| 21:17 Uhr

Ophüls-Festival
„Ein Abtauchen in die mondäne Welt“

Von Dienstag bis Freitag hat Lolas Bistro ab 21 Uhr geöffnet. Im ersten Stock des Gebäudes sprechen ab 23 Uhr Filmemacher im SR Talk.
Von Dienstag bis Freitag hat Lolas Bistro ab 21 Uhr geöffnet. Im ersten Stock des Gebäudes sprechen ab 23 Uhr Filmemacher im SR Talk. FOTO: Oliver Dietze / Oliver Dietze /MOP
Saarbrücken. Der Festival-Treffpunkt Lolas Bistro haucht dem alten C&A-Gebäude neues Leben ein.

Beim Filmfestival Max Ophüls Preis scheinen die Uhren irgendwie anders zu ticken – denn obwohl es Dienstag, weit nach 23 Uhr ist, ist Lolas Bistro prall mit Leben gefüllt.


Nachdem bereits am Montag mit der Deutschlandpremiere des Dramas „Der Hauptmann“ von Robert Schwentke das 39. Filmfestival Max Ophüls Preis eröffnet worden war, öffnete am Dienstag auch der Festivalclub „Lolas Bistro“ seine Pforten. Seit Wochen hat die Farbe Blau die Saarbrücker Innenstadt fest im Griff – und Lolas Bistro scheint das Epizentrum dieser blauen Welle zu sein. Dreh- und Angelpunkt für alles, was neben den Filmvorstellungen und Preisverleihungen noch so passiert. Der exklusive Festivalclub ist der zentrale Treffpunkt, an dem von Dienstag bis Freitag nachts Festivalgäste, Saarbrücker und Filmemacher zusammenkommen – zum Reden, Trinken und Tanzen.

Bereits im zweiten Jahr hielt Lolas Bistro Einzug ins alte C&A-Gebäude, das seit Jahren leer steht. Neben der Möglichkeit, mit Regisseuren und Schauspielern ins Gespräch zu kommen, scheint vor allem die spannende Location viele Besucher anzuziehen. Sie finden es toll, wie dieses uralte Gebäude, in dieser Größe kulturell genutzt werden kann. Die Einrichtung erinnert an eine Mischung aus zusammengewürfelten Flohmarktmöbeln und Omas Vorgarten. Die einen finden das „interessant“, die anderen fühlen sich an die Szene mit dem „Freakshow-Kaufhaus, in dem sich der Fisch plötzlich so wohl wie im Wasser fühlt“, aus dem Film „Uhrwerk Orange“ erinnert. Geschmackssache eben.

Ein Highlight im Programm von Lolas Bistro sind die SR-Filmtalks im ersten Stock des Gebäudes. Im Gespräch mit Franziska Hessberger und Kai Schmieding beantworten Regisseure, Filmschaffende und Schauspieler des Wettbewerbs Fragen rund um ihre Werke und bieten dem Zuschauer die Gelegenheit, aktiv an den Diskussionen teilzunehmen. Und diese Möglichkeit wird rege genutzt – denn, wann hat man schon einmal die Chance, sich aus erster Hand erklären zu lassen, warum Lisa Brühlmann für ihren Coming-of-Age Film „Blue my Mind“ einen solch rätselhaften Einstieg gewählt hat. Oder warum Christine Repond in ihrem Film „Vakuum“, der das Thema HIV behandelt, so viel nackte Haut zeigen musste.

Irgendwie geht es bei den Talks dann auch nicht nur um Film, sondern auch um die Realität, die Gesellschaft. Etwa, wenn Barbara Auer, die die Hauptrolle in „Vakuum“  spielt, das Totschweigen von HIV heutzutage kritisiert. Und dafür entsprechenden Applaus erntet. Das Ganze lohnt sich nicht nur, wenn man die Filme bereits gesehen hat. Im Gegenteil. „So wird man eingestimmt und erhält eine kleine Einführung in die Filmwelt“, berichtet eine Teilnehmerin.



Lolas Bistro ist nicht nur mit Leben, sondern auch mit regen Diskussionen gefüllt. Man tauscht sich aus – wer hat was gesehen, fand man es gut oder schlecht, und warum sollte wer sich was noch unbedingt ansehen. Wer einmal innehält und in das allgegenwärtige Gemurmel hineinlauscht, kann die ein oder andere fachkundige Rezension erhaschen. Und sollte der Kopf dann doch mal eine kleine Pause vom Film brauchen, kann getanzt werden – zur Musik von Saarbrücker DJs. Am Dienstag war Helya Esmaeili dran. „Das Publikum ist viel gemischter als die typischen Clubgänger, und es ist schwieriger, die Leute zum Tanzen zu bringen“, sagt sie. Trotzdem sei es etwas ganz Besonderes. „Ein Abtauchen in die mondäne Welt“. So bezeichnet ein Besucher schmunzelnd den Besuch bei Lolas Bistro. Noch bis Freitag besteht die Gelegenheit dazu.