Willi Graf als „unsichtbarer Freund“

Erschütternde Bilder und bewegende Worte in Boris Penths Film „Willi Graf – Zivilcourage und Widerstand“ lieferten Stoff für lebhafte Diskussion mit dem Regisseur im Saarbrücker Filmhaus.

Kann Willi Graf, der in der Nazizeit Mitglied der Widerstandsgruppe "Weiße Rose" war, heute noch als Vorbild dienen? Ist seine Botschaft von damals auch auf die Gegenwart übertragbar? Anfang der Woche kamen Jugendliche aus dem SOS-Kinderdorf, um sich im Saarbrücker Filmhaus die Dokumentation "Willi Graf - Zivilcourage und Widerstand" anzuschauen. Regisseur Boris Penth war anwesend. Die jungen Zuschauer zeigten sich schockiert von den Bildern verhungerter Kinder und bewegt von Aussagen der Schwester Willi Grafs im Film. So musste Penth erst einmal ein paar einleitende Worte sagen, bis eine Diskussion entstehen konnte. "Willi Graf steht im Schatten der Geschwister Scholl", erklärte der Regisseur. Und weiter: "Er war introvertierter und ist darum der Gesellschaft heute so unbekannt." Aber gerade in Saarbrücken sollte jeder neben den Geschwistern Scholl auch Willi Graf kennen, der zum großen Teil hier aufgewachsen ist und nach dem immerhin sieben Schulen benannt sind, mahnte Penth.

Doch ist das Thema "Zivilcourage und Widerstand" auch in die Gegenwart übertragbar? Die 17- bis 24-jährigen Zuschauer fanden Parallelen: "Man sollte sich auch gegen die NPD wehren, die Plakate aufhängt und Flyer verteilt", war zu hören. "Es gibt zwar eine große Entwicklung in der Technik, aber nicht im Menschlichen", bemerkte einer der Zuschauer zur heutigen Situation. Besonders die Jugendlichen mit Migrationshintergrund waren entsetzt über die Ausgrenzung der Juden damals. Ein Junge sieht als Hauptauslöser den Hass vieler Menschen: "Hass ist dumm! Hass ist kein Gefühl. Hass gibt es gar nicht!", empörte er sich. Für ein Mädchen stellte sich die Frage: "Will nicht jeder irgendwie Macht und Geld?"

Regisseur Penth betonte den Einsatz gegen Hass und für Liebe, Respekt und Toleranz. Der sei ein aktuelles Thema zu jeder Zeit. Willi Graf sollte seiner Ansicht nach dabei weniger als Vorbild dienen, viel mehr ein "unsichtbarer Freund" sein und einen "an die Hand nehmen".

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