Saarbrücker Schule verbietet Gewerkschaft Zutritt

Eklat an Saarbrücker Schule : Gewerkschaft: Schule verbietet uns den Zutritt

Arbeitgeber kommen aber in den Unterricht, sagt NGG-Chef Baumeister. Das führt zum Eklat an Saarbrücker Bildungszentrum.

Dürfen Parteien, Organisationen, Arbeitgeberverbände und Gewerkschaften Unterricht an staatlichen Schulen im Saarland mitgestalten? Prinzipiell ja. So sieht es ein entsprechender Erlass des Bildungsministeriums vor, wie Rüdiger Fries von der dortigen Pressestelle wissen lässt. Und das mit einem triftigen Grund: „Bildung hat die Aufgabe, Kinder und Jugendliche in die Lage zu versetzen, selbstbestimmt und aktiv gesellschaftliche Teilhabe zu ermöglichen“, heißt es dazu in seiner schriftlichen Stellungnahme. Demnach gehöre es dazu, in der Schule alle gesellschaftlichen Facetten ausgewogen darzustellen. Ohne junge Menschen zu beeinflussen.

Dass dies auch an der Saarbrücker Fachschule für das Hotel- und Gaststättengewerbe praktiziert wird, daran hat Mark Baumeister erhebliche Zweifel. Der Saar-Chef der Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten (NGG) erhebt in diesem Zusammenhang schwere Vorwürfe. Er spricht von einem „Unterrichtsverbot für NGG“, während gleichzeitig Vertreter der Arbeitgeberseite Zutritt erhielten. Demnach habe eine Lehrerin Gewerkschaftern bereits am 17. Mai per E-Mail untersagt, den Unterricht zu besuchen. Auch von anderen Bereichen des schulischen Lebens sei seine Berufsorganisation ausgeschlossen, während der Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) als Dachorganisation der Arbeiter sogar geladen werde.

In einem der SZ vorliegenden Beschwerdebrief, der sowohl an das betreffende Technisch-gewerbliche Berufsbildungszentrum (TGBBZ) II als auch ans Ministerium adressiert ist, schreibt Arbeitnehmervertreter Baumeister: „Ist es legitim, dass nur der Arbeitgeberverband zur Lossprechungsfeier für die Auszubildenden in den gastgewerblichen Berufen geladen wird und dort sogar ein Grußwort sprechen darf?“ Gleichzeitig halte die „Schule die Auszubildenden von ihrer Gewerkschaft fern“, heißt es weiter.  Baumeister  hält diesen Eklat für ein Vorgehen, das „auch in anderen Bundesländern nicht üblich ist“. Der Gewerkschaftschef spricht von einer „offenen Benachteiligung der Gewerkschaft“ und „direkter Bevorzugung eines Arbeitgeberverbandes“, die für die NGG „nicht akzeptabel“ seien.

Prinzipiell gibt Ministeriumssprecher Fries dem Ansinnen des Gewerkschafters Recht: „Wie bei allen schulischen Veranstaltungen ist darauf zu achten, dass jede einseitige Beeinflussung der Schüler unterbleibt“, antwortet er auf eine Anfrage unserer Zeitung. Verschiedene Interessen und Haltungen sollen die Auszubildenden kennenlernen,  um politische und gesellschaftliche Sachverhalte beurteilen, sich eine Meinung bilden zu können.  Insbesondere sollten sie an Schulen lernen, sich „aktiv am politischen Prozess zu beteiligen“.  Das gelte auch für das TGBBZ mit seinem Zweig für Hotel- und Gaststättengewerbe. So habe sich das Berufsbildungszentrum ebenso an den ministeriellen Erlass von 1986 zu halten, der  „Informationsbesuche, Vorträge und Veranstaltungen nicht zur Schule gehörender Personen“ regelt, berichtet Fries. Solche Experten seien „aus Sicht des Bildungsministers „ein Gewinn für den Unterricht“ und die Motivation der Schüler.

Wer allerdings wann eingebunden wird, darüber entscheiden Lehrer und Schulleitung. Ob dies in dem konkreten Fall so abgelaufen ist, will das Ministerium klären. Nach Fries’ Angaben ist die Schulaufsicht eingeschaltet. Sie verlangt dazu eine Stellungnahme der Schulleiterin und der von der Gewerkschaft beschuldigten Lehrerin. Das Problem indes sind die Ferien. So geht Fries davon aus, dass vor dem 7. August  keine Auskunft zu erhalten ist. Auch die Redaktion versuchte, die betroffene Lehrerein zu kontaktieren. Erfolglos: Lediglich eine Bandansage des schulischen Sekretariatstelefons war geschaltet.

Unterdessen sind Unverständnis und Wut über die angebliche Abweisung am TGBBZ II in Saarbrücken bei NGG-Geschäftsführer Baumeister groß. Denn andere Lehrer gastgewerblicher Klassen würden seit Jahren gewerkschaftliche Fachleute „immer wieder als Referenten in den Sozialkundeunterricht“ einbeziehen“, untermauert er in seinem Beschwerdebrief. Innerhalb von 90 Minuten sollen Auszubildende beispielsweise über Rechte und Pflichten sowie über Tarifverträge informiert werden. Gerade mit Blick auf die Unzufriedenheit über die Ausbildungssituation unter anderem wegen Verstöße gegen Jugendarbeitsschutz- sowie Arbeitszeitgesetze habe die Branche mit einer „unverändert hohen Abbrecherquote von zirka 50 Prozent“ zu kämpfen. Da könne die Gewerkschaft im Unterricht gegensteuern, ist Baumeister überzeugt.  Er versichert zudem, dass es „zu keinem Zeitpunkt im Mittelpunkt unseres Berufsschulunterrichts“ stehe, Mitglieder zu werben.  Ein entsprechendes Konzept liege der Lehrerin vor, die das „Berufsschulverbot“ gegen NGG ausgesprochen habe.

Mark Baumeister, Saar-Chef der Gewerkschaft NGG. . Foto: BeckerBredel/BeckerBredel Fotografen

Gleichzeitig erwähnt Baumeister, dass ein Lehrer versetzt worden sei, der sich der Gewerkschaft NGG offen gegenüber zeige. Zwar wolle er dies nicht bewerten, um aber sogleich zu schreiben: „Jedoch erscheint dieser (gemeint ist der betroffene Lehrer) in Zusammenhang mit dem Berufsschulunterricht der NGG“.