Das Netzwerk Gute Nachbarschaft Unteres St. Arnual stellt sich vor.

Senioren in St. Arnual : Gemeinsam das Leben lebenswert machen

Beim Start 2017 hatte das Netzwerk Gute Nachbarschaft Unteres St. Arnual vier Mitglieder. Mittlerweile sind 118, die gemeinsam etwas unternehmen.

„Das Zusammensein macht das Leben erst lebenswert“, sagt Michael Klotz. Im November 2017 gründete er mit Axel Egler und dessen Frau Ulla sowie Uschi Biedenkopf das Netzwerk Gute Nachbarschaft Unteres St. Arnual. Die Menschen werden zusehends älter, so Klotz. „Vereinen fehlt es an Nachwuchs, viele Strukturen brechen weg.“ Das Team möchte die Senioren miteinander vernetzen und ihren Nachbarschaftsgeist wecken. Nach gut einem Jahr zählt der Zusammenschluss Gleichgesinnter, wie Axel Egler das Netzwerk nennt, 118 Mitglieder.

Das Netzwerk ist kein eingetragener Verein sondern eine ehrenamtliche Gemeinschaft – ohne Satzung und Mitgliedsbeiträge. „Bei uns ist jeder eingeladen, eigene Ideen mitzubringen und bei der Umsetzung aktiv mitzuwirken“, sagt Klotz. Einmal im Monat gibt es eine Versammlung. „Regelmäßig kommen rund 40 Senioren. Das ist ein guter Schnitt. Das packen manch andere Strukturen nicht.“ Neben Kaffee und Kuchen und Gesprächen gibt es bei den Treffen immer wieder auch Vorträge zu Themen, die den Senioren wichtig seien: gesunde Ernährung im Alter, Vorsorgevollmacht, Patientenverfügung oder Palliativmedizin.

Am beliebtesten seien aber die gemeinsamen Aktivitäten. Senioren, die teilweise schon ihr ganzes Leben in St. Arnual leben, lernen ihren Stadtteil nun erst richtig kennen, sind sich Klotz und Egler sicher. „Von der Führung durch die Stiftskirche waren alle sehr begeistert – obwohl sie seit Jahren nebenan leben“, sagt Klotz. Bei Erkundungen durch den Stadtteil entdeckten die Senioren auch kleine Geschäfte für sich, „von denen sie nicht wussten, dass es sie gibt, oder in die sie von sich aus nie reingegangen wären“, sagt Egler.

Das Team möchte den Senioren aber auch „etwas zumuten, den Horizont erweitern. Die Welt ist viel bunter und hat mehr für Ältere zu bieten, als viele denken“, sagt Klotz. Dazu gehören beispielsweise Museums- und Ausstellungsbesuche. So ging es im vergangenen Jahr in die Stadtgalerie. Die Ausstellung In the Cut zeigte den männlichen Körper in der Feministischen Kunst. „Es war viel nackte Haut zu sehen. Das ging an die Grenzen. Aber keiner verließ die Ausstellung. Noch Wochen später haben die Senioren darüber geredet“, so Klotz.

Die Senioren werden zudem dazu angeregt, auch eigenverantwortlich Angebote auf die Beine zu stellen. Einige schlossen sich zu einer Wandergruppe zusammen, weniger fitte zu einer Spaziergruppe. Zudem gehen einige gemeinsam ins Theater oder ins Kino, treffen sich in Restaurants. In diesem Jahr soll eine Fahrradgruppe starten.

Über die Stadtteilgrenzen hinaus gibt das Netzwerk Erfahrungen und Anregungen an den Seniorenbeirat und das Bündnis für altengerechte Stadtentwicklung weiter. „Wir nehmen an den Sitzungen teil und bringen uns dort für St. Arnual ein“, sagt Klotz. Was Klotz und Egler immer wieder betonen: Das Netzwerk will nicht in Konkurrenz mit Aktivitäten der Ortsvereine und Kirchengemeinden treten.

500 Euro stellen der Regionalverband und die Stadt dem Netzwerk pro Jahr zur Verfügung. Damit werden zum Beispiel Fahrten organisiert. 2018 ging es mit dem Schiff nach Saargemünd. Die Senioren besichtigten die Stadt und das Keramikmuseum. Auch für 2019 haben sie sich eine Fahrt gewünscht. Für die Verpflegung müssen die Teilnehmer bei solchen Angeboten wie auch bei den monatlichen Versammlungen selbst aufkommen

Das Netzwerk mache zwar viel Arbeit, „aber es macht auch viel Spaß. Es kommt viel Freude und Herzlichkeit zurück“, sagt Egler. Nie habe er gedacht, dass so tolle Freundschaften entstehen. „Dinge funktionieren am besten über kurze Wege, wenn man redet. Und das ist Nachbarschaft“, sagt Klotz.

Jeden dritten Donnerstag im Monat trifft sich das Netzwerk in der Awo Begegnungsstätte, Scharnhorststraße 12. Infos bei Michael Klotz, Tel. (06 81) 85 46 59, E-Mail an klotz.mi@gmx.de.

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