Wo, bitte, geht's zum Hauptfriedhof?

Auf dem Weg zu einer Beisetzung haben Angehörige lange den Hauptfriedhof gesucht. Sie vermissten Hinweisschilder. Die Stadt entgegnet, sie müsse sich bei Wegweisern an bundesweit geltende Richtlinien halten.

Mit der Suche nach dem Hauptfriedhof plagte sich eine Familie ausgerechnet an einem denkbar traurigen Tag. SZ-Leser-Reporter Gernot W. Neuheisel erinnert sich:

"Unsere geliebte Tante Tilly starb im gesegneten Alter von 95 Jahren. Sie sollte im Familiengrab auf dem Hauptfriedhof beigesetzt werden. Dorthin reisten Verwandte unter anderem aus Köln, Dortmund und München. Autobahnabfahrt war die Wilhelm-Heinrich-Brücke. Von da an ging das Ratespiel zum Hauptfriedhof los. Kein einziger Hinweis, in welche Richtung es gehen soll. Da half nur längeres Fragen." Ergebnis: erst mal Richtung Bellevue. "Und siehe da, im Kreisel Untertürkheimer Straße stand ein Schild: Hauptfriedhof."

Nun war Eile geboten. Die Trauerfeier hatte schon begonnen. Aber die Suche ging weiter. Neuheisel: "Immer geradeaus fahrend kam als erstes Schild: Bertha-Bruch-Tierheim. Zweites Schild: Tierfriedhof. Drittes Schild: Novotel, Calypso und Spielbank. Viertes Schild: Jüdischer Friedhof." Jenseits der Ampel dann das nächste Schild: Krematorium. Das Grübeln ging weiter. "Tante Tilly wurde nicht eingeäschert, sondern erdbestattet, aber in der Nähe eines Krematoriums muss ja wohl auch der Friedhof sein." Also rechts rein in Richtung Krematorium - bis zu einem verschlossenen Eisentor. Wieder zurück nach rechts, und plötzlich war man im Kreisel in Frankreich. Zurück nach Deutschland. Da, ein Schild: Hauptfriedhof. Links rein. Und da stand es, das erlösende Schild "Alte Einsegnungshalle". Genutzt hat's nichts mehr. "Als meine Verwandten endlich da waren, war Tante Tillchen schon beigesetzt. Einen Trost haben meine Verwandten allerdings: Wenn Tante Tillchens Dackel Waldemar stirbt, wissen sie wenigstens, wo in der Landeshauptstadt Saarbrücken der Tierfriedhof ist."

Christof Kreis vom Stadtplanungsamt erklärt, was es mit den Schildern auf sich hat. "In einer Großstadt wie Saarbrücken gibt es wegen der Vielzahl von Zielen einen hohen Bedarf an Schildern. Dabei dürfen wir die Verkehrsteilnehmer aber nicht überfordern." Damit das nicht passiere, arbeiteten die deutschen Kommunen mit der "Richtlinie für wegweisende Beschilderung", erstellt von der Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen. Diese Richtlinie beschränke die Zahl der Hinweisschilder.

"Es gilt, pro Richtung höchstens vier Ziele auszuweisen. Wir müssen deswegen Prioritäten setzen und einen Balanceakt hinbekommen." Zur KZ-Gedenkstätte Neue Bremm und zum Calypso wollten oft Menschen, die nicht aus Saarbrücken kommen. Anders sei das beim Hauptfriedhof, den meist Bürger der Landeshauptstadt aufsuchten. Deshalb belasse es die Verwaltung beim Wegweiser in der Metzer Straße - und bei dem aus Richtung Frankreich.

Den Tipp für diesen Artikel bekamen wir von Gernot W. Neuheisel aus Saarbrücken. Wenn Sie auch Interessantes zu erzählen haben, wenden Sie sich per SMS/Fax an Tel. (06 81) 5 95 98 00 oder per E-Mail an leser-reporter@sol.de.