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Johanneskirche
Doppeljubiläum für die Johanneskirche

Vor 100 Jahren hörten die Saarbrücker zum ersten Mal die neuen Stahlglocken der Johanneskirche.
Vor 100 Jahren hörten die Saarbrücker zum ersten Mal die neuen Stahlglocken der Johanneskirche. FOTO: Oliver Dietze
Saarbrücken. Weihe des Gotteshauses ist an diesem Freitag 120 Jahre her. Vor 100 Jahren bekam die Kirche ihre heutigen Glocken.

Der 6. Juli 1898 war in St. Johann ein großer Feiertag. Denn an diesem Tag wurde die neugotische Johanneskirche des Saarbrücker Architekten Heinrich Christian Güth mit Festzug, Posaunenklang und Weihe von Oberpfarrer Gustav Ilse feierlich eröffnet.


An diesem Wochenende wird daher das 120. Jubiläum der Johanneskirche gefeiert. Gleichzeitig wird ein zweiter runder Geburtstag begangen. Denn die heutigen Glocken läuteten am 8. Juli 1918 zum ersten Mal, werden also genau 100 Jahre alt. Dabei handelt es sich aber nicht um die ersten Glocken der Johanneskirche.

„Die ersten wurden in der Glockengießerei Carl Friedrich Ulrich im thüringischen Apolda gegossen. Sie waren aus erbeuteten französischen Kanonen des Deutsch-Französischen Krieges von 1870/71 gearbeitet worden“, erklärt Pfarrer Herwig Hoffmann. Die sechs Kanonenrohre waren ein Geschenk des Kaisers Wilhelm II. und hießen dementsprechend nach ihm, der Kaiserin, nach Bismarck und nach Johannes, dem Täufer.



Während des Ersten Weltkrieges wurden die Glocken jedoch eingeschmolzen. Um sie ranken sich bis heute mehrere Legenden. So soll die kleinste Glocke vergraben und damit gerettet worden sein. Aus ihr soll die Gedenktafel für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges gegossen worden sein, die heute noch am Eingang der Kirche zu sehen ist. „Die heutigen vier Stahlglocken wurden in Bochum gefertigt“, erzählt Herwig Hoffmann weiter. „Stahlglocken sind etwas ungewöhnlich, denn normalerweise wurden Glocken aus Bronze gegossen. Aber damals wurden die Stahlglocken auf einer Ausstellung vorgeführt, und es hieß, sie seien besonders gut. Daher hat man sich damals in St. Johann für die Stahlglocken entschieden.“

Die Glocken aus dem Jahr 1918 sind noch heute in Gebrauch, sie sind Johannes, Christus, Jesaja und Paul Gerhardt gewidmet. Jede verfügt über eine eigene Inschrift; auf der Christusglocke ist zu lesen: „Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid.“

Diese Glocken werden am Wochenende besonders gut zu hören sein. Denn neben einem Konzert am Samstag um 16 Uhr von Kantor und Organist Christoph Hauschild, in dem er Glockenklänge auf der Orgel darstellen wird, ist am Sonntag der Läutemeister und Glockenkundler Patrick Sycha zu Besuch. Er wird um 16 Uhr ein Konzert mit den Glocken geben, bei dem Teilgeläute aus zwei- und dreistimmigen Läutemotiven zu hören sein werden. „Wer für dieses Konzert zur Kirche kommt, sollte sich einen Platz um die Kirche suchen, im Kirchgarten oder in der Nähe. Denn dort hört man die Glocken besser als in der Kirche“, sagt Pfarrer Hoffmann.

Anschließend kann man  sich im Kirchgarten auch gleich erfrischen, denn man organisiere dort für  Sonntag ein kleines Fest. Allerdings sollte man sich unbedingt die Kirche auch von innen anschauen. Denn bis zum Ende der Sommerferien werden im Chor die Originalpläne vom Bau der Johanneskirche gezeigt.

Neben dem Grundriss, filigran ausgeführten Aufrissen und dem malerischen Entwurf der Grundsteinplatte sind auch historische Fotografien zu sehen, die die originale Bemalung der Johanneskirche zeigen. Obwohl die Pläne normalerweise im Archiv der Kirche verwahrt sind, zeigen sie diverse Alterungsspuren.  „Leider sind viele der Originalpläne restaurierungsbedürftig. Wir informieren uns gerade, wo und wie man sie aufarbeiten lassen kann“, erklärt Pfarrer Hoffmann. Aber zuvor kann man sie noch in einer kleinen, aber feinen Ausstellung anschauen.

Citypfarrer Herwig Hoffmann in der Johanneskirche.
Citypfarrer Herwig Hoffmann in der Johanneskirche. FOTO: Oliver Dietze