Saarländische Ärztekammer kommt im Skandal um Fehldiagnosen unter Druck

Kostenpflichtiger Inhalt: Skandal um Fehldiagnosen : Saar-Kammer gerät im Arztskandal unter Druck

Im Fall angeblicher Fehldiagnosen eines Pathologen gab es bereits 2012 Hinweise der Uni Homburg.

Die Staatsanwaltschaft Saarbrücken hat ihre Ermittlungen gegen einen niedergelassenen Pathologen aus dem Saarpfalz-Kreis ausgeweitet. Anlass ist ein Brandbrief, den der Vorstand des Universitätsklinikums (UKS) jetzt an das Gesundheitsministerium weitergeleitet hat. Darin schildert eine Oberärztin der Uni-Hautklinik, dass sie bereits 2012 „konkrete Hinweise“ auf angebliche Fehldiagnosen an die Ärztekammer gegeben habe. Auch der Vorstand der Uniklinik sei eingeschaltet worden. UKS-Vorstand Ulrich Kerle sagte: „Wir gingen vom Streit zwischen zwei Ärzten aus. Aus der damaligen Sicht haben wir keine Strafanzeige erstattet.“ Ärztekammer-Präsident Josef Mischo bestätigte, dass sich der Pathologe, gegen den kürzlich von der Approbationsbehörde ein vorläufiges Berufsverbot verhängt wurde, damals über die Homburger Kollegin beschwert habe. Es habe  „keinen Verdacht auf eine Straftat“ gegeben.

Der Druck auf die Ärztekammer wächst, nachdem zuletzt eine Informationspanne eingeräumt wurde, weil „kritische medizinische Befunde“ zu einer Suchttherapie des Pathologen aus dem Jahr  2014 angeblich intern nicht weitergeleitet worden waren. Die Homburger Oberärztin verweist in ihrem Brandbrief jetzt darauf, dass derzeit in der Hautklinik etwa 20 bis 30 Fälle existieren, in denen der niedergelassene Pathologe falsche Befunde meist zu Tumorerkrankungen gestellt haben soll. Dermatologie-Patienten sollen  sogar an Erkrankungen verstorben sein, bei denen der Mediziner zuvor offensichtlich falsche Diagnosen gestellt hatte. Und sie betont: Sowohl die Rechtsabteilung des Uniklinikums, als auch die Ärztekammer seien seit im Jahr 2012 informiert gewesen.

Das Verfahren gegen den Pathologen war nach einer Strafanzeige einer Chefärztin des Klinikums Saarbrücken ins Rollen gekommen. Sie hatte 26 Verdachtsfällle auf falsche Diagnosen gemeldet.

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