Die Lust auf Neues macht sie mutig

St. Arnual. "Der Schritt in die Selbstständigkeit begann mit einem Beinbruch." Marietta Schröder hat sich den Satz aufgeschrieben. "Denn mir sind Worte sehr wichtig", sagt die 51-Jährige

St. Arnual. "Der Schritt in die Selbstständigkeit begann mit einem Beinbruch." Marietta Schröder hat sich den Satz aufgeschrieben. "Denn mir sind Worte sehr wichtig", sagt die 51-Jährige. Und die Sache mit dem Beinbruch, der genau genommen "nur" ein Fußbruch war, sei einfach mal wieder typisch für sie, sagt Schröder und stellt lachend die blauen Krücken neben die bunt lackierte Sitzbank auf ihrem Balkon. Anfang des Jahres hat sich Marietta Schröder selbstständig gemacht. Hat ihren festen Job als Redaktionsassistentin beim Saarländischen Rundfunk gekündigt, um noch einmal etwas zu wagen. "E mool, e mool hätt ich gähr gelääbt", diese Worte eines saarländischen Dichters, an dessen Namen sie sich nicht mehr erinnere, sei ihr in den vergangenen Jahren immer wieder in den Sinn gekommen. "Wenn ich jetzt nicht etwas Neues versucht hätte, hätte ich das auch sagen müssen", meint Schröder. Also nahm sie allen Mut zusammen und wagte den Sprung ins kalte Wasser, um als Gestalttherapeutin, Reiki-Meisterin und Veranstalterin von "Kuschelpartys" ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Die positive Wirkung von Reiki erfuhr sie am eigenen Leibe, als sie von Rheuma geplagt wurde. "Nach sieben Behandlungen in einer Woche wurde es besser", erzählt Schröder. Einen Schulmediziner oder Psychotherapeuten ersetze Reiki freilich nicht. Bei Reiki gehe es darum, durch Handauflegen Blockaden zu lösen, die den Energiefluss hemmen, und so Selbstheilungskräfte zu aktivieren. Respektvolle Berührungen in einem geschützten Rahmen seien bei den Kuschelpartys möglich, die sie seit diesem Jahr anbiete. "Das Konzept ist inzwischen vielen bekannt", weiß Marietta Schröder. Aber der Durchbruch sei noch nicht geschafft. "Das dauert", weiß die Unternehmensgründerin. So glücklich sie mit ihrer neuen Existenz auch ist - der wirtschaftliche Teil der Angelegenheit bereitet ihr bisweilen Bauchschmerzen. Mit 50 freiwillig auf die Sicherheit eines festen Jobs verzichten, das würden andere vermutlich schlicht als verrückt bezeichnen. Doch Marietta Schröder hat schon vieles ausprobiert. "Mit 30 bin ich für zwei Jahre ausgestiegen, habe ohne fließendes Wasser in einem Bauwagen gelebt", erzählt Schröder. "Aber wirklich lustig war das nicht." Heute lebt sie in einem idyllischen Haus in St. Arnual. Die Wohnung, in der sich der Raum für Reiki und Gestalttherapie befindet, hat mit einer normierten Einrichtung rein gar nichts gemein: Die Wände der niedrigen Räume sind kunterbunt gestrichen, an der sonnengelben Küchenwand haben sich Freunde wie in einem Gästebuch verewigt. Dass Schröder sehr kreativ ist, beweisen auch ihre Hörspiele, mit denen sie sich einen Namen gemacht hat. Für ihr neuestes Werk beschäftigte sie sich intensiv mit dem Saarbrücker Medienkünstler Tamás Waliczky. Zeit hatte sie ja - dem gebrochenen Fuß sei Dank.