120 Flüchtlinge kommen in die Kossmannstraße

Die meisten St. Arnualer, die zur Infoveranstaltung in die Scharnhorsthalle kamen, wollen die neuen Flüchtlinge willkommen heißen. Doch es gab auch kritische Fragen. Im Juni könnten die ersten Flüchtlinge in ein Gebäude in der Kossmannstraße einziehen.

Das ehemalige Bürogebäude der Berufsgenossenschaft in der Kossmannstraße 48 in St. Arnual wird für 120 Flüchtlinge umgebaut. Die Hälfte der Flüchtlinge sind alleinstehende Männer, die andere Hälfte Familien. Das berichtete Saarbrückens Bürgermeister Ralf Latz (SPD ) am vergangenen Mittwoch zum Auftakt der Bürger-Informationsveranstaltung in der Scharnhorsthalle in St. Arnual .

80 Prozent der Hilfe suchenden Menschen seien Syrer. Wohnungen mit Küchen und Bädern sollen in dem Gebäude entstehen. Im Juni könnten die ersten Flüchtlinge einziehen. "Die Wohnungen werden so umgebaut, dass sie nach dem Auszug der Flüchtlinge als Studentenwohnungen genutzt werden können. Gemeinsam mit dem Investor aus Saarbrücken planen wir vor dem Einzug der Flüchtlinge im Juni noch einen Tag der offenen Tür in dem Gebäude", sagte Ralf Latz .

Etwa 200 Menschen waren in die Scharnhorsthalle gekommen. Manche äußerten ihre Ängste und Befürchtungen, andere boten spontan auch große Hilfe an. Ein Mann meldete sich zu Wort und wollte wissen: "Sollen wir jede einzelne Ruhestörung aufschreiben und mit der Liste dann irgendwann zur Polizei gehen, oder wie läuft das ab?" Axel Egler, ein Schiedsmann aus St. Arnual , antwortete: "Wir haben seit April 2015 bereits 120 Flüchtlinge auf dem Wackenberg aufgenommen. Seitdem sind mir vier Fälle von Ruhestörung bekannt. Alle vier hatten nichts mit den Flüchtlingen zu tun und gingen von Deutschen aus." Für diese Aussage erhielt Egler viel Applaus.

Grundsätzlich war die Stimmung in der Halle deutlich pro Flüchtlinge . Dies wurde durch den Applaus immer wieder deutlich. Aussagen gegen Flüchtlinge gab es in der eineinhalbstündigen Veranstaltungen nicht. "Was sollen wir machen, wenn es bei dem Gebäude in der Kossmannstraße zu Zwischenfällen mit Flüchtlingsgegnern kommt?", wollte ein Anwohner wissen. Latz sagte: "Wir haben sieben Großunterkünfte für Flüchtlinge in Saarbrücken. Es gab bislang noch keinen Vorfall mit Flüchtlingsgegnern. Sollte etwas passieren, ist die Polizei zu informieren."

In Zusammenarbeit mit dem Deutschen Roten Kreuz sollen die Flüchtlinge in der Kossmannstraße rund um die Uhr von mindestens einer Person betreut werden. Vielen Anwesenden in der Scharnhorsthalle schien das zu wenig für 120 Flüchtlinge . "Wir werden in Absprache mit dem Land versuchen, die Betreueranzahl zu erhöhen", sagte der Bürgermeister. Ganz allein werden die Betreuer auch in St. Arnual nicht sein.

Wie bei allen neun Infoveranstaltungen in Saarbrücken seit vergangenem September legte die Verwaltung auch in St. Arnual Listen aus, in die sich Menschen eintragen konnten, die ehrenamtlich helfen wollen. 85 Menschen trugen sich ein und wollten wissen, wie sie helfen können. Martha Rosenkranz von der Volkshochschule des Regionalverbandes Saarbrücken erklärte: "Wir starten am Dienstag, 31. Mai, um 18 Uhr, im Rathaus in Saarbrücken ein Seminar, in dem wir allen Interessierten genau erklären, wie man Flüchtlingen helfen kann. Das Seminar findet acht Wochen lang jeden Dienstag statt und ist kostenlos."