Wie Hunderetter Menschen helfen

Oft sind sie die einzigen Freunde und der beste Grund, nicht aufzugeben. Aber wenn die Hunde von Obdachlosen krank werden, läuft das Leben ihrer Besitzer gleich mit aus dem Ruder. Deshalb riefen eine Sozialarbeiterin und die Tierversuchsgegner eine Hilfsaktion ins Leben. Doch die ist in Gefahr.

Jürgen Geyl sorgt sich sehr um seinen kranken Pudelmischling Spike (5). Foto: Claudia Kohls. Foto: Claudia Kohls

Morgens ist es sein erster, abends sein letzter Gedanke. Nein, er darf noch nicht sterben. Spike, der zierliche Pudelmischling, der so fröhlich ist. Bis die Schmerzen wiederkommen. Er ist doch erst fünf. Aber krank. Und Jürgen Geyl, seinem neuen Besitzer, fehlt das Geld . Wie kann er dem Kerlchen nur helfen, das er aus der Saarbrücker Obdachlosenszene bei sich aufgenommen hat? Und das er retten will. Unbedingt. Der Kampf um das Leben von Spike war schon teuer. Entschieden ist er ist noch nicht. Schon der Gedanke an die Kosten der Darmspiegelung, die nun ansteht, lässt Jürgen Geyls Mut sinken. Aber er muss um Spike nicht allein kämpfen. An seiner Seite hat er Helfer, deren Tierliebe Menschen hilft. Es sind die Sozialarbeiterin Christel Kohls und die Aktivisten des Vereins "Menschen für Tierrechte - Tierversuchsgegner Saar".

Kohls arbeitet schon lange mit jungen Obdachlosen und weiß wie wichtig die Hunde für sie sind. "Die Tiere gehen mit ihren Menschen durch dick und dünn. Sie geben ihnen Stabilität über viele Stationen ihres Lebens - das Wichtigste für die meist sehr jungen Leute", sagt die Mitarbeiterin des SOS-Jugenddienstes. Also wollen Kohls und die Tierversuchsgegner, dass die Hunde gesund bleiben oder wieder werden.

Auch dann, wenn ihre Besitzer zu arm sind, einen Tierarzt aufzusuchen. Dafür erhalten sie in der Karcherstraße Berechtigungsscheine. Die geben die Hundehalter dem Tierarzt. Der Arzt bekommt das Geld von den Tierversuchsgegnern.

"Unser System mit Berechtigungsscheinen verhindert Missbrauch von vornherein", sagt Rolf Borkenhagen, der Vorsitzende der Tierversuchsgegner. Aber das Geld für die Behandlungen muss ja trotzdem da sein. Und es kommt fast ausschließlich von Spendern. Dabei wird der Kampf um jeden Cent wird immer härter.

Gleichzeitig wächst die Zahl der Hilferufe. 19 waren es 2013, 2014 bereits 24. "Das waren und das sind immer ausgesprochene Notfälle wegen schwerer Verletzungen oder Krankheiten", sagt Kohls. Ihre Klientel verstehe durchaus, dass sie für alltägliche Ausgaben - etwa die Impfkosten - selbst geradestehen muss.

Die Tierliebe dieser Menschen, meist alleinstehende Männer zwischen 20 und 40, beeindruckt Kohls stets aufs Neue. "Von Vernachlässigung der Hunde kann keine Rede sein. Wenn die Besitzer irgendwie können, zahlen sie uns sogar etwas zurück." Das aber wird, wie die paar hundert Euro pro Jahr von der Tierschutzstiftung Saar , nicht reichen. Schon gar nicht 2015. Bereits jetzt reicht Christel Kohls' dicker Aktenordner kaum noch für die vielen Rechnungen. In diesem Jahr brauchten bereits 30 Tiere dringend Hilfe.

Kohls, als erfahrene Sozialarbeiterin kaum zu erschüttern, wirkt bedrückt. "Auf uns kamen in den vergangenen Monaten sehr viele Nachfragen zu. Entsprechend hoch waren die Arztkosten . Uns fehlt inzwischen das Geld dazu." Es fehlt erst recht dem neuen Besitzer von Spike. So nimmt Jürgen Geyl die Angst um den Freund mit in die nächste Nacht. Und sie wächst noch, wenn er beim Aufwachen wieder seinem kranken Schützling in die Augen blickt. Also wird er Christel Kohls anrufen. Und er wird fragen, ob sein kranker Freund Spike denn eine Chance bekommt. Noch weiß Kohls nicht, was sie ihm antworten soll.

Infos: Christel Kohls,

Telefon (06 81) 3 04 69.