Zwischen fragil und gefährlich

Vier Ausstellungen stehen auf dem Programm der Saarbrücker Stadtgalerie für das Jahr 2014. Von fragil bis gefährlich sei alles dabei, sagte Leiterin Andrea Jahn bei der Vorstellung des Programms.

Warum soll sich Musik eigentlich nur an menschliche Ohren richten, fragt Marek Brandt. Der Leipziger Künstler komponiert und spielt Musik für Rinder, Fische, Wölfe, Krähen oder auch Milben. Seine Schau "Music for animals" ist ab dem 24. Januar in der Saarbrücker Stadtgalerie zu sehen. Eine andere Etage überlässt Stadtgalerie-Leiterin Andrea Jahn zeitgleich der Südtirolerin Gabriela Oberkofler, die sich bisweilen ihr komplettes Heimatdorf als Holznachbau in Miniatur auf den Buckel packt, um - unter dem Motto "Alles wieder zurück" - der Brüchigkeit der dörflichen Idylle nachzuspüren. "Buckelkraxen" nennt Oberkofler das, weiß Jahn, die am Donnerstag das Jahresprogramm der Stadtgalerie im Kulturausschuss vorstellte. Die Auseinandersetzung mit Tier, Natur und Umwelt, erklärte sie, werde sich als Thema auch durch die weiteren Ausstellungen des Jahres ziehen. Und dies geschehe oft sehr witzig, sehr ästhetisch, sehr fragil, bisweilen auch auf sehr gefährliche Art.

Auf die Doppelschau mit Oberkofler und Brandt, die am 23. März endet, folgt am 4. April (bis 22. Juni) mit "Neon - Vom Leuchten der Kunst" eine Schau, die sich der Neon-Farbe, Inbegriff von Künstlichkeit, als kulturellem Phänomen in Kunst, Mode und Alltag widmen wird. Zusammen mit dem Museum für konkrete Kunst in Ingolstadt, das die Schau später übernimmt, wird die Stadtgalerie dazu künstlerische Positionen von den 1960er Jahren bis heute vorstellen. Gezeigt werden unter anderem Werke von Rupprecht Geiger, Thomas Fluff und Pietro Sanguinetti.

Um die Künstlichkeit von Natur geht es in der anschließenden Schau "Urban Nature" vom 11. Juli bis 28. September. Da lässt das Schweizer Künstlerpaar Lukas Bordill und Gabriele Gerber unter anderem einen Dschungel hinter den Frontfenstern der Stadtgalerie wachsen, während Regula Dettwiler unter anderem im Stile von Sybilla Merian Naturstudien an Kunstblumen-Schmuck in weltweiten Einkaufszentren betreibt.

Vom 10. Oktober bis zum 16. Januar schließlich werden der Israeli Shahar Marcus und die Deutsche Nezaket Ekici unter dem Titel "In Relation" gemeinsam das ganze Haus bespielen. Die beiden Performance-Künstler arbeiten, schwärmt Jahn, "mit wunderbaren Bildern, aber man spürt doch immer eine masochistische Neigung, sich Dingen auszusetzen, die nicht unanstrengend sind". In "Salt Dinner" etwa, erzählt die Galerie-Leiterin, versuchen sie, sich in einem Salzwasser-See so lange es geht aufrecht zu halten und an einer gedeckten Tafel ein Dinner einzunehmen.

Bei den Fraktionen im Kulturausschuss stieß Andrea Jahn mit dem geplanten Programm auf ungeteilten Beifall. Auch mit dem neuen Direktor des Saarlandmuseums scheint die Stadtgalerie-Leiterin gut zu können. Erstmals lud man gemeinsam zu den beiden nächsten Vernissagen ein, die am kommenden Freitag nacheinander am selben Abend stattfinden werden. "Roland Möhring und ich haben uns sofort gut verstanden", bestätigt Andrea Jahn auf SZ-Nachfrage und strahlt.

Zum Thema:

Auf einen BlickDas Programm der Stadtgalerie Saarbrücken:24. Januar bis 23. März: Marek Brandt "Music for animals" und Gabriela Oberkofler "Alles wieder zurück”.4. April bis 22. Juni: "Neon - vom Leuchten der Kunst", Neonfarbe als kulturelles Phänomen.11. Juli bis 28. September: "Urban Nature", Künstlichkeit der Natur.10. Oktober bis 16. Januar 2015: Shahar Marcus und Nezaket Ekici "In Relation". red