Brunnen-Serie : Der nasse Spaß am Landwehrplatz

Aus neun Düsen sprudelt Wasser. Das ist an heißen Tagen herrlich erfrischend. Doch die Anlage hat ihre Tücken.

Früher fand man sie in hitzegeplagten südlichen Ländern an allen Straßenecken und jedem Bahnsteig der Bahnhöfe: kleine Trinkwasserbrunnen, die nur dazu da sind, dass der Passant sich den Mund ausspülen oder seinen Durst löschen kann. In Rom gibt es noch heute im ganzen Stadtgebiet 2500 dieser kleinen Brunnen, die die Italiener wegen des gebogenen Rohrs, aus dem das Wasser rinnt, liebevoll „große Nasen“, Nasoni, nennen. Bei vielen historischen Modellen läuft das Wasser meist ohne Unterlass. Neuere haben meist einen Druckknopf, der das Wasser bei Betätigung in einem Bogen in den Mund strahlen lässt und den Rest in einem kleinen Becken auffängt.

In den vergangenen Jahren schien die Anzahl der noch funktionierenden Trinkbrunnen in Italien wie in Frankreich eher zu schrumpfen, besonders an Bahnhöfen. In Deutschland waren diese kleinen Durststiller noch nie verbreitet.

Saarbrücken jedoch kann sich seit ein paar Jahren rühmen, einen solchen, zudem sehr modernen Trinkbrunnen zu haben. Wetten, dass diesen aber kaum jemand kennt? Ausgenommen die jungen Leute, die allabendlich auf dem Landwehrplatz Basketball spielen. Denn dort wurde, eigens für die aktiven Sportler, die kleine Edelstahl-Säule am Spielfeldrand Richtung Otto-Hahn-Gymnasium unter Bäumen aufgestellt. Die Sportler nutzen dieses Angebot auch dankbar und häufig. Doch auch jeder Passant darf sich dort jederzeit erfrischen, rund um die Uhr. Auf Knopfdruck sprudelt ein kleiner Strahl aus einer Düse. Das heißt: Das Wasser hüpft eher in kleinen Klumpen. Eine Flasche auf Vorrat füllen lässt sich damit nicht, doch das ist ja auch nicht der Sinn.

Warum aber wirbt die Stadt für diesen Trinkbrunnen? Weil anders als die Basketball-Spieler, die sich diese Säule bei der Neugestaltung des Platzes gewünscht haben, leider nicht jeder Mitmensch darauf bedacht ist, ihre Funktionsfähigkeit zu erhalten. Der für die Wartung, Reinigung und Reparatur zuständige städtische Mitarbeiter Gerhard Ruloff weiß zu berichten von Metallstäben, die Unbekannte immer mal wieder in die Düsen stecken, oder auch vom Druckknopf, der sich nicht von selbst verklemmte. „Einmal“, seufzt er, „musste ich ein Ersatzteil von der Herstellerfirma aus Spanien kommen lassen, das kostete 600 Euro an Reparatur.“

Auf dem Landwehrplatz gibt es aber noch weitere, weniger versteckte Wasserdüsen. Sie sind auf der gegenüberliegenden Seite, Richtung Saarbahn, in einer Reihe im Boden eingelassen und können die Passanten mit einem steuerbaren Wasserstrahl von bis zu 1,20 Meter Höhe erfreuen. Gerade Kinder und Junggeblieben laufen, wenn’s heiß ist, kreuz und quer hindurch. Wer gern nach Frankreich reist, weiß: Gerade bei unseren Nachbarn sind diese Bodendüsen schon länger im Trend. Sie sind zugleich eine minimalistische Form von Wasserpiel, da ohne Baukörper und Becken. Und zugleich eine sehr üppige: Wenn sie nicht wie auf dem Platz nur zu neunt in einer einzigen Reihe, sondern wie vor der Congresshalle als ganzes Feld angeordnet sind.

Hanan stillt ihren Durst am originellen Wasserspender. Foto: Iris Maria Maurer

Allein sie haben auch ihre Schwächen, wovon Ruloff ein Lied zu singen weiß. Weil sich die Düsen und Abflüsse leicht mit Laub oder Split zusetzen, kommt der Strahl über mickrige 30 Zentimeter Höhe nicht hinaus. Doch wenigstens lässt die Stadt ihre Düsen auf dem Landwehrplatz im Sommer täglich strahlen. Die Congresshallen-Gesellschaft dagegen setzt ihr Düsenfeld leider nur selten in Betrieb.