Zirkusleute wohnen in der Stadt

Saarbrücken · Mit Musik und Akrobatik wollen elf französische Künstler die Gäste der Eröffnung des Festivals Perspectives bezaubern. Am Dienstagabend haben sie begonnen, ihr Zirkuszelt am Tbilisser Platz aufzustellen.

 Claire Aldaya kurvt mit dem Mini-Mofa zum Wagenpark hinter dem Staatstheater. Dort haben sie und ihre Künstlerkollegen während der Perspectives Quartier bezogen. Foto: Iris Maurer

Claire Aldaya kurvt mit dem Mini-Mofa zum Wagenpark hinter dem Staatstheater. Dort haben sie und ihre Künstlerkollegen während der Perspectives Quartier bezogen. Foto: Iris Maurer

Foto: Iris Maurer

Erst vor ein paar Stunden ist die Compagnie Akoreacro in Saarbrücken eingetroffen. Doch schon haben am Dienstag ein paar starke Männer der Truppe die Nägel für das Tauwerk ihres Zirkuszeltes ins Pflaster des Tbilisser Platzes gerammt. "Gleich muss ich wieder zurück, wir wollen heute Abend noch die Masten aufstellen", sagt Claire Aldaya.

Doch vorher bleibt noch etwas Zeit. Die zierliche Trapez-Akrobatin schwingt sich auf ihr faltbares Mini-Mofa und fährt auf die andere Seite des Staatstheaters. "Hier wohnen wir", erklärt sie lächelnd und zeigt auf gut ein Dutzend Wohnwagen und -mobile, die auf dem Rasen über der Tiefgarage in Reih und Glied geparkt sind. Jeder wohnt in seinem eigenen Wagen, manche auch zu zweit, erzählt die 27-Jährige, die die Zirkustruppe vor zehn Jahren mitbegründet hat. Sie liebt das Umherreisen, das Wohnen unter freiem Himmel - und doch nicht ohne Komfort. Für das gemeinsame Esszimmer, ein großes Zelt, gibt es für die kälteren Tage etwa eine Heizung. Claire Aldaya klettert in einen großen Wohnwagen voran: Er ist mit einer hypermodernen Küche samt Waschmaschine ausgestattet. Drei Küchenfrauen kümmern sich um die Verpflegung der 20-köpfigen Truppe und bedienen bei den Vorstellungen das Publikum an der Bar. Die drei Frauen, die sogar ihre Babys mit dabei haben, sind gerade in der Stadt unterwegs, um Essen einzukaufen. "Wir beziehen unsere Lebensmittel und auch die Getränke für die Bar immer bei Händlern vor Ort", erklärt Claire Aldaya. Die Artisten, Musiker, Techniker und der Produktionsleiter der Truppe kommen aus allen Gegenden Frankreichs. Auch wenn sie das ganze Jahr über auftreten, die Festivalsaison geht für die Zirkusleute mit Saarbrücken gerade erst richtig los. "Wir hatten zwei Wochen Spielpause, ich hab die Zeit genutzt, um meinen LKW-Führerschein zu machen, damit ich im Notfall auch mal einen der Transport-LKW steuern kann", erzählt die junge Frau, die in Limoges zu Hause ist.

Am Montagnachmittag haben sie sich mit ihren Fahrzeugen an der Autobahnraststätte im lothringischen Longeville getroffen und sind von dort im Korso weitergefahren. "Wer ein Mobil hat, zieht meist noch den Wohnwagen von einem Kollegen, um Sprit zu sparen", fügt Claire Aldaya hinzu. Der Platz hier sei wunderbar, so grün, so nah am Wasser und so ruhig, schwärmt die Französin. "Wo ist denn hier das Stadtzentrum, ist es weit?", fragt sie. Dann schwingt sie sich wieder auf ihr Mofa, um "rüberzufahren", zu den Masten auf dem Tbilisser Platz. "Wenn's drauf ankommt, packen alle mit an", sagt sie, "das ist bei uns Prinzip".

festival-perspectives.de

Zum Thema:

HintergrundWie entsteht ein Festival? In Reportagen und Interviews wollen wir darstellen, was alles nötig ist, damit ein Festival wie Perspectives stattfinden kann. Wir haben den Zirkus-Akrobaten Rémi Lecocq (7. Mai) porträtiert, wir haben den Aufbau des Festivalclubs (13. Mai) gezeigt und mit dem Zauberer Yann Frisch gesprochen (16. Mai). Zuletzt ist die Festivalchefin zu Wort gekommen (18. Mai). In den nächsten Tagen stellen wir Figurentheaterspieler, Choreografen und Regisseure vor. Termine: Zeitgenössischer Zirkus "Klaxon": 21./22. Mai, 20 Uhr; 23. Mai, 17.30 Uhr; 24. Mai, 18 Uhr, jeweils im Zelt auf dem Tbilisser Platz. red

Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort