Zu viel schwarzer jüdischer Humor?

Was interessiert jüdische Filmemacher heute? Was ist die jüdische Lebenswirklichkeit? Bei den Jüdischen Filmtagen gibt es einmal im Jahr die Gelegenheit, Antwort auf diese Fragen zu bekommen.

Im vollbesetzten Kino Achteinhalb begannen am Sonntagabend die achten Jüdischen Filmtage Saarbrücken , eine einwöchige Veranstaltung der Synagogengemeinde Saar und des Kinos Achteinhalb. Aktuelles jüdisches Filmschaffen bietet Einblicke und Zeitreisen in jüdische Lebenswelten zwischen Berlin und Marokko. Bildungsminister Ulrich Commerçon verließ in seiner kurzen Ansprache zur Eröffnung das "Protokoll" und kritisierte die Veröffentlichung eines Leserbriefes in der Saarbrücker Zeitung (SZ vom 28.10, Leserbriefe auf der Meinungsseite im vorderen Teil der Zeitung), der die Worte "Deutschland, erwache" beinhaltete, einer (heute verbotenen) SA-Losung.

Der Eröffnungsfilm "A la vie" erzählt die Geschichte dreier Frauen, die sich im Konzentrationslager in Auschwitz kennen und stützen gelernt hatten, die überlebt haben und sich nun einmal im Jahr für ein paar Tage am nordfranzösischen Strand von Berck treffen.

Regisseur Jean-Jacques Zilbermann ist der Sohn einer dieser Frauen, im Film von Julie Dépardieu dargestellt. Eine Schicksalsgemeinschaft, die sich mit Lebenswillen, Direktheit und Humor dem widerfahrenen Grauen und persönlichen Schuldgefühlen stellt. So wurde im Kino Achteinhalb auch herzhaft gelacht, zumindest von den Mitgliedern der jüdischen Gemeinde und den zahlreichen Besuchern aus Frankreich. Der Film "A la vie" hat keinen deutschen Verleih gefunden.

Regisseur Zilbermann wollte seinen Film eigentlich "Aux Bains Auschwitz" - "Bad Auschwitz" nennen, denn das nennen die drei Frauen ihren eifersüchtig zurückbleibenden Ehemännern als Ziel der alljährlichen Reise unter Freundinnen. Das war aber auch dem französischen Verleih zu viel des jüdischen Humors. Zilbermann erzählt im Publikumsgespräch, ihm sei respektloser Umgang mit dem Thema Deportation und Vernichtung der Juden in Konzentrationslagern vorgeworfen worden. "A la vie" ist eine wahre Geschichte, erzählt von einem Betroffenen, der eine mit Fiktion angereicherte Ehrung der drei Frauen geschaffen hat, voller Poesie und Lebensbejahung.

Auch in den nächsten Tagen stehen spannende Begegnungen mit der jüdischen Filmkultur an. Etwa der Film "Café Nagler", der ins Berlin der Zwanzigerjahre entführt. Und "90 Minuten - Bei Abpfiff Frieden" trägt den israelisch-palästinensischen Konflikt auf dem Fußballplatz aus. An allen Abenden gibt es Gelegenheit zum Gespräch.

Zum Thema:

Auf einen Blick Die Jüdischen Filmtage im Kino Achteinhalb in der Nauwieser Straße 19 zeigen am heutigen Mittwoch, 2. November, 19 Uhr, "Café Nagler" (OmU) und den Kurzfilm "Die Reiseleiterin". Gäste sind die Regisseurin Mor Kaplansky und der Regisseur Amos Geva. Am Donnerstag, 3. November, 19 Uhr, läuft "Bei Abpfiff Frieden" (OmU). Gast ist der Produzent Adar Shafran. ask Karten zu 6/5 Euro an der Kinokasse.