Zither und Tuba loten die Freiheit des Jazz aus

Improvisationsmusik wie aus dem Bilderbuch und Verblüffendes in Hülle und Fülle bot ein Ausflug in eine Musiknische. Free-Jazzer zeigten gut gelaunt im Filmhaus, wie spannend Kultur jenseits der Massentauglichkeit sein kann.

Gut, dass es so etwas gibt: Ausdrücklich einen Kontrapunkt zur Massenkultur soll das Free-Jazz-Festival Saarbrücken setzen.

Dessen zweite Ausgabe ging am vorigen Freitag und Samstag im Filmhaus über die Bühne. Jazzprofi Christof Thewes, Hans Husel, einst Gastgeber der Reihen Improvisierte Musik und Künstlerhausmusik, sowie die Jazzenthusiasten Thomas Geisler und Stefan Winkler sind die Organisatoren und Köpfe.

Sie luden lokale und überregionale Größen des Nischengenres zu dem Treffen ein. Kooperationspartner waren unter anderem das Kulturamt, Saartoto und die Heinrich-Böll-Stiftung . Sie setzten ein Zeichen für die Förderung jener alternativen Kultur, die es ohne Sponsoren schwer hätte.

Wie zu erwarten, stimmte die Atmosphäre im Filmhaus: Im attraktiven Hof machte das Plaudern so viel Spaß, dass niemand übel nahm, wenn die Pausen mal etwas lange dauerten.

Gerade richtig dimensioniert für eine derartige Veranstaltung war oben der große Saal: Unter den Konterfeis von Stan und Olli, Max Ophüls und Co. ist eine besondere Kino-Aura heimisch, die das Festival beim Prolog am Donnerstag für Filmvorführungen und ein Livekonzert zu einem Film nutzte.

Wenn sich die Musiker unmittelbar vor der Leinwand oder dem Vorhang versammelten, keimte in dem angenehmen Ambiente eine geradezu heitere Stimmung. Ansteckend gute Laune verbreitete am Freitag vor ansehnlichem Auditorium etwa das Duo aus der Chinesin Xu Fengxia (Zither Gusheng, chinesische Laute) und dem Tuba-Virtuosen Carl-Ludwig Hübsch.

Mit so viel Humor und Leichtigkeit brachten die beiden ihre Improvisationen in dieser ausgesprochen raren Instrumentenkombination an den Hörer, dass man leicht übersehen konnte, wie viel Präzision und Können dahintersteckte.

Und gesungen wurde auch: Nicht nur Xu stimmte archaisch wirkende Melodien an, auch Hübsch überraschte mit verblüffend kehligen Timbres seiner Stimme.

Mit Improvisationsmusik wie aus dem Bilderbuch schloss der Abend: Im Quartett Ziegele, Thewes, Roder,Prätzlich jazzten zwei ebenbürtige Frontmannen. Wer einem nun besser gefiel, der saarländische Underground-Jazzer Christof Thewes mit seinen Posaunen-Kaskaden oder der Schweizer Saxofonist Omri Ziegele, der seine wilden Überblasungen meist gebückt Richtung Fußboden schickte, das war Geschmackssache. Kongenial agierte auch das zwischen Groove und Chaos agierende Rhythmusduo Daniel Prätzlich (Schlagzeug; Saarbrücken ) und Jan Roder (Bass; Berlin). Christof Thewes hatte den Freitag mit seiner "Workshopband" eröffnet.

Das eigens für das Festival formierte und bereits seit Mittwoch probende Ensemble hatte eine zentrale Funktion: Die Förderung hiesiger Musiker verschiedener Leistungsstufen, die sonst meist auf den traditionellen Jazz beschränkt ist. Trotz eines anfänglichen Stromausfalls entwickelte das mehr als zehn Musikerinnen und Musiker starke Workshopteam bei seinem Eröffnungsauftritt doch noch erstaunliche Energien.

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