Rappen statt reden

St. Arnual. Was machen französische und deutsche Jugendliche, wenn sie sich treffen und die Sprache des Anderen nicht besonders gut beherrschen? Sie können auf Englisch ausweichen oder sich anschweigen. Jeweils fünf Hip-Hopper aus den Partnerstädten Saarbrücken und Nantes haben im Projekt "culture-united" noch eine andere Variante entdeckt: Sie rappen gemeinsam

St. Arnual. Was machen französische und deutsche Jugendliche, wenn sie sich treffen und die Sprache des Anderen nicht besonders gut beherrschen? Sie können auf Englisch ausweichen oder sich anschweigen. Jeweils fünf Hip-Hopper aus den Partnerstädten Saarbrücken und Nantes haben im Projekt "culture-united" noch eine andere Variante entdeckt: Sie rappen gemeinsam. "Die Jungs und Mädchen haben sich kennengelernt, angefangen in ihrer eigenen Sprache zu rappen und haben einander verstanden", sagt Diplom-Sozialpädagoge Thorsten Link, der das Hip-Hop-Projekt bei "juz-united", dem Dachverband der saarländischen Jugendzentren in Selbstverwaltung e. V., leitet. "Juz-united" hat den Austausch gemeinsam mit den jungen Botschaftern der Städtepartnerschaft Saarbrücken-Nantes und der ehrenamtlichen Nanteser "Association Kalakuta" organisiert. Vor zwei Wochen haben sich die Jugendlichen beim Austauschbesuch der Deutschen in Nantes kennengelernt und die Eindrücke der Stadt in ihren Texten verarbeitet: "Nantes ist echt eine großartige Stadt, für Touristen eine Bombe und für uns eine Pracht", rappt die 16-jährige Edina Derri aus Saarbrücken. Auch Jannick Spengler, der schon an einigen Musik-Workshops im Jugendzentrum teilgenommen hat, ist vom Austauschprojekt begeistert. "Man lernt die französische Kultur von einer anderen Seite kennen, ihre Texte sind sehr politisch", sagt der 17-Jährige und ergänzt, dass das etwas ganz anderes sei, als mit Deutschen zu rappen. Auch dem Sozialpädagogen Thorsten Link sind Unterschiede im deutschen und französischen Rap-Stil aufgefallen. "Die Zeilen der Franzosen haben mehr Silben", erklärt er. "Sie erzählen schneller und in einem Fluss." Bei den Deutschen sei der Reim wichtiger, berichtet Link.Das Schreiben der Texte ist den Jugendlichen offenbar leicht gefallen: Die Wörter seien einfach so gekommen, sagt Armel Nene-Kaoka aus Nantes. "Ich hoffe auch, dass mir die anderen sagen, wenn ich Unsinn texte", sagt der 17-Jährige, "ich will ja nicht nur irgendetwas erzählen." Ziel des Projektes ist auch die Vermittlung sozialer Kompetenzen. "Es geht um Kreativität, Kritikfähigkeit und Teamarbeit", sagt Link. Während des fünftägigen Gegenbesuchs in Saarbrücken sollen die Jugendlichen zwei Auftritte geben, Video-Clips für die beiden in Nantes entstandenen Lieder drehen und ein weiteres Lied produzieren. Dabei lernen sie auch, die Technik im Aufnahmestudio des Jugendzentrums zu bedienen. Ein Dokumentarfilm soll den gesamten deutsch-französischen Austausch festhalten. Mit den bereits entstandenen Liedern und der Begeisterung der Jugendlichen über die andere Nationalität scheint der Austausch ein Erfolg zu sein: "Die Rückmeldungen aus der Gruppe sind grandios, es hätte nicht besser laufen können", sagt Link. Und so wollen Edina, Jannick und Armel auch nach der Abreise am Montag mit den anderen in Kontakt bleiben und wieder deutsch-französischen Rap machen. "Ich hoffe auch, dass mir die anderen sagen, wenn ich Unsinn texte."Armel Nene-Kaoka aus Nantes