1. Saarland
  2. Saarbrücken
  3. Landeshauptstadt
  4. Nachrichten aus Saarbrücken

Wird Röchling zur FCS-Talentschmiede? Alles richtig gemacht

Fußball im Saarland : Wird Röchling zur FCS-Talentschmiede? Alles richtig gemacht

Der Regionalliga-Aufsteiger Völklingen bietet dem 1. FC Saarbrücken an, jungen Akteuren Spielpraxis zu geben.

Herr Brenner, was bedeutet der Aufstieg des SV Röchling Völklingen in die Fußball-Regionalliga Südwest für den Club?

Wolfgang Brenner: Für uns als Verein ist das ein Quantensprung. Wir sind ein reiner Amateurverein und wollen das auch in der Regionalliga bleiben, weil wir keine andere Möglichkeit haben. Die Mannschaft kann feiern, das hat sie sich verdient. Für uns im Hintergrund beginnt jetzt die Arbeit. Es geht darum, alle Voraussetzungen so zu schaffen, dass wir die Regionalliga gut strukturiert angehen und spielen können. Wir waren zuletzt viertklassig in der Saison 2002/2003 in der Oberliga, das war ja noch vor der Einführung der 3. Liga. Damals sind wir sofort wieder abgestiegen. Aber so einen sportlichen Erfolg wie jetzt hat der SV Röchling Völklingen seit 30 Jahren nicht mehr gehabt. Und das ist ein Verdienst des Trainers und der Mannschaft.

Was muss der Vorstand jetzt konkret machen?

Brenner: Wir müssen für unsere Geschäftsstelle, die mit zwei Leuten für die Regionalliga unterbesetzt ist, eine Lösung finden. Wir müssen uns auch, was die Organisation des Vereins angeht, anders aufstellen. Weil der 1. FC Saarbrücken, mit dem die Zusammenarbeit sehr gut ist, ja auch im Hermann-Neuberger-Stadion spielt, müssen wir für unsere Jugend eine geeignete Heimstätte finden. Und in erster Linie bedeutet das, dass wir noch mal alle Anstrengungen unternehmen müssen, um Sponsoren zu gewinnen. Das ist durch den Aufstieg vielleicht sogar leichter, weil die Öffentlichkeit uns jetzt mehr wahrnimmt. Wir müssen unseren Vip-Bereich überdenken, müssen da adäquat etwas anbieten. Das ist mit der Infrastruktur, auch dank des FCS, gut möglich. Dazu werden wir uns mit der Stadt Völklingen zusammensetzen und ausloten, was sie noch für uns tun kann. Wir müssen mit Sicherheitsdiensten, mit professionellen Unternehmen reden, können nicht mehr alleine mit unseren Leuten arbeiten. Dazu zählt auch die Stadionreinigung.

Das Finanzielle spielt bei alldem eine wichtige Rolle.

Brenner: Es ist das Allerwichtigste, dass wir für den Fall eines sofortigen Abstiegs ohne Verluste absteigen. Wir sind uns dessen bewusst, dass es aufgrund unserer finanziellen Ausstattung sehr schwer wird, die Regionalliga zu halten. Wie gesagt sind wir als Vorstand gefragt, neue Sponsoren zu akquirieren. Wir werden alles dafür tun, um im Falle eines Abstiegs geordnet in der Oberliga weitermachen zu können und nicht nach unten durchgereicht zu werden. Wir müssen die Mannschaft so umstrukturieren, dass sie sich anständig in der Regionalliga präsentiert und vielleicht, mit etwas Glück, die Regionalliga halten kann. Klar ist, wir werden mit unserem Etat gegen den Abstieg spielen.

Mannschaft ist ein Stichwort. Was für Änderungen sind anvisiert und steht bereits fest, wer aus dem jetzigen Kader den Schritt in die Regionalliga mitgehen wird?

Brenner: Ich bin nicht der große Fußball-Fachmann, das wird unser Trainer besser beurteilen können. Aber unser Ziel ist es, die Mannschaft, die die Vizemeisterschaft in der Oberliga und den Aufstieg geschafft hat, nach Möglichkeit zusammenzuhalten. Dass das nicht komplett gelingen wird, wissen wir. Wir müssen zusehen, dass wir mit einem guten Grundgerüst in die Regionalliga gehen und die Mannschaft mit jungen Spielern, die bereit sind, sich zu unseren Bedingungen auf dieser Bühne zu präsentieren, ergänzen und verstärken, um dann vielleicht das Unmögliche möglich zu machen - die Klasse zu halten. Der eine oder andere wird wohl aus beruflichen Gründen abspringen, weil er sagt, den Mehraufwand - unser Trainer möchte fünf Mal die Woche trainieren lassen - kann ich nicht leisten.

