Willkommen in der Welt von Sherlock Holmes

Im Jahr 2008 hat Nicole Glücklich aus Fürth mit Gleichgesinnten die Deutsche Sherlock Holmes-Gesellschaft gegründet. Bei Lesungen, Live-Hörspielen, Theateraufführungen oder Jahrhundertmärkten lassen die Mitglieder das viktorianische London und die Welt von Sherlock Holmes aufleben.

. Wenn am Wochenende in Saarbrücken die ersten Krimitage Saar eröffnet werden, ist eine Frau aus dem Kreis voll in ihrem Element: Nicole Glücklich aus Fürth, Mitvorsitzende der Deutschen Sherlock Holmes-Gesellschaft (DSHG). Sie weiß genau, was die Faszination eines guten Kriminalromans ausmacht: "Mit Morden hat man ja im wirklichen Leben normalerweise nichts zu tun. Es ist einfach spannend mitzuerleben, wie der Fall Stück für Stück aufgeklärt wird." Dabei ist Sherlock Holmes ihr absoluter Liebling: "Mit ihm hat Arthur Conan Doyle zwar nicht den ersten Detektiv der Literatur geschaffen, aber den ersten, der streng wissenschaftlich vorgeht, der ganz genau beobachtet und dann kombiniert." Damit sei Holmes Vorbild für fast alle späteren Buch- und Filmdetektive. Doch beim Lesen und Mitfiebern bleibt es nicht bei Nicole Glücklich. Sie will eintauchen in die Welt des Sherlock Holmes, in das London des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts und in die viktorianische Gesellschaft, in der sich die Romanfigur bewegt. 2008 hat sie mit Gleichgesinnten die DSHG gegründet, die heute gut 200 Mitglieder zählt - nicht nur aus Deutschland, sondern auch aus Österreich, Luxemburg, Frankreich, der Schweiz, England und Amerika. Gemeinsam gehen Mitglieder zu Veranstaltungen, die mit dem Thema in Verbindung stehen, wie Lesungen, Live-Hörspielen, Theateraufführungen oder Jahrhundertmärkten. Einmal im Jahr pilgert man als pflichtbewusster "Sherlockianer" an die Reichenbachfälle bei Meiringen in der Schweiz, wo im Roman der finale Kampf des Helden mit seinem Erzfeind, Professor Moriarty, stattfindet. "Dort lernt man viele Leute kennen, die man dann jedes Jahr wieder trifft, das ist toll", so Glücklich.

Im August hat die Gesellschaft erstmals die Convention SherloCon, mit etwa 300 Besuchern, veranstaltet, die im nächsten Jahr in Saarbrücken wiederholt werden soll. Selbstverständlich nimmt man an solchen Veranstaltungen in passender Garderobe teil. "Ich habe mir für das Hobby extra das Nähen angeeignet." In einem blau-schwarzen Kleid, streng hochgeschlossen und gleichzeitig mit verspielten Rüschen besetzt, tritt die 32-Jährige als vornehme Dame der viktorianischen Gesellschaft in Erscheinung. "Es gibt Schnittmuster für so etwas, aber wir lassen uns auch von Filmen inspirieren."

Der echte Sherlockianer hat außerdem ein Sherlock-Zimmer, in dem er sich ganz den sherlockianischen Fantasien hingeben kann. Glücklich will demnächst gleich ihrer ganzen Wohnung klassisch-englischen Schliff verleihen - mit Tapeten, die den Stil der Zeit nachahmen, einem Kamin sowie passenden Möbeln. "Einige Stücke hatten wir selbst noch im Haus, andere kaufe ich auf Flohmärkten oder im Internet hinzu." Im richtigen Leben Diplom-Informatikerin und Mediengestalterin, bringt sie auch ihre beruflichen Qualifikationen in das Hobby ein, indem sie an der Publikation "The Baker Street Chronicle" mitarbeitet. In der alle drei Monate erscheinenden Fachzeitung werden Buch- und Hörspiel-Erscheinungen sowie Veranstaltungen rund um Sherlock Holmes vorgestellt sowie Forschungsartikel zum Thema veröffentlicht.

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