Wie und wo einzelne Saarländer Nein sagten

Auf Initiative der Union-Stiftung Saarbrücken wurde eine Internet-Karte erstellt, die einzelne Widerstandstaten an der Saar erfasst. Von Zeitzeugen und Lokalhistorikern erhofft sie sich weitere Hinweise.

Widerstand bedeute nicht nur die militärische Aktion, sondern sei breiter angelegt, erklärt Helmut Rönz, Historiker am Institut für Landeskunde und Regionalgeschichte des Landschaftsverbandes Rheinland (LVR) in Bonn. "Es geht um Fälle von Verweigerung, Unangepasstheit und öffentlichem Protest", um die "Hilfe im Kleinen". Im Rahmen eines Internetportals sind diese Fälle und Formen des Widerstands für die Rheinprovinz erfasst.

Warum nicht auch für das Saarland?, sagte man sich bei der Union-Stiftung Saarbrücken vor eineinhalb Jahren. Seitdem sichtete ein siebenköpfiges Team von Historikern des LVR im Auftrag der Union-Stiftung 21 000 im Landesarchiv sowie im Landeshauptarchiv Koblenz lagernde Gerichtsakten zum Thema Widerstand an der Saar zwischen 1935 und 1945 und wertete sie anhand eines Fragenkatalogs nach Herkunft, Form, Dauer und politischer Positionierung aus. Das Milieu, ob Arbeiterschaft oder katholische Kirche, führte dabei nicht automatisch zum Widerstand, stellt Helmut Rönz klar, "aber es war oft seine Motivation".

261 Fälle aus der Saar-Region hat das Team bislang für das Internetportal gelistet, wobei man "nach Aufarbeiten aller Akten auf 600 Fälle mindestens kommt", sagte Rönz gestern bei der Präsentation des Internetportals in Saarbrücken. Fest steht, dass es sich im Saarland um einen "flächendeckenden Widerstand" handelte: "Alltagswiderstand durchzieht die gesamte Rhein-Provinz und die gesamte Saar-Region", erklärte Rönz. Und anders als in Regionen im Landesinneren bestand in Grenzregionen wie dem Saarland der Widerstand in der Fluchthilfe über die Grenze oder im Einschleusen von Flugschriften. Dennoch hat Widerstand viele Erscheinungsformen: "Widerstand ist überall dort, wo Menschen Nein sagten, sich verweigerten und nonkonformistisch waren", sagt Rönz. Daran will das Portal erinnern, das als Informationsquelle für Schulen und Kommunen dienen soll, so Markus Gestier von der Union-Stiftung: "Das sind wir den Menschen schuldig, die sich engagiert haben", betont Rönz. Gerade wo Widerstand geglückt und Hilfe erfolgreich war, ist nichts in den Akten vermerkt, sehr wohl aber ist es in den Erinnerungen von Zeitzeugen bewahrt. "Daher sind wir auf Zeitzeugen und die sogenannte ‚graue Literatur' von Regional- und Lokalhistorikern angewiesen", begründet Markus Gestier den gerade gestarteten "Sammlungsaufruf", der dem Projekt weitere Hinweise auf Formen des Widerstands bringen soll.

Kontakt: Markus Gestier, Union-Stiftung, Telefon (06 81) 7 09 45 14; E-Mail: m.gestier@unionstiftung.de

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