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Saarbrücker Serenaden-Konzerte starten mit dem „Octopus Oktett“

Eröffnung im Hof der Stadtgalerie : Idylle pur! Sogar die Vögel machten Serenaden-Musik

Mozart im Bläserformat fürs Volk: Gelungener Auftakt der Saarbrücker Serenadenkonzerte im Hof der Stadtgalerie mit dem „Octopus Oktett“.

Bereits Stunden zuvor pflegen die ersten Musikfans auf der Bildfläche zu erscheinen und Sitzplätze zu okkupieren: Objekte der kulturellen Begierde sind die Konzerte der Reihe „Serenade“. Ort des Geschehens ist der Innenhof der Saarbrücker Stadtgalerie; Zeit dieses Ansturms in Raten ist der frühe Samstagabend.

Wie in jedem Sommer serviert Thomas Altpeter, seines Zeichens Programmchef vom Saarbrücker Kulturamt, auch in dieser Saison hier wieder bis Ende August süffige Livemusik – fünfmal Klassik, einmal Rockjazz.

Zur Auftaktveranstaltung am Samstag hatten sich bei strahlendem Sonnenschein inmitten des historischen Gemäuers die Bläserinnen und Bläser des „Octopus Oktetts“ versammelt. Bereits das Warmspielen fand vor Publikum statt. Und als es dann offiziell losging, war es wieder so gut besucht, dass spät Gekommene mit Stehplätzen vorlieb nehmen mussten.

Bei der beliebten, eintrittsfreien Freiluftreihe nehmen die Freunde der klingenden Muse auch akustische Störgeräusche der angrenzenden Gastronomie, vorbeirauschender Autos und Motorräder ebenso stoisch in Kauf wie das Grundrauschen des nahen St. Johanner Markts. Mit beglücktem Schmunzeln wurde vom Auditorium diesmal der Gesang einiger gleichfalls im Innenhof rastender gefiederter Piepmätze quittiert, der sich an ein paar Stellen erfreulich organisch zum Bläserklang mischte – Idylle pur.

Eröffnet hatte das Octopus-Oktett den musikalischen Reigen mit dem Opus „Contrafacta Hungarica“ des Komponisten Ferenc Farkas (1905 bis 2000). Hinter dem Nenner verbargen sich ungarische Tänze und Melodien aus der Renaissancezeit, von Farcas zu einer Suite bearbeitet und auch für Bläseroktett instrumentiert. Genügend Gelegenheiten jedenfalls für die Octopus-Musiker, hauptberuflich sind sie Mitglieder der Deutschen Radio Phiharmonie (DRP) und des Saarländischen Staatsorchesters (SSO), sowohl melodische als auch rhythmische Qualitäten unter Beweis zu stellen.

Spielfreude, Präzision und Ausdruck paarten sich dann auch zur vollen Zufriedenheit beim titel­spendenden Hauptthema des Sommerabends: „Don Giovanni“. Bei der Ouvertüre der Mozart-Oper zeigten sich zwar sogleich auch die Grenzen solcher kammermusikalischer Arrangements: Natürlich tönte es hier aus den Trichtern von nur acht Blasinstrumenten nicht so düster-dräuend wie bei einem ausgewachsenen Orchester.

Dennoch ist derlei „Harmoniemusiken“, wie solche Bläserbearbeitungen genannt werden, zu verdanken, dass bereits zu Wolfgang Amadeus Mozarts Tagen Opern-Melodien sich auch in jenen Kreisen großer Beliebtheit erfreuten, die nicht in den Genuss von Musiktheater-Besuchen kamen: Mozart im Bläserformat, fürs Volk sozusagen.

Der Octopus-Auftritt beglückte hier nun freilich nicht nur mit unsterblichen Mozart-Weisen wie „Là ci darem la mano“ (Reich mir die Hand, mein Leben) bis zu „Batti, batti – o bel Masetto“: Zwischen der Musik entführte Ensemble-Chef Veit Stolzenberger (Oboe) mit üppiger Conférence in die Welt Mozarts zur Entstehungszeit des „Don Giovanni“. Ebenso wie zum Drumherum der politischen Verhältnisse gab’s allerlei Wissenswertes zur frühen Aufführungsgeschichte der Oper und zu deren Inhalt, dem Stolzenberger reichlich „Sex and Crime“ bescheinigen konnte.

Überhaupt bemühte er sich emsig um Bezüge zur heutigen Zeit. Das perlte zwar nicht so wie die „Champagner-Arie“ des Don Giovanni, ließ das Konzert aber zum Infoabend wachsen.

Die Serenaden-Besucher waren zufrieden und honorierten den Saisonstart mit donnerndem Applaus.

Was gibt’s sonst noch bei den Open-Airs im Juni? Bevor das „Ensemble Unendlich“, gleichfalls ein Bläseroktett, am 22. Juni mit Noten von Bedrich Smetana und Antonin Dvorák eine Zeitreise in die „Tschechische Spätromantik“ unternimmt, beleuchtet das Trio Lézard die Weiterentwicklungen und Erfindungen bei den Holzblasinstrumente im 19. Jahrhundert: „Merci, Adolphe Sax“ ist die Hommage an den Saxofon-Erfinder am Samstag, 15. Juni, überschrieben.

Beginn der Saarbrücker Serenadenkonzerte im Innenhof der Stadtgalerie ist jeweils um 18.30 Uhr, der Eintritt ist frei. Bei Regen geht es unter die schützenden Arkaden.
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