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Spitze: Das Dvoràk-Requiem in der Ludwigskirche
Jubel für ein gewagtes und gelungenes Unterfangen

Saarbrücken. Das war spitze: Der Saarbrücker Oratorienchor meisterte das Dvořák-Requiem und zuvor eine Reihe von Hürden. Von Traudl Brenner

Wer das Requiem Antonin Dvořák kennt, das jetzt vom Saarbrücker Oratorienchor in der Ludwigskirche aufgeführt wurde, hat es wohl im Plattenschrank. Denn aufgeführt wird es eher selten: Ungeheuer aufwändig ist es, nur für Konzertsäle gedacht, nicht für die Kirche, wie die Requiems anderer Komponisten. Eine Herausforderung für Dirigent, Solisten, Chor und Orchester, allein schon wegen der Länge – alle müssen anderthalb Stunden hochkonzentriert bei der Sache sein. Wer traut sich das schon zu?


 Der Saarbrücker Oratorienchor mit seiner mutigen und offenbar auch mit guten Nerven gesegneten Chefin Annemarie Ruttloff hat es jetzt gewagt. Alle haben Monate mit größter Intensität gearbeitet – und wurden nun mit großem Erfolg belohnt: Das Riesenwerk mit seinen 13 Sätzen, das die Ausführenden buchstäblich ohne Atempause zu vollster Konzentration zwingt, hat die Zuhörer in der prall gefüllten Ludwigskirche begeistert.

Dabei wäre die so lange vorbereitete Aufführung ums Haar ins Wasser gefallen: Zwei Tage vorher erkrankte die Solo-Sopranistin. Die Grippe hatte Konstanze Ruttloff, Tochter der Orchesterchefin, voll erwischt. Ersatz finden, in dieser kurzen Zeit? Fast unmöglich. Da wandte sich die verzweifelte Mama Ruttloff in ihrer Not Hilfe suchend an Elizabeth Wiles, langjährige Sängerin am Saarländischen Staatstheater – und hatte Glück. Wiles hatte diese äußerst anspruchsvolle Partie zwar auch noch nie gesungen, gönnte sich dann aber zwei Tage und Nächte lang keine Atempause – und sie hat das schwere, vielseitige Stück glänzend geschafft. Wofür sie natürlich mit stürmischem Applaus belohnt wurde. Die weiteren Solisten: Judith Braun, Staatstheater-Altistin ebenfalls, sowie der Tenor Tilman Lichdi und der Bass Ekkehard Abele.



 Für Judith Braun übrigens war dieser Auftritt schon das zweite herausfordernde Ereignis an diesem Sonntag: Sie hatte bereits am Vormittag ihr eigenes Konzert mit sehr anspruchsvollem Programm im Mittelfoyer des Staatstheaters.

 Ein Lob zu zollen ist auch den Machern des Programmheftes. Es führte gut durch das schwierige Werk. Darin wird aber auch mit der häufig über Dvořák Lebensgeschichte verbreiteten Legende aufgeräumt, dass nämlich der Papa des musikalischen Wunderkindes für den Sohn eigentlich eine Metzger-Karriere vorgesehen hatte. Wäre ja auch ein Jammer gewesen, uns würde sehr viel und wunderbare Musik dieses arbeitsamen Antonin fehlen, der in seinen nur 61 Lebensjahren eine unglaubliche Fülle an Werken geschrieben hat. Wie sagte Brahms über Dvořák: „Der Kerl hat mehr Ideen als wir alle“.