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Saarlandmuseum: Restauratorin Ingrid Schwarz bittet "Zu Tisch!"

Restauratorin Ingrid Schwarz und die Ausstellung „Zu Tisch!“ : Von der Liebe zu Stücken aus der Wunderkammer

Wenn es derzeit in der Alten Sammlung des Saarlandmuseums besonders appetitlich glänzt, hat das auch viel mit der Arbeit von Ingrid Schwarz zu tun. Und die war ziemlich anstrengend, wie sie im SZ-Gespräch erzählt.

„Zu Tisch!“ heißt die Ausstellung, die derzeit in der Alten Sammlung am Schlossplatz gezeigt wird. In deren Mittelpunkt steht die Tischkultur, „die Kunst des guten Geschmacks“. Anhand zahlreicher Objekte nicht nur vergangener Jahrhunderte, vom silbernen Schwitzbecher bis zur Porzellan-Deckelterrine in Salatkopf-Form, wird die Entwicklung der Tischkultur nachgezeichnet, ihre Höhepunkte und kuriosen Wendungen skizziert.

Mit der Ausstellung wendet sich die Stiftung Saarländischer Kulturbesitz erstmals auch in besonderem Maße dem Bestand an Silberobjekten zu, der 1980 als Schenkung des Sammlers Friedrich Sicks in den Besitz der Stiftung überging. Das älteste Objekt der Ausstellung ist dabei eine um das Jahr 1500 datierte Hostien-Dose.

Trotz ihres hohen Alters erstrahlt die Hostien-Dose – wie auch die übrigen Exponate der Ausstellung – in prächtigem Glanz. Verantwortlich dafür ist unter anderem Ingrid Schwarz, die als eine der Restauratorinnen der Stiftung Saarländischer Kulturbesitz mit der Instandsetzung von 178 Exponaten der Ausstellung betraut war. Ein Mammut-Projekt wie Ingrid Schwarz zugibt, gemeinsam mit ihrem Team hat sie den Bestand über ein Jahr bearbeitet.

Die Arbeit von Restauratoren beginne im Regelfall damit, sich einen Überblick zu verschaffen, in diesem Fall vor allem auch über den Gesamtbestand, erklärt Ingrid Schwarz. „Wir interessieren uns zunächst einmal dafür, wie die Objekte aussehen, wie ihr Zustand ist“, ergänzt sie, „welche Diagnosen wir sozusagen stellen können“.

Das größte Problem beim Silber sei, dass es anlaufen kann. Oder wie es Schwarz naturwissenschaftlich spezifischer ausdrückt: „Es bildet sich eine Silbersulfid-Schicht als Überzug“. Im Vorfeld der Ausstellung galt es diese abzutragen.

Dass Schwarz und ihr Team dabei nicht einfach auf altbewährte Hausmittelchen gegen angelaufenes Silber, etwa Salzbäder mit Aluminiumfolie, zurückgreifen, liegt nicht nur am immensen Wert der Objekte, sondern auch an den Grundsätzen, nach denen Restauratoren arbeiten. Es solle möglichst wenig von der Originalsubstanz der zu restaurierenden Objekte verloren gehen, erklärt Schwarz, die Bearbeitung solle kaum wahrnehmbar, im Idealfall reversibel und vor allem auch nachhaltig sein.

„Mit solchen Hausmittelchen wie Salz- und Aluminiumfolie-Bädern ist der erste Erfolg zwar überwältigend“, erklärt Schwarz, „aber das Silber läuft auch nach kürzester Zeit wieder an, weil man die Gitterstruktur des Metalls öffnet und es so angreifbarer macht“. Deshalb habe man im Nachgang der Reinigung des Silbers der Sammlung Sicks mittels Bürsten aus dem Goldschmiedebedarf auch eine Politur aus feinporiger Tonerde aufgetragen, „um so die Oberfläche zu verdichten“.

Wenn Ingrid Schwarz so ins Erzählen kommt, ist in ihren Worten ihre ganz generelle Begeisterung für Objekte aller Art zu erkennen. Es sei „immer wieder wirklich eine Ehre mit den Objekten umgehen zu dürfen“, sagt Schwarz und ergänzt: „In diesem Fall war es noch einmal umso spannender, weil wir hier eben diese Wunderkammer-Objekte haben, die erst zur Entstehung von Museen geführt haben“. Aber auch für ihre Werkzeuge selbst kann sie sich begeistern, die Goldschmiede-Bürsten etwa beschreibt sie mit funkelnden Augen mehrfach als „wunderschön“.

Es tritt in den Worten von Ingrid Schwarz aber auch das naturwissenschaftliche Knowhow hervor, das die Grundlage für die Arbeit von Restauratoren bildet. Für die Bearbeitung des Silbers hat Ingrid Schwarz indes das Knowhow einer externen, auf Metalle spezialisierten Restauratorin herangezogen. Denn auch das gehört zu ihren Aufgaben: Wissen zusammentragen, Arbeit koordinieren.

Ingrid Schwarz ist von Hause aus Restauratorin für Kunst auf Papier und Fotografien. Es seien einerseits ihre Interessen im künstlerischen und literaturwissenschaftlichen Bereich gewesen, die sie in diesen Beruf geführt haben, andererseits auch die Sammelleidenschaft ihrer Familie. Schon bei ihrer Großmutter habe es eine Vitrine mit Wunderkammer-Stücken gegeben, die sie seit klein auf begeistert habe, erzählt Schwarz.

So studierte sie nach einer Ausbildung als handwerkliche Buchbinderin Papier-Restauration. Schon seit über 20 Jahren arbeitet die gebürtige Hessin nun bei der Stiftung Saarländischer Kulturbesitz. Die Aufarbeitung des Bestandes an Zeichnungen und Druckgraphiken von Max Liebermann und Ernst Ludwig Kirchner sei für sie dabei ein Höhepunkt gewesen, im privaten Sinn wie auch im Sinne des öffentlichen Interesses.

www.kulturbesitz.de/