„Zu viel Friede, Freude, Eierkuchen“

Der Startschuss ist gefallen, bei der Weltmeisterschaft in Brasilien rollt der Ball. Sie ist auch für aktive Fußballer und Trainer im Kreis ein Pflichttermin. Was die deutsche Mannschaft angeht, herrscht bei vielen eher Skepsis.

Das lange Warten hat ein Ende. Seit Donnerstag läuft sie endlich, die Weltmeisterschaft. Das Turnier in Brasilien steht natürlich auch im saarländischen Amateur-Fußball hoch im Kurs. Wohl kaum ein Spieler oder Trainer aus dem Kreis wird es sich entgehen lassen, zumindest weite Teile der 64 WM-Partien live zu verfolgen. Ob vor dem Fernseher zu Hause, beim "Public Viewing" oder in der Kneipe um die Ecke. Vor allem dem ersten Auftritt der deutschen Nationalmannschaft heute gegen Portugal (18 Uhr/ARD ) fiebern alle entgegen.

"Die WM ist ja nur alle vier Jahre. Klar, dass da die Vorfreude sehr groß ist", sagt Philipp Hirtreiter, Kapitän des Bezirksliga-Aufsteigers FC Besseringen. Er wird die Partie der deutschen Elf gegen Cristiano Ronaldo und Co. mit Mannschaftskameraden beim "Public Viewing" in Merzig verfolgen. Allerdings blickt Hirtreiter nicht nur diesem Spiel, sondern der WM an sich eher mit Skepsis entgegen. "Ich wünsche mir natürlich, dass Deutschland weit kommt. Meine Hoffnung ist aber nicht so groß wie vor den letzten Turnieren", räumt der 24-Jährige ein: "Ich denke, dass die deutsche Mannschaft schon im Viertelfinale rausfliegt. Die Abwehr ist einfach zu schwach. Ein großes Problem ist, dass Bastian Schweinsteiger und Sami Khedira nicht richtig fit sind."

Hirtreiters WM-Favorit heißt Argentinien, womit er mit Dirk Hargarter, Spielertrainer des Bezirksligisten FC Düppenweiler, auf einer Wellenlänge liegt: "Ich glaube, die Argentinier werden eine große Rolle spielen. Das habe ich so im Gefühl. Sie spielen einen attraktiven Fußball und sind vorne richtig torgefährlich." Sicher nicht zuletzt dank des viermaligen Weltfußballers Lionel Messi , der seine Leistungen beim FC Barcelona endlich auch in der "Albiceleste" genannten Nationalmannschaft abrufen möchte. Was die deutsche Elf angeht, hat Hargarter ebenfalls ein "komisches Gefühl, weil sie nicht konstant genug ist. Es könnte gut sein, dass sie schon früh ausscheidet", sagt er.

Nur "Außenseiter-Chancen" räumt auch Marco Buchheit der Mannschaft von Bundestrainer Joachim Löw ein. Der Spielertrainer des Saarlandliga-Aufsteigers 1. FC Reimsbach findet, dass bereits der Halbfinal-Einzug ein Erfolg wäre. Um die WM zum dritten Mal zu gewinnen und nach dem EM-Sieg 1996 endlich wieder einen Titel nach Deutschland zu holen, "müsste schon alles passen. Ich denke, dass Argentinien, Spanien und Brasilien noch vor uns favorisiert sind", sagt Buchheit.

Aus Sicht von Christoph Gläsner, Trainer des Saarlandliga-Dritten SV Mettlach, herrscht im deutschen Lager eine Portion "zu viel Friede, Freude, Eierkuchen. Da wird seit acht Jahren gesagt, wir haben die besten Spieler und Talente. Aber man spürt nicht so richtig, dass die Mannschaft diesen absoluten Willen hat, die WM zu gewinnen. Ich finde auch, Joachim Löw müsste da nach außen hin noch viel mehr brennen". Gläsner rechnet damit, dass die Vorrunde mit den weiteren Partien gegen die USA und Ghana, "kein Selbstläufer" wird. Die werde die deutsche Elf aber überstehen: "Rein gefühlsmäßig schaffen wir es unter die besten Acht."

Davon geht auch Luca Lanfranco, Trainer des Landesliga-Dritten SV Bardenbach, aus. Das Herz des Italieners schlägt in erster Linie zwar für die "Squadra azzurra", also die italienische Nationalelf. Aber "Deutschland ist eine Turniermannschaft, die sich von Spiel zu Spiel steigern kann".