Weltklasse-Bühnenbildner: Branchen-Star baut „La Bohème“ die Bühne

Weltklasse-Bühnenbildner : Branchen-Star baut „La Bohème“ die Bühne

Frank Philipp Schlößmann arbeitet in Saarbrücken zum dritten Mal mit Regisseur Tobias Heyer zusammen. Am Samstag ist Premiere.

. Strubbelige Haare, Kaugummi, Jeans, Turnschuhe und ein schelmisches Grinsen: So bodenständig sieht ein weltweit gefragter Bühnenbildner aus. Frank Philipp Schlößmann, Jahrgang 1963, arbeitete schon mit Regisseuren wie Andreas Homoki, Olivier Tambosi, Harry Kupfer und Philipp Himmelmann. An so renommierten Häusern wie dem Royal Opera House Covent Garden in London, der Metropolitan Opera New York, dem Teatro Colón in Buenos Aires, dem Mariinsky-Theater in St. Petersburg und in Bayreuth, wo er das Bühnenbild für Tankred Dorsts Inszenierung des „Rings des Nibelungen“ entwarf.

Außerdem arbeitete er bei den Bregenzer Festspielen, an der Wiener Volksoper, in den drei Berliner Häusern Lindenoper, Deutsche Oper und Komische Oper, an der Münchner Staatsoper, in Amsterdam sowie in Antwerpen, Hamburg, Köln, Leipzig, Dresden, Düsseldorf, Straßburg, Bologna, Catania, Venedig, Oslo, Helsinki, Basel, Chicago, Houston, San Francisco, Barcelona, Peking, Tokyo und und und. Immer freischaffend: „Die Freiheit nehme ich mir“, sagt Schlößmann. „Und das Risiko auch.“ Schlößmann wirkt wie einer, der ganz genau weiß, was er will.

Was er zwar lachend abstreitet, sich aber als Mann der schnellen Entschlüsse outet. Bühnenbildner ist Schlößmann nicht nach reiflichen Überlegungen geworden. „Man ist Bühnenbildner“, korrigiert er. Diese Erkenntnis ereilte ihn, den Metzgerssohn aus dem Odenwald, als er mit 15 oder 16 zum ersten Mal im Theater hockte. Man gab Verdis „La Traviata“. Nach diesem Schlüsselerlebnis machte er brav Abitur nebst Praktika und suchte sich einen Studienplatz.

Wegen der „überzeugendsten Mischung aus Kunst und Handwerk“ entschied Schlößmann sich fürs Salzburger Mozarteum, wechselte nach zweieinhalb Jahren nach Wien und bewarb sich bei Marco Arturo Marelli – eben jenem Bühnenbildner und Opernregisseur, der mit „La Traviata“ sein Erweckungserlebnis ausgelöst hatte.

Schnell machte Schlößmann Karriere – wegen der Qualität seiner Arbeiten, klar. Weil ihm die erfolgreiche Kooperation bei Janáčeks „Jenufa“ mit Tambosi den Weg von Hamburg nach Chicago ebnete. Und weil das alles irgendwann „sowieso gar nicht mehr wirklich steuerbar war, sondern ein Geschenk“, das er dankbar annahm. „Jeder kriegt Chancen“, sagt er, „man muss nur Kontinuität beweisen.“

Als Bühnenbildner sieht er sich in der zweiten Reihe, in dienender Funktion; das deutschsprachige Theatersystem schätzt er wegen der hauseigenen Werkstätten als „Juwel“. Und wegen seines Faibles für Oper und Operette macht Schlößmann nur Musiktheater. Lieblingsstücke? „Das Lieblingsstück ist immer das, an dem ich gerade arbeite. Und Lieblingsstücke sind immer auch Angststücke.“ Schlößmanns aktuelles Angststück ist Puccinis „La Bohème“ fürs Staatstheater. Dafür arbeitet er zum dritten Mal mit Regisseur Tobias Heyder und Kostümbildnerin Janine Werthmann zusammen. Er schätzt Teamarbeit in vertrauten Konstellationen. Den anderthalbjährigen Vorlauf bezeichnet er, wie jede Produktion, als Ping-Pong der Beteiligten: „Voller Verzweiflung, höchstem Glück und tiefstem Leid.“

Schlößmanns Bühnenbild für die Künstler-Bohème spannt nun „mit einem leichten Crossover in der Optik“ einen Bogen von 1840, der Entstehung der Romanvorlage von Henri Murger, bis ins 20. Jahrhundert. Und greift das Motiv der ersten städtischen Ladenpassagen auf, über die Walter Benjamin in seinem „Passagen-Werk“ über das 19. Jahrhundert geschichtsphilosophierte – es geht um oberflächlich inszeniertes Leben in einer selbst gewählten Öffentlichkeit.

Premiere: Samstag, 21. Oktober, 19.30 Uhr, Staatstheater, Großes Haus. Weitere Termine, Karten und Informationen im Internet.

Frank Philipp Schlößmann vor dem Staatstheater. Foto: Kerstin Krämer

www.staatstheater-saarland.de