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Zu viel Parteipolitik, zu wenig Sachverstand?

Luftaufnahme von Saarbrücken am Dienstag (12.07.2016). Im Bild ist die Saar mit der Alten Brücke (vorne) und der Wilhelm-Heinrich-Brücke (hinten) zu sehen.Location:Saarbrücken
Luftaufnahme von Saarbrücken am Dienstag (12.07.2016). Im Bild ist die Saar mit der Alten Brücke (vorne) und der Wilhelm-Heinrich-Brücke (hinten) zu sehen.Location:Saarbrücken FOTO: Becker&Bredel
Saarbrücken. „Eine anspornende Entwicklung“ bescheinigt der Saarbrücker Städtebaubeirat der Landeshauptstadt. Deshalb soll das zu Zeiten von Ex-Baudezernentin Rena Wandel-Hoefer 2011 beschlossene städtebauliche Entwicklungskonzept weiter Grundlage der Planungen sein und weiterentwickelt werden, fordert das Gremium. Martin Rolshausen

Auch wenn Saarbrücken keine Stadt ist, die viel Geld hat, bundesweit werde sie als "kulturell aufgeschlossene und entschleunigte Stadt in der Provinz umschrieben, die eben doch mehr ist als eine ,graue Maus', deren Schönheit übertüncht wird von Waschbeton, ausufernden Gewerbegebieten, einer lärmenden Verkehrsader, verzerrenden Klischees oder einem erfolglosen Fußballverein". Das schreibt der Saarbrücker Städtebaubeirat in einem aktuellen Positionspapier.



Der Beirat ist nicht wie der Stadtrat gewählt, sondern setzt sich aus von der Stadt berufenen Vertretern von Kammern und Verbänden sowie Vertretern der Verwaltung zusammen. Er soll, so lautet die offizielle Aufgabenbeschreibung, "für ein qualitätsvolles Stadtbild Sorge tragen, die architektonische und städtebauliche Qualität fördern sowie Fehlentwicklungen vermeiden".

Dass Saarbrücken auf einen guten Weg geraten ist, schreibt der Beirat Ex-Baudezernentin Rena Wandel-Hoefer zu. Er erwähnt sie in seinem Papier zwar nicht namentlich, bezieht sich aber ausdrücklich auf die vergangenen acht Jahre - eben die Amtszeit Wandel-Hoefers.

In dieser Zeit sei die "Basis dieses fortschrittlichen Denkens und Handelns" "maßgeblich in der gewissenhaften Stadtentwicklungsplanung verankert" worden.

"Nicht nur im Bezug auf das Stadtmitte-Großprojekt wurden vorhabenbezogene Strategien angestoßen und interdisziplinäre Arbeitsstrukturen geschaffen, die den Geist einer auf Generationen veranlagten Stadtentwicklungsplanung verspüren lassen", schreibt der Städtebaubeirat.

Im neuen Baudezernenten, Professor Heiko Lukas, auch er wird nicht namentlich erwähnt, sieht der Beirat die "für Saarbrücken bestmögliche Besetzung des Baudezernates", der "nun die Früchte der anstrengenden Grundlagenarbeit" ernten müsse. Das sei nicht unproblematisch. Denn "bei etlichen Prozessen" sieht der Städtebaubeirat "losgelöst von projektspezifischen und haushalterischen Zwängen, die Möglichkeiten einer Mitwirkung auf Augenhöhe nicht erschöpfend gegeben, weil erkennbar kommunal- oder parteipolitische Interessen dem entgegenstehen".

Um Saarbrücken auf städtebaulichem Kurs zu halten, fordert der Beirat unter anderem, dass das von Wandel-Hoefer geprägte städtebauliche Entwicklungskonzept "fortgeschrieben und an die aktuellen Entwicklungen angepasst" wird. Projekte von Investoren "müssen stärker mit der verpflichtenden Investition in den öffentlichen Raum im Sinne einer sozial gerechten Bodenordnung gekoppelt werden". Wichtig sind dem Beirat auch Wohnungsbau, die "Stärkung der Hochschullandschaft", transparente Verfahren, Bürgerbeteiligung - und mehr Einfluss für sich selbst.