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Zwischen Dunkelheit und Trost

Seit 2010 ist Bernhard Schmidt (Mitte) – hier bei einer Probe mit einigen Sängerinnen – Leiter von Canta Nova Saar. Seither hat Canta Nova unter anderem 2013 den ersten Preis beim Landeschorwettbewerb Saar ersungen. Foto: Karger
Seit 2010 ist Bernhard Schmidt (Mitte) – hier bei einer Probe mit einigen Sängerinnen – Leiter von Canta Nova Saar. Seither hat Canta Nova unter anderem 2013 den ersten Preis beim Landeschorwettbewerb Saar ersungen. Foto: Karger FOTO: Karger
Saarbrücken. „Tenebrae“, Dunkelheit, ist das aktuelle Programm des mehrfach ausgezeichneten Chors Canta Nova Saar überschrieben. Am Samstag sind die 24 Sänger in St. Michael zu hören. Astrid Karger

Francis Poulenc hätte es sicher genossen, seine Motetten auf so hohem Niveau gesungen zu hören. Im Konzert "Tenebrae", das der auf zeitgenössische Chormusik spezialisierten Chor Canta Nova Saar am Samstag in Saarbrücken aufführt, ist der französische Komponist der einzige, der nicht mehr lebt. Chorleiter Bernhard Schmidt hat für die aktuellen Konzerte seines mehrfach preisgekrönten, semiprofessionellen Chores ein Programm zur Fastenzeit zusammengestellt.

"Tenebrae", das ist die Dunkelheit, von der die Evangelisten berichten - als Christus am Kreuz starb, "ward eine Finsternis über das ganze Land". Schuld, Vergebung, Opfertod, es wird gelitten und gebüßt. Das Publikum erwartet jedoch kein trauriges Programm, Licht und Trost stehen nicht erst am Ende. "Eine emotionale Achterbahnfahrt", so verheißt es Dirigent Bernhard Schmidt, der er mit dem Stück "Spères" des in Amerika lebenden norwegischen Komponisten Ola Gjeilo einen wohligen Einstieg gibt, "fast wie ein Hollywood-Soundtrack". Passionszeit, meint Schmidt, das bedeute im Dialog mit Gott zweierlei, zum einen "Erbarme Dich meiner, erinnere Dich Deiner eigenen Leiden", und "Wir sind Dir dankbar, weil Du für uns gelitten hast".

Zwischen den Musikstücken der Komponisten Poulenc, Gjeilo, Lukaszewski, Sisask und Dove wird im Konzert ein fiktives Gespräch zweier Wissenschaftler bei der Betrachtung des Turiner Grabtuchs rezitiert. Der Text stammt von dem Frankfurter Schriftsteller Martin Mosebach . Auf die nüchterne Schilderung folgt katholische Verzückung, Ekstase. "Wechselbäder", so Sänger Jörg Marxen , biete das Programm, ein Konzert "für alle Sinne".

Bernhard Schmidt suchte bei der Programmgestaltung nach Chorwerken, die mit dem mitteleuropäischen Empfinden gläubiger Katholiken wie dem Franzosen Poulenc und dem Deutschen Mosebach harmonieren und wurde in Polen fündig, wo auch das 20. Jahrhundert in dieser Hinsicht höchst produktiv war. Der 1968 geborene Pawel Lukaszewski ist eine seiner Entdeckungen und gerade im Kommen. Verabschiedet werden die Zuhörer ebenso sanft wie begrüßt, minimalistisch und meditativ, mit einem Agnus Dei aus Estland, "in das man sich hineinfallen lassen könne", verspricht Jörg Marxen .

Konzert am Samstag, 14. März, 19.30 Uhr, in der Pfarrkirche St. Michael, Saarbrücken . Eine weitere Aufführung ist Sonntag, 15. März, 17 Uhr, Marienstiftskirche in Trier. Info: www.cantanovasaar.de