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Willensstarker, kreativer Ästhet

Reinhold Jäger, Geschäftsführer der Landesentwicklungsgesellschaft Saar und Sprecher der Geschäftsführung der Wohnungsgesellschaft Saarland mbH (WOGE Saar) im Alten Bahnhof von Völklingen, der unter seiner Ägide renoviert wurde. Fotos: Oliver Dietze
Reinhold Jäger, Geschäftsführer der Landesentwicklungsgesellschaft Saar und Sprecher der Geschäftsführung der Wohnungsgesellschaft Saarland mbH (WOGE Saar) im Alten Bahnhof von Völklingen, der unter seiner Ägide renoviert wurde. Fotos: Oliver Dietze
Völklingen. Als Sprecher der Geschäftsführung der Wohnungsgesellschaft Saarland mbH (WOGE Saar) ordnete er den Wohnungsbestand des Landes neu. Im August geht Reinhold Jäger in den Ruhestand. Von SZ-RedakteurPeter Wagner

Reinhold Jäger steht vor einem "seiner" ziemlich frisch renovierten ("energetisch sanierten") WOGE-Mietshäuser am Heidstocker Haldenweg, als zufällig der Maler rauskommt. Aha, Mieterwechsel! Ganz selten hier, Leerstand 2005 noch elf Prozent, heute gegen null. Sehr beliebte Wohnungen in ruhiger Lage. Die vorgebauten Balkonsysteme? Oh ja, für die sollte man unbedingt den WOGE-Architekten Stefan Ruffing loben, findet Jäger. Ob man wissen wolle, wie lange so ein Mieterwechsel bei der WOGE dauere? Vier Wochen nur!

Die WOGE als Marke

Reinhold Jäger sagt stolz, dass die WOGE mit ihren weit über 5000 Einheiten heute "eine Marke" sei. Das sei nur möglich gewesen, "weil die Mitarbeiter mitmachen, im Kopf dabei sind" - konkret: Mieter ernst nehmen, viel sprechen, aber auch, bei allem Respekt vor der "sozialen" Komponente des Wohnens "wirtschaftlich arbeiten".

Also dort investieren, wo Nachfrage zu erwarten sei. Und dies sei dort, wo Arbeitsplätze entstünden. Wie in der Pasteurstraße, in enger Nachbarschaft zum Krankenhaus. Hier gehören der WOGE drei Hochhäuser. "Wir hatten aber auch Glück, dass wir mit zinsgünstigen Darlehen der Kreditanstalt für Wiederaufbau arbeiten konnten", erinnert Jäger.

Anders als Außenstehende vermuten könnten, hat der langjährige Chef von LEG und Woge seine zehn- bis zwölfstündigen Arbeitstage überwiegend außerhalb des Büros auf Außenterminen verbracht. Wobei Jäger seine Tätigkeit als die des "Generalisten" beschreibt, der Finanzierungen sichert und in Konzepten denkt und auf den es vor allem ankomme, wenn bei Kosten, Baufortschritt oder Qualität Abweichungen drohten. "Ich war nie der beste Architekt und war auch nicht darauf aus, mir Denkmäler zu setzen", sagt Jäger, zu dessen offizieller Verabschiedung auch und gerade die kommunikativen Fähigkeiten besonders gewürdigt wurden. Sein Dienstwagen war zuletzt ein Mercedes C - mindestens eine Nummer bescheidener, als sich Manager vergleichbarer Gesellschaften fortbewegen. Immer erstklassig dagegen die Garderobe des Ästheten Jäger; Frau und Töchter achteten mit darauf, dass Hosen, Sakko, Krawatte und Einstecktuch stets adrett harmonierten.

Stets adrett

Der Rückblick auf sein Arbeitsleben erfüllt den Sozialdemokraten mit Zufriedenheit. Das Schöne sei, dass er sehen könne, was geleistet wurde, "was Greifbares". Nein, beantwortet er die Frage, ob er was in den Sand gesetzt habe, jedenfalls nichts Großes, Teures. Eine regelrechte "Pionier"-Leistung seien, zwischen 1990 und 2000, die Erschließungsmaßnahmen am Weltkulturerbe gewesen.

30 Millionen Euro Investment seien hier erfolgt, angefangen von der Sicherung der Flächen (erinnert sich noch einer an das eklige Wort "Revikoz", betreffend die Revitalisierung der Kohlenwertstoffbetriebe? Jäger muss sich da auch schütteln), dem Bau von Wegen und des Parkplatzes sowie der Verlegung von Leitungen.

Leider kein Stadion

Viele hätten in den frühen Jahren auch nicht die Fantasie aufgebracht, aus dem Denkmal Alter Bahnhof etwas Gescheites wachsen zu sehen. Mit Kreativität, Durchhaltewillen und Geld sei man schließlich erfolgreich gewesen, sagt Jäger und lobt an dieser Stelle erneut zwei Mitstreiter: den Ingenieur Martin Ritter und den Architekten Joachim Conrad. Das Einzige, was dem Entwickler Jäger nicht gegönnt war und was er dennoch gern gemacht hätte: ein Fußballstadion bauen! Kommt ja vielleicht noch.


Zum Thema:

Zur PersonReinhold Jäger, Jahrgang 1948, war seit 1987 Geschäftsführer der Landesentwicklungsgesellschaft Saar, die öffentliche Liegenschaften vermarktet, Wohngebiete erschließt oder Rathäuser baut (wie in Großrosseln). Die denkmalgerechte Sanierung des Gebläsehauses der Völklinger Hütte zum Veranstaltungsort im Weltkulturerbe sowie der Erhalt des Alten Bahnhofes fallen in seine Zeit. Als Sprecher der Geschäftsführung der WOGE Saar, Wohnungsgesellschaft Saarland mbH, ordnete er den Wohnungsbestand des Landes neu. Damals wurden die Wohnungen der LEG, der SIG - Saarland Immobiliengesellschaft - und die ehemaligen Saarstahl-Wohnquartiere in der WOGE konzentriert. 2003 kamen die Wohn-Immobilien der Deutschen Bahn in der Region hinzu. Heute gehören der WOGE 5500 Wohnungen. Von 2006 bis heute wurden 25 Millionen Euro in die energetische Sanierung von Wohnungen investiert, überwiegend in Völklingen und Saarbrücken. Im August geht Jäger in den Ruhestand. Er lebt mit seiner Familie in Dudweiler. wp

Reinhold Jäger zwischen Objekten der Landesentwicklungsgesellschaft Saar in der Mainstraße in Heidstock.
Reinhold Jäger zwischen Objekten der Landesentwicklungsgesellschaft Saar in der Mainstraße in Heidstock.