Windpark – Fluch oder Segen?

Der Projektentwickler der geplanten Windkraft-Anlage, Andreas Reister, gab den rund 200 interessierten Zuhörern im Saalbau ein Versprechen mit auf den Weg: Es werden definitiv nur vier Anlagen errichtet. Die besonders heftig diskutierte auf Einöder Seite entfällt.

Das Bebauungsplanverfahren für den Windpark auf dem "Weißen Trisch", der auf der Gemarkung zwischen Kirrberg und Einöd liegt, ist im vollen Gang. Die Stadt Homburg hatte die Bürger für Dienstagabend zu einem Informationsabend in den Saalbau eingeladen, gut 200 Interessierte waren gekommen. Stadtpressesprecher Jürgen Kruthoff, der durch den Abend führte, bezeichnete die Veranstaltung als Einstieg in die Bürgerbeiligung zur Baugenehmigung. Wer noch mehr erfahren möchte, kann von 2. bis 5. September im Rathaus in die Pläne schauen. Bevor die Vertreter der Projektentwicklungsgesellschaft "Energy 3K" Details vorstellten, wollte Kruthoff von den Anwesenden wissen, wer den generell für die Errichtung eines Windparks an geplante Stelle sei - und wer nicht. Befürworter und Kritiker hielten sich dabei die Waage.

Zu Beginn warb der Klimaschutz-Manager des Biosphärenreservats Bliesgau, Hans-Henning Krämer, für den Windpark. Die Biosphäre, zu der auch Teile der Stadt Homburg gehören, hätten in Sachen regenerativer Energien "erheblichen Nachholbedarf". Ohne ein Ausbau der Windkraft seien die Klimaziele nicht zu erreichen.

Die Projektentwicklungs-GmbH um Andreas Reister stellte das Vorhaben in allen Einzelheiten vor. Der "Weiße Trisch" komme als einzige verfügbare Fläche im Stadtgebiet dafür in Frage. Der Abstand der Windräder zur Wohnlage betrage mindestens 1000 Meter. Damit seien Störungen durch Schallgeräusche oder Schattenwurf auszuschließen. Auch seien anhand von Gutachten die Auswirkungen auf die Tier- und Vogelwelt sowie auf Fledermäuse abgeklärt worden - mit positivem Ergebnis. Einzige Ausnahme: Die ursprünglich geplante Anlage bei Schwarzenbach wird es nicht geben. Reister: "Wir planen definitiv nur vier Anlagen, die allesamt auf Kirrberger Gemarkung liegen." Reister zeigte weiterhin Fotosimulationen, damit sich die Anwesenden besser vorstellen konnten, wie ihr Umfeld einmal mit Windrädern aussehen könnte. Schließlich wurden die beiden rechtlichen Verfahren erläutert: das Bundesimmissionsschutz-Verfahren, das zwingend gefordert sei, und das Bebauungsplanverfahren, das die Stadt wünscht, da es ihr die Möglichkeit gibt, in die Planungen einzugreifen.

Wenngleich sich Projektentwicklung und Stadtspitze alle Mühe gaben, die Bürger, die dem Projekt von Beginn kritisch gegenüber standen, zu beruhigen, entspann sich anschließend eine muntere, aber sehr sachliche Diskussion. Dabei wurden Befürchtungen, die Tier- und Vogelwelt könnte in Mitleidenschaft gezogen werden, ebenso laut wie das einfache Missfallen des Anblicks solcher Windräder. Einige Zuhörer monierten, dass die Bevölkerung einfach vor vollendete Tatsachen gestellt werde. "Wir müssen dann mit dem unschönen Anblick leben." Alt-Oberbürgermeister Reiner Ulmcke warf den Verantwortlichen vor, sie machten die "Stadt des Baumes" zu einer "Stadt der Windräder". Homburg tue mit den Industrieansiedlungen schon genug für die Allgemeinheit, jetzt käme auf dem "Weißen Trisch" ein weiteres Industriegebiet hinzu. Ulmcke bezweifelt, ob die Stadt die Anlage überhaupt benötige. Oberbürgermeister Karlheinz Schöner entgegnete, dass er das "St.-Floriansprinzip" nicht mittragen werde. Wenn man Atomkraft vermeiden wolle, müsse man Windräder zulassen - "und Homburg kann sich da nicht ausklammern". Vier Windräder würden die "Stadt des Baumes" nicht zerstören. Schöner: "Wir können nicht sagen: Windkraft ja, aber nicht bei uns."

Der Wörschweiler Ortsvorsteher Reinhold Nesselberger wollte wissen, von welcher Seite her die Erschließung geplant sei und ob neue Straßen dafür benötigt würden. Reister erläuterte, dass die Erschließung nicht von Homburg, sondern komplett von Zweibrücker Seite her laufen soll, als Zufahrten werde man die vorhandenen Straßen und Feldwege nutzen. Ein Kirrberger monierte, dass man im Vorfeld zwar die Auswirkungen auf Vögel und Fledermäuse untersucht habe, "nicht aber auf den Mensch, der sich ob der Räder erschlagen fühlt". Andere Redner wollten wissen, warum sich Zweibrücken nicht wie geplant an der Anlage beteilige. Reister zitierte aus aktuellen Gesprächen, dass die Nachbarstadt nun auch in das Verfahren eintreten werde.

Am Ende meldete sich schließlich auch ein Befürworter. Er lobte die Verwaltung, die alle Fakten auf den Tisch gelegt habe, "während einige Anwesende ohne Fakten argumentierten". Wer auf der Sickinger Höhe wohne, sehe das Kraftwerk Bexbach, "das ist viel schlimmer als Windräder".

Als Nächstes ist nun der Homburger Stadtrat gefragt, der die Pläne verabschieden kann. Zuvor werden noch die Ortsräte von Einöd, Wörschweiler und Kirrberg gehört. Und anschließend können die Bürger innerhalb vier Wochen Widerspruch einlegen.