Zehn Jahre Haft für Räuber

Saarbrücken · Den brutalen Überfall auf ein Rentnerpaar und seinen Enkel versuchte der Angeklagte durch seine Drogensucht zu rechtfertigen. Dieser Argumentation folgte die Kammer nur teilweise.

Das Saarbrücker Landgericht hat am Freitag einen 33-Jährigen wegen erpresserischen Menschenraubs, schweren Raubes und schwerer Körperverletzung zu zehn Jahren Haft verurteilt. Der Deutsch-Russe S. hatte in der Verhandlung eingeräumt, mit einem Komplizen im Oktober 2012 eine Rentnerin in Homburg-Wörschweiler überfallen zu haben. Dabei hätten die beiden Männer nicht nur "massiv brutale Gewalt" gezeigt, sondern auch die ältere Frau, ihren Mann und deren Enkel "zwei Stunden lang in Todesangst" versetzt, in dem sie drohten, dem Achtjährigen Finger abzuschneiden, sollten sie Geld und Schmuck der Familie nicht bekommen, betonte Staatsanwalt Peter Thome. In seinem Plädoyer forderte er eine Haftstrafe von elf Jahren. Weil sein Mandant geständig gewesen sei, appellierte hingegen Verteidiger Sven Collet an das Gericht eine Strafe zu verhängen, "die sechs Jahre nicht überschreitet". Zwar habe S. ein Geständnis abgelegt, aber seine Identifizierung sei sowieso durch DNA-Abgleich erfolgt. "Wir wären auch ohne (Anm. Red.: das Geständnis) zu einer Verurteilung gekommen", war sich der Staatsanwalt sicher.

So schien die Kokainsucht des Angeklagten der einzige Grund gewesen zu sein, warum die Staatsanwaltschaft nicht für die höchstmögliche Strafe von 15 Jahren plädierte. Zuvor hatte der Gutachter zwar bei S. die Drogensucht diagnostiziert. Dennoch habe diese zu keiner "Störung des Steuerungsvermögens" geführt, so der Experte. Auch wenn seine Sucht nach einer sehr teueren Droge S. unter "enormen Beschaffungsdruck" gesetzt habe, sei ein durchgeplanter Raubüberfall in Absprache mit einem Komplizen keine Kurzschlussaktion im Rausch.

Das sah letztendlich die Kammer auch so. "Seine Drogensucht war zwar tatmotivierend, dennoch war die Tatausführung sehr geordnet", sagte Richterin Susanne Biehl bei der Urteilsverkündung. Zwei Stunden lang habe die Tat gedauert. Immer wieder hätten sich die Gegebenheiten geändert und jedes Mal hätten sich die Täter darauf eingestellt. Das spreche nicht dafür, dass die beiden im Rausch gewesen seien. Auch die Folgen der Tat auf die Opfer seien verheerend. "Abgesehen von den physischen Verletzungen dauert das psychische Leiden der Großmutter bis heute an", so die Richterin. Der Junge habe die Tat damals als Achtjähriger "ganz tapfer überstanden. Für ihn ist seit diesem Tag aber gar nichts mehr so wie es war", sagte Biehl. Im Prozess hatte die Mutter des Kindes ausgesagt, dass der heute Zwölfjährige unter Angstzuständen leidet und nachts nicht alleine in einem Bett schlafen kann.

Angesichts des einschlägigen Vorstrafenregisters des 33-Jährigen, der bereits fünf Mal verurteilt wurde und schon in Haft saß, verhängte das Gericht eine zehnjährige Haftstrafe. Außerdem soll sich S. in einer Entziehungsanstalt einer Therapie unterziehen. Das Urteil ist rechtskräftig.

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