Ein Abend voller Liebe, Triebe und Witz

Das Bühnenbild ist schlicht. So stehen die Schauspieler und Musiker von der ersten Minute an im Mittelpunkt. Sie durchleben alle Höhen und Tiefen der Liebe und sorgen für einen Abend voller Überraschungen.

"Durchs Aug' zu hören, das gehört zum Lieben!", rezitiert Nicolas Bertholet gleich zu Beginn. Was klingt wie ein Geheimrezept für die Liebe , ist zugleich eine Einladung an das Publikum, teilzunehmen an einem Abend voller Überraschungen.

"Kann denn Liebe Sünde sein?" Eine Frage, die schon Zarah Leander 1938 beschäftigte und die immer noch aktuell ist. Kein Wunder also, dass Regisseur Jürgen Kirchhoff seinem Stück einen Titel verpasst hat, der nicht gleich durchblicken lässt, was den Zuschauer erwartet, aber dennoch neugierig macht und Interesse weckt.

Zwei Schauspieler in schlichter schwarzer Abendgarderobe, ein Klavier samt Klavierspieler, Stellwände mit animierten Illustrationen als Bühnenbild (Illustration Dorota Wünsch), rundherum noble Schwärze. Einfach aber wirkungsvoll kommt das "Outfit" des Stücks daher, verschwendet keinen Kitsch, um auf sich aufmerksam zu machen, sondern kann voll und ganz aus sich selbst heraus wirken.

Ab dem ersten Moment, als Schauspieler Nicolas Bertholet die Bühne betritt, kommt Leben in die Bude, das Publikum ist schon nach den ersten rezitierten Worten am Schmunzeln, vereinzelt gibt es lautere Lacher.

Gedichte, Texte, Musik - vielseitig und vielfarbig ist die Darbietung. Höhen und Tiefen der Liebe werden durchlebt und verworfen, das Publikum stets mitgerissen. "Wir machen Musik, bis euch der Takt packt!", singt Schauspielerin Sabine Merziger und tanzt zusammen mit Kollege Bertholet einen flotten Charleston. Und der Takt packt, der Funke springt über.

Nostalgisch mutet der Abend an, viele Lieder haben Chansoncharakter, versetzen in vergangene Zeiten und sind doch irgendwie aktuell. "Du bist doch schließlich meine Frau, nur werd' ich aus dir nicht mehr schlau!", klagt etwa Bertholet als Ehemann. Hinfort das süße Verliebtsein der Anfangszeit, statt Dessous nur noch Morgenmantel und Alltag. Tragik, Witz, Charme, große Gefühle. Ob Eifersucht, brennende Wut oder fleischliche Gelüste, "Kann denn Liebe Sünde sein?" bietet von allem etwas. Eine Soiree, die plötzlich mit der Erschießung der Gastgeberin endet? Ein Liebhaber, der die Bananenlust seiner Liebsten nicht nachempfinden kann? Erogene Körperzonen, von denen Ärzte noch nie gehört haben - alles scheint möglich. "Zwischen Knie und Sockenrand ist erotisch ödes Land" ist nur einer der Kalauer, die Merziger und Bertholet zum Besten geben in ihrem Spiel um Liebe und Verrat.

Ein Abend voller Liebe , Triebe, Eifersucht, Trennungsschmerz und Witz - auf die unterschiedlichsten Arten nähert Kirchhoff sich einem Thema, das so alt ist, wie die Menschheit selbst. Dabei inszeniert er auf einer Palette von feinfühlig bis "grobschlächtig", jedoch immer treffsicher und charmant. Merziger und Bertholet, auch der musikalische Leiter Uli Schreiber am Klavier zeigen eine großartige Leistung und bieten stimmlich wie schauspielerisch eine große Bandbreite. Das Publikum ist begeistert, lacht, klatscht und jubelt - ein sehr schöner, gelungener Abend.