Zwei auf Augen- und Ohrenhöhe spielten im Alten Rathaus

Die gute Nachricht des Abends war nach einem gelungenen Konzert, dass die mittlerweile bekannte städtische Reihe Carbon & Stahl weiter geführt werden kann. Aus wirtschaftlichen Gründen drohte ihr das Aus.

Bei ihrem Konzert im Festsaal des alten Rathauses sind die beiden bayrischen Musiker am Donnerstagabend im Rahmen ihres Auftrittes in der Reihe Carbon & Stahl so ins Schwärmen geraten, dass sie sich dafür sogar beim Publikum entschuldigten. Zum einen war es der herrliche Bösendorfer-Konzertflügel, auf den Volkshochschulleiter Karlheinz Schäffner, der in dieser Eigenschaft auch Hausherr im Alten Rathaus ist, so stolz ist. Der Münchner Pianist Stephan Weiser: "Das ist wirklich etwas Besonderes, dass man ein solch tolles Instrument vor die Nase gestellt bekommt." Und dann war da noch die tolle Akustik des Festsaales. Die hält vor allem der künstlerische Leiter der Reihe, Dietmar Kunzler, vor allem für akustische Instrumente für sehr gut. Der Regensburger Gitarrist Andreas Dombert bestätigte kurz vor der Pause diese Einschätzung: "Mit einem solch tollen Flügel und dieser herrlichen Akustik kann ich Ihnen nur versichern: So gut haben wir noch nie geklungen."

Musikalisches Duell

Eigene Kompositionen hatten die beiden angekündigt, ebenso beliebte Jazz-Standards, aber auch weniger bekannte Werke. Zu den letzteren gehört eindeutig die Bossanova des Münchner Gipsy-Jazz-Gitarristen Costa Lucasz. Zu den Standards der Titel "Days of Wine and Roses". Mit einer Eigenkomposition Domberts, das er "Deep Blue" genannt hat, startete das Duo. Es beginnt verträumt, doch schon bald wird das Gitarrensolo energischer.

Schließlich darf auch Pianist Weiser solieren, und zum Finale duellieren sie sich noch ein wenig, indem der eine eine kurze Tonfolge vorgibt, die der andere nachspielen muss. Den Walzer "My Tune" hat Weiser geschrieben. Auch mit viel Raum für Interpretationen. Nach einem tanzbaren Walzer klingt das ganze aber nur ganz kurz, knapp vor dem Schlussakkord. Mit Stings "Fields of Gold" hatten die beiden dann auch noch ein Jazz-fremdes Stück im Repertoire. Für echte Jazzer aber nicht weiter schlimm. Sie spielen den Welthit so weit an, dass er gerade so zu erkennen ist - um ihn sich dann mit ihren eigenen Interpretationen anzueignen.

Reihe geht weiter

14 Jahre wird die Reihe Carbon & Stahl jetzt alt, wie Schäffner und Kunzler eingangs feststellten. Kunzler meinte gar: "Dies könnte sogar das 100. Konzert dieser Reihe sein, das müssten wir aber nochmal nachzählen." Wichtiger, dass die Reihe überhaupt weitergeht: "Das vergangene Jahr war ein Zitterjahr." Die Fortführung stand also lange auf der Kippe. Die Kombination der Gitarre mit anderen Instrumenten stünde bei den sieben Konzerten der aktuellen Staffel im Fokus. So wie das Zusammenspiel zwischen Piano und Archtop-Gitarre am Donnerstagabend.

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