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Wie es Eveline Sebaa hierher verschlug . . . und was ihr Hund damit zu tun hat

Wie es Eveline Sebaa hierher verschlug . . . und was ihr Hund damit zu tun hat

Neuzugang in der Saarbrücker Kulturszene: Die Autorin und Regisseurin Eveline Sebaa landete durch einen Zufall an der Saar und beginnt nun vorsichtig, sich in die hiesige Theaterszene einzubringen.

Manchmal haben Lebenslinien etwas Poetisches. Sie kreuzen sich und dehnen sich auf so kunstvolle Weise, dass man dahinter einen absichtsvollen Schöpfer vermuten könnte. Die Lebenslinien der Autorin und Regisseurin Eveline Sebaa sind solche. Da finden sich überraschende Muster und am vorläufigen Ende eine Art Schleife zwischen Saarbrücken und Saargemünd.

Geboren im Schwarzwald, studiert in Bayreuth und Köln, Engagement an der Nordsee, wieder nach Köln - und dann ins Saarland? In solchen Bögen schwingt meistens die Liebe mit. Und das Schicksal, wenn man es so nennen möchte.

Im Falle von Eveline Sebaa war das ihr Hund, mit dem sie im Kölner Grüngürtel spazieren ging. Der blieb bei einem Mann stehen, man kam ins Gespräch - und in der Folge und nach langer Fernbeziehung zog die Regisseurin und Autorin Eveline Sebaa vor drei Jahren zu ihrem Mann, dem Saarbrücker Lichtgestalter Andreas Thiel.

Wer die Saarbrücker Kulturszene aufmerksam verfolgt, dem ist ihr Name in den letzten Monaten sicher begegnet. Vor allem im Programm des Theaters im Viertel. Zwei ihrer Stücke - "Herma - Die Frau ohne Flügel" und "Steinbruch" - waren da bisher zu sehen, erarbeitet mit ihrem Kölner Theaterprojekt mit dem komplizierten Namen "Tannenzapfenstreichquartett in Mollnatur".

Der Gruppenname gibt bereits einen deutlichen Hinweis darauf, was Eveline Sebaa künstlerisch umtreibt: die Melodie der Sprache. "Ich wäre gern Musikerin geworden, aber das ist nicht mein Talent", erzählt die hübsche, blonde Frau von nicht erkennbaren 40 Jahren im SZ-Gespräch.

Dass sie mal inszenierende Autorin werden würde, war aber auch nicht zwangsläufig. Zwar hat sie in Bayreuth neue deutsche Literatur und Theaterwissenschaft studiert, "aber ich habe studiert, um zu lernen, ohne Ziel". Bis eine Professorin Tschechows "Möwe" inszenierte und ihrer hübschen Studentin nicht die erwartete Rolle der Maa gab, sondern die Regie-Assistenz anbot. "Sie hat mehr gesehen als ich", sagt Eveline Sebaa rückblickend. Die Regie, das war ihr Ding. "Oh, wow, das Ganze zu sehen, das hat mich total fasziniert".

Und so landete Eveline Sebaa bald über einen Wettbewerb an der Studiobühne in Köln (wo sie weiterstudierte), bekam ihren ersten Regie-Auftrag und inszenierte vor allem Theaterstücke für Jugendliche.

In dieser Zeit begann sie damit, Texte umzuschreiben, wenn ihr deren Sprachmelodie nicht gefiel. Der Weg zur Theaterautorin war beschritten. Und nach einer Regieassistenten-Zeit am Stadttheater Bremerhaven ("Direkt am Meer, für mich als Schwarzwälderin war das krass") schlug sie zur Fassungslosigkeit der dortigen Kollegen einen Regie-Vertrag aus.

Sie fürchtete, sich in der Sicherheit und Hierarchie eines Theaters nicht treu bleiben zu können. Die Lebenslinie schlug die nächste Welle. "Ich hatte immer gelesen: Ohne Not wirst du bequem", lächelt sie. Also begab sie sich sozusagen in Not. "Ich habe zahllose Nebenjobs gemacht". Aber so hatte sie Zeit fürs Schreiben und für den Aufbau ihres Ensembles in Köln.

Fünf Stücke sind bisher fertig. Diese Stücke sind zumeist psychologische Versuchsanordnungen. In "Herma" etwa spielt sie durch, was mit einem Menschen passiert, der der allerletzte auf der Welt ist. Oder "Steinbruch": "Da interessierte mich, was passiert mit einem Menschen, der sehr viel Geld hatte und alles verliert".

Einen Gedichtband ("eiswalzer", 2A Verlag) hat sie veröffentlicht, schreibt in diesem Winter an einer längeren Prosa-Geschichte - Roman möchte sie lieber nicht sagen, das Wort ist so groß. Und sie nähert sich der Saarbrücker Kulturszene an. Ein neues Stück soll im kommenden Herbst im TiV Premiere haben - auch in Zusammenarbeit mit Saarbrücker Künstlern. "Ich habe Lust, hier weiterzumachen". Hier, an diesem Haltepunkt ihrer Lebenslinie.

Diese Linie hat übrigens noch eine besonders schöne Schleife: Eveline Sebaa wohnt mit ihrem Mann und dessen elfjährigem Sohn in Saargemünd, denn ihr Mann ist von Kindesbeinen an frankophil. "Die Gegend dort ist für mich wie Heimkommen. Mein Vater ist Franzose aus Sarralbe, ich habe dort immer meine Ferien verbracht". Vom Schwarzwald durch halb Deutschland fast wieder ins Krumme Elsass. Der Hund hatte wirklich einen guten Riecher - oder einen Auftrag.

 Mit dem Stück „Herma“ – hier eine Szene mit Jessica Sinapi – gab Eveline Sebaa ihren Einstand in Saarbrücken. Foto: Oliver Dietze
Mit dem Stück „Herma“ – hier eine Szene mit Jessica Sinapi – gab Eveline Sebaa ihren Einstand in Saarbrücken. Foto: Oliver Dietze Foto: Oliver Dietze

Zum Thema:
Wer Eveline Sebaas Texte und Inszenierungen kennenlernen möchte, hat dazu in nächster Zeit mehrfach Gelegenheit. Am Donnerstag, 10. Dezember, 18 Uhr, liest die Autorin aus ihren Texten im kürzlich eröffneten Konzeptladen "Freudenschrei" am Rathausplatz 7 (schräg gegenüber von der Sparkasse, gleich an der Saarbahn-Haltestelle).Ihr Stück "Herma - die Frau ohne Flügel" ist am 26. und 27. Februar wieder im Theater im Viertel am Landwehrplatz zu sehen. Es spielt Jessica Sinapi. redevelinesebaa.blogspot.de/