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Wir gehen nicht nur gerne essen, wir essen auch gerne im Gehen

Wir gehen nicht nur gerne essen, wir essen auch gerne im Gehen

Der Richter Jean Anthelme Brillat-Savarin würde sich an uns Saarbrückern die Zähne ausbeißen – wenn er nicht schon seit fast 200 Jahren tot wäre. Der Franzose, dessen Beruf ihm viel Zeit ließ, sich mit der Kochkunst zu befassen, hat nämlich behauptet, von den Essgewohnheiten eines Menschen auf dessen ganze Persönlichkeit schließen zu können.

Jean Anthelme Brillat-Savarin formulierte es so: "Sage mir, wie du isst, und ich sage dir, was du bist."

Für Küchen-Psychologen vom Schlage Brillat-Savarins sind wir Saarbrücker harte Kost. Menschen, die gerade erst in die Stadt gezogen sind, zeigen sich nicht selten überrascht, wie gut man hier isst. Sie meinen damit nicht nur die Arbeit der Sterneköche. Inzwischen kommen auch viele Franzosen, in deren Land man ja angeblich wie ein Gott isst, zu uns, wenn sie gut und zu einem akzeptablen Preis essen wollen. Wir Saarbrücker gehen aber nicht nur gerne essen. Wir essen offenbar auch gerne beim Gehen. Noch in keiner anderen Stadt seien ihm so viele Menschen aufgefallen, die essen, wo sie gerade stehen, sitzen oder gehen, hat mir ein Zugezogener erzählt. Seine These: Deshalb seien auch so viele Gehwege und die Treppe der Berliner Promenade verschmutzt.

Was ihn noch mehr empört hat als die Fettspritzer und die runtertropfende Soße: Es sei ungesund, im Gehen zu essen. Was die Flecken auf dem Boden angeht, hat der Mann wohl recht. Ungesund, da habe ich mich bei einem Experten schlau gemacht, ist das Essen im Gehen wohl nicht. Dem Körper sei es egal, ob wir Nahrung im Liegen, Sitzen oder Gehen aufnehmen. Das Problem sei allerdings, dass das Essen, dass man im Gehen zu sich nimmt, nicht unbedingt das Beste ist - rein ernährungswissenschaftlich gesehen. Auch neige der Mensch im Gehen dazu, zu schnell zu essen. Und das sei nicht gesund.

Dass - zum Beispiel - Saarbrücker Metzgereiverkäuferinnen künftig darauf hinweisen müssen: "Schnelles Essen gefährdet Ihre Gesundheit", ist allerdings nicht geplant. Die stellen weiterhin lediglich die für Menschen, die die Saarbrücker Esskultur nicht in all ihren Ausprägungen kennen, etwas verwirrende Frage: "Zum Mitnehmen oder zum Gleichessen?"

Vermutlich wäre der Richter und Gourmet Jean Anthelme Brillat-Savarin bereits beim Nachdenken darüber, ob Gleichessen nicht auch Mitnehmen ist, verzweifelt.