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Wölfe beißen sich an Stein die Zähne aus

Laszlo Kincses (hinten) versenkt in dieser Szene den Ball im Tor von Vallendar. Ansonsten aber trieb Gäste-Torhüter Simon Stein die Wölfe nach seiner Einwechslung in die Verzweiflung.Foto: Ruppenthal
Laszlo Kincses (hinten) versenkt in dieser Szene den Ball im Tor von Vallendar. Ansonsten aber trieb Gäste-Torhüter Simon Stein die Wölfe nach seiner Einwechslung in die Verzweiflung.Foto: Ruppenthal FOTO: Ruppenthal
Brotdorf. Schuld an der 31:33-Heimschlappe des Handball-Oberligisten HF Merzig-Brotdorf gegen Vallendar war die Flut verpasster Chancen. Die Fehlwürfe der Wölfe in der Seffersbachhalle hätten für drei Spiele gereicht. ros

Von einer "Fahrkarte" spricht man im Handball, wenn ein Wurf aus aussichtsreicher Position kläglich scheitert. Dass es viele und unterschiedliche Wege gibt, klarste Torchancen zu vergeigen, demonstrierten die HF Merzig-Brotdorf am Samstag bei der 31:33 (18:15)-Heimschlappe gegen den HV Vallendar mit erschreckender Konsequenz. Die 350 Zuschauer beim Oberliga-Duell staunten in der Seffersbachhalle jedenfalls nicht schlecht. Wie sich die Wölfe nach starkem Start mit einem "Fahrkarten-Festival" um die schon sicher geglaubten Punkte brachten, war eine Kunst für sich.

"Wir haben dominiert, aber nach den vielen Fehlwürfen die Spielkultur verloren und den Gegner aufgebaut. Schade", kommentierte HF-Trainer Marcus Simowski die knappe Niederlage mit deprimierter Stimme. Dabei lief in der ersten Halbzeit zunächst alles nach Plan: Die Wölfe sprühten vor Energie und warfen sich schnell mit 4:1 in Führung. Die Abwehr stand sicher und verhinderte die Durchbrüche der Gäste. Als Sebastian Klein in der 20. Minute den Ball nach einem Tempo-Gegenstoß zur 13:7-Führung einnetzte, schien die Sache klar zu sein. "Da brennt nichts mehr an". So die einhellige Meinung auf den Rängen.

Auszeit mit Folgen

Dorian Vallet, mit neun Toren bester HF-Schütze, glaubte das zu diesem Zeitpunkt auch - und lag wie die meisten Zuschauer falsch. "Die Deckung hat funktioniert und wir haben einfache Tore erzielt. Es lief doch alles super", sinnierte der Franzose später bei der Suche nach Gründen für den Einbruch. 18:13 stand es nach einem Tor von David Pfiffer in der 28. Minute. Da hatte Wolfgang Reckenthäler genug und zückte die Grüne Karte. Die Tipps, die der Gäste-Trainer seinen Spielern in der Auszeit gab, müssen goldrichtig gewesen sein, denn fortan bestimmte sein Team die Partie. Der gelungenste Schachzug: die Einwechslung von Simon Stein. Am zweiten Torwart des HV Vallendar bissen sich die Wölfe nun die Zähne aus. Zur Pause (18:15) war der Vorsprung bereits auf drei Tore geschmolzen. Anfang der zweiten Halbzeit lief der Ball im HF-Angriff immer noch gut. Es ergaben sich auch Chancen, die aber reihenweise versiebt und von Gäste-Torwart Stein vereitelt wurden. "Wir haben zu schnell und überhastet abgeschlossen und irgendwie die Nerven verloren", meinte Vallet, der in der Blackout-Phase drei "Hundertprozentige" ausließ. Vallendar machte es besser und zog mit sieben Toren in Folge an der Heimmannschaft vorbei.

Sechs Fahrkarten am Stück

Merzigs Serie bis zum Stand von 18:20 war wenig beeindruckend: sechs Fahrkarten am Stück. "Unser Selbstvertrauen war weg. Wir sind einfach nicht mehr rangekommen", seufzte Vallet. 22:25 (43.), 28:32 (58.), 31:33 - das war's. Nach zwei Siegen und einem Remis hat Trainer Simowski nun seine erste Niederlage kassiert. In der Tabelle fiel Merzig auf Rang 12 zurück, den letzten sicheren Platz vor der kritischen Tabellenregion. Die nervenaufreibende Reise im Abstiegskampf geht weiter. Hoffentlich mit weniger "Fahrkarten".

Tore für die HF Merzig-Brotdorf: Dorian Vallet 9, Tamas Nemeth 4, Laszlo Kincses 4, Thomas Kochann 4/3, Gabor Karap 3, Sebastian Klein 3, Peter Laux 2, Dennis Koppenburg 1, David Pfiffer 1.