Können Sie Namen nennen?

Brenner: Nein. Außer dass wir einen jungen Außenverteidiger von der SV Elversberg II (Gianluca Lo Scrudato; Anmerkung der Redaktion) verpflichtet haben, der bereits mit Julien, dem Sohn unseres Trainer Günter Erhardt in der A-Jugend-Bundesliga gespielt hat. Das wird unser Weg sein. Wir möchten nicht mit Leuten arbeiten, die den Zenit ihrer Karriere überschritten haben. Das wird nur passieren, wenn es charakterlich passt und derjenige zu unseren Bedingungen, die sehr schmal sind, spielen würde. Aber ehemalige Drittliga-Spieler, die mit über 30 ihre Karriere ausklingen lassen wollen, holen wir nicht.

Der FCS sucht eine Möglichkeit, jungen Akteuren Spielpraxis zu geben. Der Plan, der DJK Bildstock das Saarlandliga-Spielrecht abzukaufen und eine Reservemannschaft an den Start zu bringen, ist gescheitert. Wird der FCS nun junge Spieler in Völklingen "parken"?

Brenner: Das muss der FCS entscheiden. Wir haben ihm mitgeteilt, dass wir bereit wären, junge Spieler, die es dort nicht auf Anhieb in die Regionalliga-Mannschaft schaffen, zu uns zu nehmen und ihnen Spielpraxis zu geben. Dazu gehört, dass der FCS diese Talente, wenn sie sich bei uns weiterentwickelt haben, zurückholen kann. Die Entscheidung liegt bei Saarbrücken. Wir würden uns freuen, wenn das funktioniert. Man muss ehrlich sagen, dass wir von einer Zusammenarbeit in dieser Richtung sehr profitieren würden.

Abseits des Spielfeldes wird auf verschiedenen Ebenen zusammengearbeitet. Auf dem Feld wird es zum Duell mit dem FCS kommen.

Brenner: Ja, natürlich. Wir sind vor der Saison nicht davon ausgegangen, dass wir aufsteigen würden. Wir wollten unter den ersten Fünf landen, das wäre in Ordnung gewesen. Dass wir jetzt gegen den 1. FC Saarbrücken spielen, ist für uns ein absoluter Höhepunkt. Das hätten wir uns nie träumen lassen. Wir haben bereits, in Absprache mit dem FCS, den Wunsch geäußert, dass wir, sofern es möglich ist, das erste Saisonheimspiel gegen Saarbrücken bestreiten dürfen.

Die Fragen stelle David Benedyczuk.

Hut ab vor den Verantwortlichen des SV Röchling Völklingen. Für den sportlichen Bereich haben sie im Januar 2014 Günter Erhardt als Nachfolger von Werner Weiß geholt. Unbestritten einer der erfolgreichsten saarländischen Trainer. Doch es folgte auf Rang fünf zum Ende der Saison 2014/2015 in der darauffolgenden fast der Abstieg in die Saarlandliga. Aber sie behielten die Nerven bei Röchling. Das zahlt sich nun doppelt und dreifach aus.

Erhardt formte aus dem Fastabsteiger einen Aufsteiger. Und hinter den Kulissen war Kontakt zum Regionalligisten 1. FC Saarbrücken gesucht worden. Der fand kein Ausweichstadion. Ein genialer Schachzug, der strategisch gesehen dem SV Röchling Völklingen immens helfen wird.

Der FCS zog für die Dauer des Umbaus des Ludwigspark-Stadions ins städtische Hermann-Neuberger-Stadion um. Für den dort spielenden SV Röchling ein Segen. Er profitiert von der Zusammenarbeit der Clubs. Vom Ausbau der Infrastruktur rund um das für und teils durch den FCS regionalliga-reif gemachte Stadion. Vom neuen Vip-Bereich in der Hermann-Neuberger-Halle. Die finanziell nicht auf Rosen gebetteten Völklinger verdienen bei Heimspielen der Saarbrücker durch die Verkaufsstände mit. Die Nähe zum FCS verhalf ihnen wohl auch zu der anonymen Spende über 35 000 Euro, ohne die sie die Regionalliga-Lizenz wohl nicht erhalten hätten. Und zu guter Letzt profitieren sie aller Wahrscheinlichkeit nach auch sportlich vom künftigen Ligakonkurrenten. Wenn der FCS seine Talente zu Röchling schickt, damit sie Spielpraxis auf Regionalliga-Niveau sammeln können. Talente für teures Geld verpflichten könnten die Völklinger nicht.

Der Röchling-Vorsitzende Wolfgang Brenner und seine Leute haben enorm viel Weitsicht und Kalkül bewiesen. Hut ab.