitutionen im digitalen Zeitalter“.


Den Auftakt des dreitägigen Jahrestreffens bildete die öffentliche Vorstellung des Projektes „Digitales Deutsches Frauenarchiv“ (DDF) im Europasaal der Jugendherberge im Meerwiesertalweg. Das DDF, ein Wissensportal auf Bundesebene, stellt den Nachfolger des bereits online verfügbaren META-Katalogs dar. Als Forschungs-, Bildungs- und Informationsbibliothek soll es den Zugang zur Frauengeschichte erleichtern. Dieses Vorhaben wird vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend mit insgesamt vier Millionen Euro bis 2019 gefördert. Der „Onlinestartschuss“ soll am 13. September 2018 in der Berliner Staatsbibliothek erfolgen.

„Digitalisierung ist viel Arbeit und wird oft unterschätzt“, berichtete  Stefanie Pöschl, Softwareentwicklerin für das DDF, und wies auf den Aufwand der Vor-/Nachbereitung und Qualitätssicherung des Materials hin. Dienstleister in der Digitalisierungsbranche seien oft ausgelastet, und es bestehe die Gefahr, dass Objekte verloren gehen. Die Rechtserklärung stelle ebenfalls eine Hürde dar, da die „Gemeinfreiheit“ erst 70 Jahre nach Ableben des Urhebers gegeben ist, sagte Pöschl. Bei Zeugnissen mit mehreren Beteiligten wie beispielsweise einem Demonstrationsplakat werde dies zusätzlich erschwert.



So freut sich die Frauengenderbibliothek Saar über die von Ministerin Monika Bachmann zugesagten Finanzierung einer halben Jahresprojektstelle zur Aufarbeitung des saarländischen Archivmaterials für das DDF. Diese Aufgabe hat im November 2016 die diplomierte Bibliothekarin Gesine Kleen übernommen. Die bewahrten Quellen und Dokumente bilden einen umfangreichen Bestand an Frauen- und Genderthemen, die bis in die 70er Jahre zurückverfolgt werden können. Der Hauptkatalog besteht derzeit aus 26’500 Elementen, erst einem Drittel des noch zu erfassenden Archivs.

Hervorgehoben wurden die bereits gänzlich digitalisierten saarländischen Frauenzeitschriften „Charme“, „Lila Distel“ und „Donna Wetter“, welche seit Beginn der Nachkriegszeit bis in die 90er Jahre das feministische Engagement in Saarbrücken nachweisen. Ebenso Belege des Frauennotrufs Saar, bestehend aus Protokollen, Pressemitteilungen, Plakaten und Tonaufnahmen.

„Ein Quantensprung in der Erinnerungskultur“, versichert Annette Keinhorst von der Frauengenderbibliothek Saar, die ihr eigenes Mitwirken noch lebhaft vor Augen hat. Am 30. April 1977 bei der „Walpurgisnacht“-Demonstration unter dem Motto „Frauen erobern sich die Nacht zurück“ sorgte sie mit Gleichgesinnten in der Saarbrücker Innenstadt für die Umbenennung von Straßennamen. Die Geschichte der Frauenbewegungen soll im DDF festgehalten werden, um sie „ins kulturelle Gedächtnis des Landes einzuschreiben“, unterstreicht die Zeitzeugin.