Zwei Herzen schlagen in ihrer Brust

Manchmal beschert das Internet schöne Überraschungen. Wir hielten mit der Suchmaschine Google nach Menschen Ausschau, die in Saarbrücken geboren und in aller Welt künstlerisch aktiv sind. Und haben Erstaunliches gefunden. In loser Folge stellen wir interessante Menschen vor, die einst in Saarbrücken zu Hause waren. Heute: die Künstlerin Rona Rangsch.

Wenn man Rona Rangsch, Jahrgang 1969, kennenlernt, dann hält ihr Lebenslauf eine Überraschung parat. Denn in der Brust der gebürtigen Saarbrückerin schlagen zwei Herzen, eines für die Physik und eines für die Kunst. "Eigentlich hatte ich immer den Wunsch, Kunst zu studieren, und bekam als Teenager Kunstunterricht. Aber in der Schule mochte ich auch die Mathematik und die Physik ", erzählt sie. Mit der Kunst kam sie in ihrem Saarbrücker Elternhaus in Kontakt. "Ich erinnere mich noch gut, dass mein Vater mit mir nach Paris gefahren ist, um den Pont Neuf anzuschauen, als der von Christo verpackt war", schwärmt Rona Rangsch.

Dann berichtet sie, dass sie sich nach dem Abi an der Universität des Saarlandes für Physik eingeschrieben hatte, eigentlich nur vorübergehend. "Das Studium war sehr anspruchsvoll, daher packte mich der Ehrgeiz, und ich wollte sehen, ob ich das schaffen kann", erklärt sie. So machte Rona Rangsch nicht nur ihr Diplom, sie begann sogar ihre Promotion. An der Universität in Essen schien sie die perfekte Stelle gefunden zu haben. Alles lief nach Plan, bis die mittlerweile 30-Jährige bemerkte, dass sie doch eigentlich Kunst machen wollte. "Ich liebe die Physik , aber jeden Tag am Schreibtisch zu sitzen und an abstrakten Theorien zu arbeiten, das war nichts für immer", erzählt sie lachend.

Daher bricht sie im Jahr 1999 ihre Promotion ab, um sich ihrer ersten Leidenschaft, der Kunst, zu widmen. Einem kurzen Gaststudium an der Kunstakademie in Düsseldorf folgt eine Fortbildung in Multimedia-Design in Essen und 2003 der Einzug in das Künstlerhaus Dortmund. "Dort habe ich viel gelernt, dort fand meine Professionalisierung statt. Denn unter dem Dach des Künstlerhauses Dortmund wird gemeinsam gearbeitet, es werden Ausstellungen organisiert. Und ich bin dort immer noch Mitglied, habe heute noch mein Atelier dort", sagt die Autodidaktin.

In den ersten Jahren probiert sie in der Kunst viel aus, experimentiert. Bis heute arbeitet sie mit Installationen, Fotomontagen, Video und Klang und wählt jeweils die Technik aus, die am besten zur Thematik passt, der sie sich gerade widmet.

Und eines fällt auf - Rona Rangsch reist viel. Denn die Natur ist zum zentralen Thema ihrer Kunst geworden. "Mich interessiert es, unsichtbare Zusammenhänge über geographische und kulturelle Grenzen hinweg sichtbar zu machen. Und seit einiger Zeit auch diejenigen, die die moderne Naturwissenschaft freilegt. "Hier vereinen sich für mich Naturwissenschaft und Kunst, hier schließt sich der Kreis." Es ist insbesondere die Natur des Nordens, die in ihre Kunst einfließt. "Im Jahr 2007 war ich für ein Projekt in Neufundland. Das hat mich sehr beeindruckt. Danach sind eine Reihe von Arbeiten entstanden, die die Verbundenheit von Alter und Neuer Welt auf beiden Seiten des Nordatlantiks thematisieren."

Trotz aller transatlantischen Reisen findet sie aber auch jedes Jahr noch den Weg nach Saarbrücken, immer an Weihnachten. Und sie erzählt eine kleine Anekdote, wie sie in Neufundland, mitten in der Wildnis, eine Frau kennengelernt hat, die nicht nur aus Deutschland kommt, sondern sogar wie sie aus Saarbrücken stammt.

"Ich komme immer gerne nach Saarbrücken. Ich habe hier noch Freunde, meine Eltern und seit 2007 auch eine gute neue Freundin", sagt sie lächelnd.

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