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Zwei Wortakrobaten machen sich einen Reim auf die Liebe

Anette Welp und Ody vam Bruok beim Auftritt im Leidinger. Foto: Iris Maurer
Anette Welp und Ody vam Bruok beim Auftritt im Leidinger. Foto: Iris Maurer FOTO: Iris Maurer
Saarbrücken. Wenn einer noch mit Liebesgedichten in Reimform aufwartet, wird das nicht schnell peinlich? Nicht unbedingt. Wenn Ody vam Bruok alias Gregor Köhne der Dichter ist und sie selbst vorträgt, gehen sie runter wie Öl. Dabei benutzt der Wahl-Saarbrücker gar keine ausgefallenen oder neuen Worte, um innige Momente mit der Liebsten und was sie ihm bedeuten auszumalen. Doch wie leichtfüßig Ody dabei ein Wort aufs andere reimt und in klassische Versmaße und Schüttelreime steckt, ist phänomenal. Wüsst man's nicht besser, so hielte man Reimen für die natürlichste Sprachweise der Welt. Um Liebe in allen Beziehungsstadien ging es am Samstag beim Dichterabend mit Ody und seiner Kollegin Anette Welp im Theater Leidinger. "Zurück auf Anfang. Zwei Autoren - eine Bühne" war der Abend überschrieben. Die beiden hatten sich vor 35 Jahren in Köln kennengelernt, erfuhr man. Sie präsentierten ihre Texte erstmals gemeinsam. Das funktionierte so harmonisch, als sähen sich jeden Tag. Silvia Buss

Wenn einer noch mit Liebesgedichten in Reimform aufwartet, wird das nicht schnell peinlich? Nicht unbedingt. Wenn Ody vam Bruok alias Gregor Köhne der Dichter ist und sie selbst vorträgt, gehen sie runter wie Öl. Dabei benutzt der Wahl-Saarbrücker gar keine ausgefallenen oder neuen Worte, um innige Momente mit der Liebsten und was sie ihm bedeuten auszumalen. Doch wie leichtfüßig Ody dabei ein Wort aufs andere reimt und in klassische Versmaße und Schüttelreime steckt, ist phänomenal. Wüsst man's nicht besser, so hielte man Reimen für die natürlichste Sprachweise der Welt. Um Liebe in allen Beziehungsstadien ging es am Samstag beim Dichterabend mit Ody und seiner Kollegin Anette Welp im Theater Leidinger. "Zurück auf Anfang. Zwei Autoren - eine Bühne" war der Abend überschrieben. Die beiden hatten sich vor 35 Jahren in Köln kennengelernt, erfuhr man. Sie präsentierten ihre Texte erstmals gemeinsam. Das funktionierte so harmonisch, als sähen sich jeden Tag.


Auch Welp reimt gern und mit Lust, sogar so trockene Worte, die auf (Bezieh-)ung oder (sez-)ieren enden, bringt sie durch pure Aneinanderreihung in Schwung. Daneben erzählt die Hessin, die hauptberuflich als Frauenbeauftragte arbeitet, auch skurrile Kurzgeschichten von erwartungsvollen Rendezvous mit Männern, die in Alkohol enden, in Flucht oder gar in Mord. Auch bei Ody landet mancher fiese Gatte erschlagen mit dem Spaten in den Saaten. Doch wohin mit der Leiche?

Die Mühen und Missgeschicke der Entsorgung malt er so derb-komisch aus, als wär's ein Streich von Max und Moritz. Der dreifache Wilmhelm-Busch-Preisträger scheint sich aber auch bei Ringelnatz und Heinz Erhardt zu inspirieren. Wie Ringelnatz macht Ody gern komische Reime über Tiere. Wie Erhardt hat er ein Faible fürs Kalauern und beginnt seine Gedichte oft gern in einem hohen Ton, der sich hymnisch hochschraubt, um dem Zuhörer schließlich mit einer Volte ins Banale eine Nase zu drehen. Auch die Liebe zu Scherz, Ironie und Humor, gern ganz schwarzem, haben Welp und - noch etwas doller - Ody gemeinsam. Wenn Ody in seinen Naturgedichten das Glück beim Seele-baumeln-lassen im grünen Gras besingt, fragt man sich, ob er nicht insgeheim doch ein Romantiker ist, der sich durch humoristische Brechung vor allzu viel Gefühligkeit schützt. Zum Schluss liefert er ein richtiges Ständchen, eine deutsche Version von Gloria Gaynors "I will survive" als altersweise Ode an das Leben. Auf jeden Fall ist er ein Optimist.