Eschberg: Senioren wollen mobiler sein

Was ist den Senioren auf dem Eschberg wichtig? Das fanden Mitarbeiter der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) mit einer Umfrage heraus. Ein Ergebnis ist auch, dass einige Rentner von Altersarmut bedroht sind.

Die meisten Senioren auf dem Eschberg leben gern hier. Doch mit dem steigenden Alter ändern sich die Ansprüche an das Wohnumfeld: Ihre Eindrücke und Wünsche haben sie im Rahmen einer Umfrage geäußert und waren vor einigen Tagen auf die Ergebnisse gespannt. "Dass Sie sich für ihren Stadtteil interessieren und mitgestalten wollen, haben Sie mehr als deutlich gezeigt", lobte Oberbürgermeisterin Charlotte Britz den hohen Rücklauf von 53 Prozent bei einer Befragung der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW).

Dass der Eschberg für das Pilotprojekt "Senioren im Quartier" (SIQ) - die Umfrage ist Teil des Projektes - ausgewählt wurde, ist kein Zufall. Mit einem Durchschnittsalter von 74 Jahren ist der Eschberg der "älteste" Stadtteil Saarbrückens. "Die Senioren von heute haben sich vor vielen Jahren hier als junge Familien niedergelassen und möchten hier alt werden", sagte Karsten Ries, wissenschaftlicher Mitarbeiter der HTW. "Insgesamt sind die Senioren zufrieden, aber es gibt Luft nach oben - vor allem im Bereich Mobilität", beschrieb Ries das größte Problemfeld aus Sicht der älteren Bewohner.

Bürgerbus als Lösung?

Die Senioren wollen ausgehen, zum Beispiel ins Staatstheater. Sie kommen mit dem Bus gut hin, aber zurück gibt es keinen Bus mehr. Auch der zentrale Nahversorgungspunkt im Ort, der Brandenburger Platz, wird nicht angefahren. Viele Senioren stellten dies sowohl in der Umfrage als auch bei der Fragerunde vor wenigen Tagen als großes Manko dar. Als mögliche Lösung brachte ein Vertreter des Saarländischen Verkehrsverbundes (SaarVV) einen Bürgerbus ins Gespräch, um die Lücken zu schließen. Eine solche Kleinbuslinie wird meistens von einem Verein betrieben. Sollten sich engagierte Bürger als Fahrer melden, würde der Saar VV eine solche Initiative unterstützen.

Viele Senioren kritisierten auch die zum Teil fehlende Beleuchtung und den Zustand der Gehwege. "Manche haben so große Löcher, dass sich Regenwasser drin sammelt und man nicht mehr mit trockenen Füßen nach Hause kommt", klagte eine Anwohnerin. Hochgewachsenes Unkraut und zugeparkte Bürgersteige machen Menschen auf dem Eschberg ebenfalls zu schaffen. Dort gibt es bereits mehrere seniorengerechte Angebote - wie das Egon-Reinert-Haus. Hier werden die älteren Bürger zum Beispiel beraten. Jedoch zeigten die Ergebnisse der Umfrage, dass viele Senioren diese nicht nutzen, weil sie davon nichts wissen.

Die meisten Anwohner auf dem Eschberg haben keine finanziellen Probleme. "Dennoch kommt in der Umfrage heraus, dass eine nicht zu verachtende Minderheit von Altersarmut bedroht ist", warnte Karsten Ries. Das werde sowohl bei der Angabe der finanziellen Ressourcen als auch in dem wiederholten Wunsch nach einer "Tafel" auf dem Eschberg deutlich. "Wir als Stadt wollen diese Ergebnisse nutzen, damit Menschen auch im Alter dauerhaft hier wohnen bleiben können", so Guido Freidinger, Leiter des Amtes für soziale Angelegenheiten. Ziel des SIQ-Projekts ist es, eine Anlaufstelle für ältere Menschen zu schaffen, bei der sie für alle Belange des Alltags Unterstützung erfahren.

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