| 00:00 Uhr

Wie die Puppe Odin um ihre gefährdete Schöpfung kämpft

Odin und seine Puppenspielerinnen. Foto: Helmut Pogerth
Odin und seine Puppenspielerinnen. Foto: Helmut Pogerth FOTO: Helmut Pogerth
Susanne Olbrich:. Das Figurentheater im Kleinen Theater im Rathaus steht in diesem Jahr unter dem Motto "Märchen und Mythen". Zum Saisonauftakt am Samstag zeigen das Theater Fusion und das Puppentheater Paradox gemeinsam "Odin - Kommt alles wie es kommt?" nach Motiven des nordischen Edda-Mythos. SZ-Mitarbeiterin Silvia Buss sprach mit Figurenspielerin Susanne Olbrich darüber, was die Zuschauer erwartet.

Was reizte Sie daran, für ein Figurentheaterstück ausgerechnet die Edda auszuwählen, einen so alten mythischen Stoff ?

Auslöser waren die Entdeckungen einer Moorleiche in Deutschland und von Ötzi. Das hat mich so fasziniert, dass ich anfing zu recherchieren, was es denn bei uns an alter Mythologie gibt. Da stößt man zwangsläufig auf die Geschichten der Edda, die so alt sind wie die Menschheit und im Mittelalter in Island erstmals schriftlich notiert wurden. Ich merkte, viele unserer Sagen und Legenden und die Grimmschen Märchen haben dort ihren Ursprung.

Wovon erzählt die Edda?

Vom Werden der Welt, von der Unordnung, der Ordnung, von der Zeit, von oben und unten, von Streit, Habgier, Macht - also eigentlich von allem. Da das Original für uns unlesbar war, haben wir uns auf eine norwegische Prosafassung aus den 90er Jahren gestützt, die das alles sehr schön heutig beschreibt.

Die Geschichten sind ja sehr umfangreich, wie macht man daraus ein kurzes Stück?

Wir haben lange gebraucht, bis wir einen roten Faden gefunden haben. Es ist der Gott Odin, der Schöpfer von allem. Er geht einem sehr ans Herz, weil er an seiner Schöpfung immer wieder zweifelt, aber stets die Kraft findet weiterzumachen, obwohl ihm weisgesagt wird, dass alles immer wieder zerstört werden wird.

Wagner hat aus der Nibelungensage, die auch zur Edda gehört, Opern gemacht. Was spricht dafür, die Edda gerade als Figurentheater zu inszenieren?

Man kann Götter natürlich als Schauspieler mit einem klaren Gesicht spielen, aber eine Puppe regt die Fantasie viel mehr an. Man weiß auch, dass die Geschichten in alter Zeit am Feuer mittels kleiner oder größerer geschnitzter Holzfiguren erzählt wurden. Die wurden teilweise auch als Götzen um das eigene Gebiet gestellt, als Zaunlatten, unser Lattenzaun stammt daher.

Warum soll man sich das anschauen?

Nicht zuletzt sind es vergnügliche eineinhalb Stunden, in denen man in die Ahnenwelt unserer Götter eintauchen kann.Wir erzählen das sehr flockig.

Figurentheater Paradox (Stuttgart)/TheaterFusion (Berlin): "Odin - Kommt alles wie es kommt?". Samstag, 8. Februar, 19.30 Uhr, Kleines Theater im Rathaus. Empfohlen ab 16 Jahren. Karten: (0681) 390 46 02