Exotische Klänge und Speisen

Beim Fest der Kulturen der HTW Saar geht das Kennenlernen durch den Magen.

Was ist der kürzeste Weg zu einer anderen Kultur? Genau. Durch den Magen. Deshalb stand am vergangenen Samstag auch der Neugrabenweg in Saarbrücken-Rotenbühl voll mit Essensständen. Streetfood aus Brasilien und Senegal, aus Tunesien und aus Syrien. Das syrische Essen wurde verkauft vom Verein „Sirag Sori“, zu Deutsch „Syrische Laterne“. Alle zusammen haben sie zwei Tage lang syrische Spezialitäten zubereitet.

Furat und Emad sind beschäftigt damit, den Interessierten zu erklären, was die Gerichte mit den exotischen Namen sind. Furat ist Deutschland geboren, Emad ist vor zwei Jahren aus Syrien gekommen. Mit vielen Anderen im Verein helfen sie seit einiger Zeit Geflüchteten bei der Integration in Saarbrücken. Am Samstag wurden sie deshalb eingeladen zum Fest der Kulturen, das Studenten der HTW Saar auf und um den Campus in Saarbrücken-Rotenbühl veranstalteten.

Wenn man das Programmheft betrachtet, weiß man gar nicht was, man sich zuerst ansehen soll. Man merkt, dass zwei ganze Master-Studiengänge mit der Veranstaltung dieses großen Fests beschäftigt waren. Bevor man die HTW erreicht, gibt es schon so viel zu sehen. Vom Ilseplatz kommend werden die Besucher mit griechischer Musik von der Deutsch Griechischen Gesellschaft Saar begrüßt. Auf dem Weg zu den Gebäuden der Hochschule springt der grüne Zaun ins Auge, der den Weg von der Wiese hinter den Hochschulgebäuden abtrennt. Denn er ist nicht mehr nur grün.  Von zwei Klassen des Gymnasiums am Rotenbühl wurde er mit bunten Fäden von oben bis unten komplett umgestaltet.

Weiter geradeaus steht eine Leinwand, davor eine Bierbank mit bunten Filzstiften. Auf der Leinwand: die Umrisse vieler Augen. Studenten laden zum Ausmalen der Umrisse ein. Das lassen sich die Kinder nicht zweimal sagen. Sie beginnen die Augen auf unterschiedlichste Art und Weise zu füllen. Konzipiert wurde das Gemeinschaftskunstwerk mit dem Namen „Tausend Augen“ vom Saarbrücker Künstler Mike Mathes, der auch die Grundrisse des Bildes gemalt hat.

Im Innenhof angekommen steht eine Bühne. Dort geht es so vielfältig und interkulturell wie auf dem restlichen Gelände weiter - mit Musik aus Russland, der Ukraine, Afrika oder klassischer Musik aus Europa. Wer sich auf interkulturelle Art und Weise satt gegessen hat und genug vom lauten Treiben auf der Bühne hat, kann sich zurückziehen an die Tafel der Offenen Gesellschaft. Sie lädt ein zum Unterhalten, zum Diskutieren darüber, wie unsere Gesellschaft aussehen soll und wie man sie verbessern kann. Postkartengroße Zettel liegen aus, mit der Aufschrift „Ich bin dafür..“. Ausgefüllt sollen sie an eine Stellwand gepinnt werden. Worte wie Freiheit, Offenheit und mehr Toleranz sind an der Stellwand zu lesen.

„Tausend Augen“ - so heißt das Gemeinschaftskunstwerk des Saarbrücker Künstlers Mike Mathes. Kinder durften auf einer Leinwand Augen ausmalen. Foto: Tobias Ebelshäuser/Tobias Ebelshäuser

Noch interessanter sind die Postkarten, die drei Fragen an ihren Leser stellen. Neben ihnen steht eine Einwurfbox. Die zentrale Frage darauf: „Was müsste sich in der Gesellschaft ändern, damit mehr Menschen mehr Glück erleben?“ Einige haben diese Frage für sich beantwortet und die Postkarte eingeworfen. Die Antworten bleiben leider verborgen.

Mehr von Saarbrücker Zeitung