900 Kunstfreunde im Museum

Die Werbeaktion von Studenten, auf Handzetteln für den Tag der offenen Tür des Saarlandmuseums zu werben, hat sich offenbar gelohnt. Viele interessierte Bürger kamen in die Moderne Galerie.

Trotz oder vielleicht wegen des nasskalten Wintertags strömten 900 Besucher zum Tag der offenen Tür in die Moderne Galerie des Saarlandmuseums. Bei freiem Eintritt herrschte am Sonntag ein reges Treiben, die stündlich angebotenen Führungen waren ausgebucht, der lange Tisch beim Malworkshop für Kinder war voll besetzt.

Die Ausstellungen von Olav Christopher Jenssen, Gerhard Hoehme und die Rundschau "Meisterwerke der Moderne" zogen die Besucher an, danach saßen viele auf den Bänken im Foyer, um sich auszuruhen und insbesondere auch um sich über das Gesehene auszutauschen. Katerina Wolf-Spiecker ist zuständig für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Stiftung Saarländischer Kulturbesitz . Sie hatte mit einer Gruppe Studenten des Fachs "Historisch orientierte Kulturwissenschaften" der Universität des Saarlandes den Tag vorbereitet. "Die Studenten haben Handzettel entworfen, drucken lassen und sie in der Stadt verteilt. Das hat anscheinend prima geklappt", sagt sie. Daneben haben die fünf Studenten Sarah Becker, Sven Loth, Tanja Schubert, Svenja Simon und Paul Wiehn eine Besucherbefragung ausgearbeitet, und Gäste gesucht, die freiwillig daran teilnehmen wollten. Da bot es sich an, auch mal nach der Stimmung unter den Besuchern der Modernen Galerie zu fragen. "Ich komme immer gerne in die Moderne Galerie, auch, eigentlich gerade bei so miesem Wetter", sagte Elmar Peiffer, der in St. Wendel lebt. Er ist ein Profi in Sachen Museum, denn er hat acht Jahre das Museum St. Ingbert geleitet. Sein letzter Besuch hier war im vorigen Monat, aber den Tag der offenen Tür wollte er sich nicht entgehen lassen. "Die Atmosphäre ist toll, und außerdem besuche ich immer wieder gerne die älteren Gemälde. Die sind wie alte Freunde." Astrid Lydorf und Bernd Kranz wohnen in Klarenthal. Auch sie besuchen häufiger die Moderne Galerie. "Das letzte Mal waren wir zur Ausstellung des Amerikanischen Realismus hier", erzählt Astrid Lydorf. "Heute war es die Kombination aus schlechtem Wetter und Tag der offenen Tür, dass wir uns auf den Weg gemacht haben. Außerdem haben wir schon länger keine Kunst mehr gesehen". Für ihren Partner Bernd Kranz sind der Baustellen-Zustand des Eingangs und der Neubau wichtige Themen. "Der Zustand zeigt, man ist hier in der tiefsten Provinz, wie man das als Saarländer kennt", seufzt er.

Aber Kranz will das Museum auf keinen Fall boykottieren, sondern stattdessen weiterhin besuchen. "Denn die Hoffnung stirbt zuletzt", sagt Bernd Kranz. Franz Schmidt aus Saarbrücken ist mit seiner Familie in die Moderne Galerie gekommen, Sohn Henri nimmt am Malworkshop für Kinder teil. "Das ist klasse, wir machen das zum ersten Mal, aber bestimmt nicht zum letzten Mal. So eine tolle Kinderbetreuung muss man ja ausnutzen", sagt er und lacht.

Franz Schmidt ist Illustrator und besucht oft Museen, auch weil sein kleiner Sohn sich schon gerne Gemälde anschaut. "Solange ich noch kein künstliches Hüftgelenk habe, stört mich die Umbausituation gar nicht", erklärt er augenzwinkernd.

Tatjana Schruhl und Axel Franzkoweak aus Saarbrücken kommen ebenfalls regelmäßig in die Moderne Galerie. "Insbesondere wenn wir Besuch haben, gehen wir gerne in das Museum", erläutert sie. Heute wollen sie sich alleine umschauen, "denn die Ausstellung von Jenssen haben wir noch nicht gesehen". Auch sie halten dem Museum die Treue, ihre Sympathie zur Modernen Galerie leidet nicht unter der langjährigen Baustelle. "Aber was bleibt uns auch anderes übrig", sagt sie lächelnd.