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Ziel: alltagstaugliche Großregion - Kramp-Karrenbauer zieht Bilanz als Kulturbevollmächtigte des Bundes

Ziel: alltagstaugliche Großregion - Kramp-Karrenbauer zieht Bilanz als Kulturbevollmächtigte des Bundes

Ihre vierjährige Amtszeit als Frankreich-Kulturbeauftragte endet am 31. Dezember. Jetzt legte Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) in der Unionstiftung erstmals eine Leistungsbilanz vor.

Oskar Lafontaine (SPD ) hatte sein "AbiBac", die Einführung einer in Deutschland und Frankreich anerkannten Hochschulreife. Peter Müller (CDU ) konnte sich das erste binationale Geschichtsbuch überhaupt auf die Fahnen schreiben. Und Annegret Kramp-Karrenbauer? Die brauchte am Donnerstagabend im brechend vollen Vortragssaal der Saarbrücker Unionstiftung eine knappe Stunde, um ihre Erfolge im Amt als "Bevollmächtigte der Bundesrepublik Deutschland für kulturelle Angelegenheiten im Rahmen des Vertrages über die deutsch-französische Zusammenarbeit" darzulegen. Kein alles überstrahlendes Projekt nannte sie, sondern einen Arbeits-Schwerpunkt mit dem dazugehörigen Mühen der Ebenen in Konferenzen. Es war der Bildungsbereich, vordringlich berufliche Bildung. Denn bei der grenzüberschreitenden Ausbildung gebe es Nachholbedarf, so die Ministerpräsidentin. Deshalb hält sie für ihren Hauptverdienst das Signal, dass sie in Bordeaux den ersten deutsch-französischen Ausbildungsgang für Luftfahrttechnik einweihen konnte. Das Fernziel liegt jedoch jenseits des Bundes-Auftrags: eine "alltagstaugliche Großregion". Denn hier soll eine deutsch-französische Berufsschule im Automobilsektor gegründet werden.

Insgesamt dominierten Schilderungen eines offensichtlich unermüdlichen Netzwerkens die Bilanz. Ein Beispiel dafür: Weil die Kultusminister beim Treffen mit den französischen Hochschul-Rektoren in den vergangenen Jahren gerne durch Abwesenheit glänzten, griff Kramp-Karrenbauer zwei Tage lang selbst zum Hörer. Das Ergebnis: 15 von 16 Bundesländern waren in Hamburg vor Ort. Ein Zeichen für Kramp-Karrenbauer, "dass man persönlich einwirken kann, wenn man Gespür hat". Ihrem Nachfolger im Amt traut sie das ebenfalls zu. Den Namen von Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz (SPD ) nannte sie jetzt erstmals; am 18. Dezember werde es offiziell, sagte sie der SZ. Die hanseatischen Strukturen ähnelten französischen, meinte Kramp-Karrenbauer, außerdem habe Scholz Erfahrung mit dem in Hamburg ansässigen französischen Flugzeughersteller Airbus. Die klimatischen Bedingungen für die Arbeit seien schon mal bessere gewesen, hörte man. In der Großregion gebe es aber trotz des Erstarkens des Front National noch keine negativen Auswirkungen, erläuterte die Ministerpräsidentin in der anschließenden Frage-Runde mit SZ-Chefredakteur Peter Stefan Herbst.

Heile deutsch-französische Welt? Die Großregion, so hörte man, sei im Pariser Senat niemandem ein Begriff. Und was die unbürokratische Zusammenarbeit von deutschen Kulturinstitutionen mit französischen Regionalpartnern (DRAC) angehe - ein Vorhaben, das 2013 bei einem Besuch der damaligen Kulturministerin Aurélie Filippetti in Saarbrücken besiegelt wurde - so befinde man sich in einem "langsamen Umsetzungsprozess". Der Grund? Ministerwechsel. Sechs insgesamt hat die Bevollmächtigte seit 2011 im Kultur- und Bildungssektor erlebt. Man ahnt: wohl auch erlitten.

Meinung:Viel Arbeit,wenig Ehre

Von SZ-Redakteurin Cathrin Elss-Seringhaus

Austausch-Programme für Schüler, deutsch-französische Studiengänge, bilinguale Kindertagesstätten - eigentlich ist das, was von den Bevollmächtigten an Verzahnung bisher geschafft wurde, lebensnah und alltagsnützlich. Und trotzdem steht das Amt im Ruch, ein Frühstücksdirektoren-Posten zu sein. Auf eine Image-Aufwertung hat bisher kein Amtsinhaber Kreativität verschwendet. Auch Kramp-Karrenbauers Amtszeit fehlte der Glanz. Mit dem sperrigen Begriff "grenzüberschreitende berufliche Bildung" lässt sich nun mal keine Schlagzeile gewinnen. So endet das Ganze ernüchternd: Es war viel Arbeit, brachte aber wenig Ehr.