„Wie es früher einmal vor dem Rathaus war“

Baudezernent Heiko Lukas diskutierte mit dem SZ-Ältestenrat über die Verkehrssituation in Saarbrücken

Der Ältestenrat der Saarbrücker Zeitung hatte gestern den Baudezernat Heiko Lukas zu einer Diskussion über den Verkehrentwicklungsplan (VEP) 2030 zu Gast.

Saarbrücken soll im Nahverkehr für Fahrradfahrer und Fußgänger attraktiver werden. Insbesondere die Zahl der Fahrradfahrer soll bis zum Jahr 2030 von derzeit 4 auf 12 Prozent gesteigert werden. Rüdiger Kaldewey, ehemaliger Leiter der Saarbrücker Marienschule, hält den Ausbau des Fahrradverkehrs für sehr vernünftig. Jedoch sieht er ein nachhaltiges Problem darin, die Saarbrücker zum nötigen Umdenken zu motivieren: "Die Bürger sind zu stark auf ihr Auto fixiert." Baudezernent Heiko Lukas stimmt Kaldewey zu. Um die Bürger zu einem Umdenken zu bewegen, müssten fahrradfreundliche Angebote geschaffen werden. Schlüsselmaßnahmen zum Optimieren des Radverkehrs seien, so Lukas, ein Ausbau der E-Bike-Ladestationen, die Einrichtung von Radkomfortrouten und der Bau neuer Radpfade. Aber, so betont Lukas: "Der Individualverkehr soll nicht aus der Innenstadt verbannt werden."

Ein weiteres Thema war die Optimierung und Entlastung des Kfz-Verkehrs in der Innenstadt. Jedem ist das hohe Verkehrsaufgebot zur Rushhour und am Wochenende wohl bekannt. Auch die Mitglieder des Ältestenrates kennen dieses Problem und bemängeln insbesondere das Parkraumkonzept der Stadt Saarbrücken. Heide Dannemann beklagte sich im Besonderen über die teuren Parkhäuser in der Innenstadt. Auch hier pflichtet Lukas dem Ältestenratsmitglied bei. Innerhalb der Maßnahmen des VEP strebe man jedoch ein faires Preissystem und attraktive, helle und saubere Parkhäuser "ohne Angstfaktor" an, sagt Lukas.

In Bezug auf den Nahverkehr kritisierte Karin Nehl, ehemalige kulturpolitische Sprecherin der FDP, die Preise von Bus und Bahn: "Es ist einfach zu teuer." Die Optimierung des Tarifsystems sei eine Schlüsselmaßnahme, die kurzfristig umgesetzt werden soll, jedoch gab Heiko Lukas keine konkreten Angaben dazu. Im Vordergrund seiner Ausführungen stand der grenzüberschreitende Zweckverband und die Einrichtung von Schnellbus-Linien. Diese "simplen Maßnahmen" bedürften noch der Abstimmung, Lukas sehe sie jedoch in der kurzfristigen Planung.

Großes Interesse beim Ältestenrat fand das geplante Bauprojekt der kleinen Innenstadtumfahrung und die darauf folgenden geplanten Aufwertungen und Umgestaltungen von Hauptverkehrsstraßen, wie beispielsweise Viktoriastraße und Rathaus-/Johanneskirchplatz. Eine Machbarkeitsstudie der kleinen Innenstadtumfahrung soll in den nächsten Wochen in Auftrag gegeben werden. Neben den Vorteilen der Entlastung von Knotenpunkten könnte die Viktoria straße dadurch stärker belastet werden. Zukunftsmusik sind aber noch die daraufhin angestrebten Neuerungen für Fußgänger. Ein mögliches Konzept des VEP spielt mit dem Gedanken einer neuen Fußgängerzone zwischen Rathaus und Johanneskirche. Heiko Lukas schwebt ein ruhiger und attraktiver Platz vor, "wie es früher vor dem Rathaus einmal war".

Am Ende der Präsentation lässt eine Frage nicht lange auf sich warten: Wie soll das Ganze finanziert werden? "Wir haben keine zusätzlichen Mittel", sagt der Baudezernent. Die Maßnahmen müssen finanziell besser abgestimmt werden. Probleme sieht Lukas in den personellen Engpässen der Stadt.

Zum Thema:

Gremium und Pläne (ste) Im Ältestenrat, dem Senioren-Sprachohr der Lokalredaktion Saarbrücken der Saarbrücker Zeitung, diskutierten mit dem Saarbrücker Baudezernent, Prof. Heiko Lukas: Karin Nehl, Hildegrad Rediker, Ruth Buddich, Dieter Bost, Rüdiger Kaldewey, Peter Lukas, Axel Egler (Vorsitz), Carola Kleinbauer, Ulla Karch, Anna-Luise Hossfeld-Umlauf, Paul Haben. Der Ältestenrat lädt regelmäßig Gäste aus verschiedenen politischen, kulturellen und sozialen Bereichen zur Diskussion ein und steht der Redaktion beratend zur Seite. Auf der gestrigen Diskussion mit dem Ältestenrat gab Heiko Lukas bekannt, dass noch in diesem Jahr ein städtebaulicher Wettbewerb für Alt-Saarbrücken ausgeschrieben werden soll. Thema des Wettbewerbs ist die Tallage von Alt-Saarbrücken und wie sie sich weiterentwickeln kann. Im Mittelpunkt dieser Umgestaltungsaktion stehe vor allem die Heuduckstraße, die Lukas als "Rückrad der Stadt" bezeichnet.