Zweibrücken und sein König Stanislaus

Zweibrücken feiert am kommenden Samstag rund ums Stadt-Schloss ein großes Fest: Fast auf den Tag genau vor 300 Jahren hielt der polnische König Stanislaus Lesczynski dort prunkvollen Einzug. Vier Jahre lang residierte er im Herzogspalast und zog von dort aus politische Strippen.

Werner Euskirchen , ehemaliger Richter am Zweibrücker Amtsgericht, hat die Feierlichkeiten seit zwei Jahren bis ins Detail geplant. In der "Stadt der Rosen, Rösser, Roben und Regenten" ist er als "Kurier des Herzogs" längst ein bekanntes Original. In Barockkleidern fährt er geschichts-interessierte Touristen und Einheimische in seiner historischen Kutsche durch die Altstadt und amüsiert sie mit seinen humorvollen Erklärungen über Zweibrückens ruhmreiche Vergangenheit. Nicht nur die Geschichten über den polnischen König Stanislaus werden dann wieder lebendig. Auch andere europäische Adlige haben Verbindungen nach Zweibrücken .

So wissen nicht viele, dass Max I. Joseph von Bayern, der Großvater der legendären österreichischen Kaiserin Sissi, im 19. Jahrhundert auch über Zweibrücken und den Ostteil des heutigen Saarlands geherrscht hatte. Wenn Euskirchen mit dem siebenjährigen Wallach "Moses" durch die Altstadt kutschiert, geht es aber natürlich auch um Stanislaus. Viele Informationen hat er in seiner umfangreichen historischen Privat-Bibliothek über viele Jahre zusammengetragen. So las er auch Werke des großen französischen Schriftstellers Voltaire , der über mehr als 40 Seiten speziell über König Stanislaus und dessen Aktivitäten in der pfälzisch-saarländisch-lothringischen Region berichtet.

Eine der Begebenheiten spielt im Wald bei Kirkel, den Stanislaus mit seiner Kutsche - wie so oft - in Richtung Forbach, Metz, Nancy durchqueren wollte. Dort lauerten ihm Offiziere seines Erzfeindes August der Starke von Sachsen auf, die den Polen beiseite schaffen wollten. Aber König Stanislaus war diesmal der Stärkere und konnte mit seiner wehrhaften Leibgarde den Überfall abwehren. Bekanntlich ehrte der damalige französische König Ludwig XV. seinen frischgebackenen Schwiegervater Stanislaus mit einem üppigen Geschenk. Nach der Verheiratung seiner Tochter Maria mit Ludwig wurde Stanislaus unter anderem Regent des Herzogtums Lothringen . Die prunkvolle Altstadt von Nancy kündet noch heute von der damaligen Macht des Polen , der 1733 erneut zum König seines Landes gewählt worden war.

Diese und andere Geschichten werden am Samstag wieder lebendig. Dann wird König Stanislaus' "Double", ein Überraschungsgast mit polnischen Wurzeln, vor dem Zweibrücker Schloss mit Gefolge und mehreren historischen Kutschen vorfahren. Delegationen aus Polen , Schweden, Moldavien, der Ukraine (Stanislaus ist im ukrainischen Lemberg geboren), der Türkei, aus Frankreich und natürlich aus der Pfalz, aus Lothringen und dem Saarland werden dem Regenten in Barock-Outfit ihre Reverenz erweisen.

Kutschfahrten sind auf der sogenannten "Barockstraße" in der Pfalz und im Saarland geplant. Auch nach Gräfinthal im Bliesgau. Denn in der dortigen Kloster-Kirche ließ der Polenkönig seine geliebte Tochter Anna beisetzen, nachdem sie in Zweibrücken unerwartet verstorben war.

König Stanislaus soll in den nächsten vier Jahren in der ganzen Grenzregion bei verschiedenen Kultur-Veranstaltungen auftreten und von seinem damaligen Wirken in der saarländisch-pfälzisch-lothringischen Region berichten. Denn vier Jahre lang hatte er damals von Zweibrücken aus nach halb Europa gewirkt und Geschichte geschrieben. Die Feierlichkeiten vor dem Zweibrücker Schloss beginnen am 5. Juli gegen 17 Uhr.